ZWEI
Seine Beerdigung war nur spärlich besucht. Wallace war nicht erfreut. Er war nicht einmal sicher, wie er hierhergekommen war. Im einen Moment hatte er noch auf seinen Körper gestarrt. Dann hatte er geblinzelt und sich irgendwie vor einer Kirche wiedergefunden, die Türen standen offen, und die Glocken läuteten. Das große Schild vor der Kirche machte die Sache auch nicht besser.FEIERLICHEZUSAMMENKUNFTZUMGEDENKENANWALLACEPRICE, stand da. Das Schild gefiel ihm nicht, wenn er ehrlich war. Nein, es gefiel ihm ganz und gar nicht. Vielleicht konnte ihm drinnen jemand sagen, was zum Teufel hier vorging.
Er hatte auf einer Bank im hinteren Teil Platz genommen. Diese Kirche war alles, was er hasste: prunkvoll, mit großen bemalten Glasfenstern und mehreren Versionen von Jesus in verschiedenen Stadien des schmerzvollen Leidens, die Hände an ein Kreuz genagelt. Eines der Kreuze war aus Stein, wie es schien. Zu Wallace’ Entsetzen schien sich niemand daran zu stören, dass die prominente Figur, die überall in der Kirche zu sehen war, ausgerechnet in ihrem Todeskampf dargestellt wurde. Er würde Religion nie verstehen.
Er wartete darauf, dass noch mehr Leute eintrafen. Auf dem Schild vor der Tür stand, die Beerdigung würde pünktlich um neun Uhr beginnen. Laut der dekorativen Uhr an der Wand (ein weiterer Jesus, dessen Arme als Zeiger fungierten, wodurch der Betrachter wohl daran erinnert werden sollte, dass Gottes eingeborener Sohn ein Verrenkungskünstler gewesen war) war es fünf vor neun, und es waren nur sechs Leute in der Kirche.
Wallace kannte fünf von ihnen.
Die erste war seine Ex-Frau. Ihre Scheidung war eine bittere Angelegenheit gewesen, voller haltloser Anschuldigungen auf beiden Seiten. Ihre Anwälte hatten sie kaum davon abhalten können, sich anzuschreien, wenn sie sich am Tisch gegenübersaßen. Sie musste hergeflogen sein. Schließlich war sie ans andere Ende des Landes gezogen, um von ihm wegzukommen. Er nahm es ihr nicht übel.
Größtenteils.
Sie weinte nicht. Aus Gründen, die er selbst nicht genau erklären konnte, war Wallace verärgert darüber. Sollte sie nicht schluchzen?
Die bekannten Gesichter zwei, drei und vier gehörten seinen Partnern aus der Anwaltskanzlei Moore, Price, Hernandez & Worthington. Er wartete darauf, dass weitere Firmenmitglieder dazustießen. Schließlich hatte sichMPH&W seit der Gründung vor zwanzig Jahren vom einfachen Garagenbüro zu einer der mächtigsten Kanzleien im gesamten Staat entwickelt. Zumindest erwartete er seine Assistentin Shirley, wie sie mit verschmiertem Make-up und einem Taschentuch in der Hand wimmerte, sie wisse nicht, wie sie ohne ihn weitermachen solle.
Sie war nicht anwesend. Wallace konzentrierte sich voll und ganz auf sie, wollte mit schierer Willenskraft erzwingen, dass Shirley auftauchte und jammerte, wie ungerecht das alles war. Dass sie einen Chef wie Wallacebrauchte, um ihr den rechten Weg zu weisen. Nichts geschah, und Wallace runzelte die Stirn. Ein unbehagliches Gefühl spukte durch seinen Hinterkopf.
Die Partner versammelten sich im hinteren Teil d