: Ebi Naumann
: Das Geheimnis hinter den Geschichten 20 Porträts beliebter Kinderbuchautorinnen und -autoren
: Woow Books
: 9783961775750
: 1
: CHF 14.40
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: Biographien
: German
: 144
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Jeder kennt Momo, den Räuber Hotzenplotz, die Mumins und Pippi Langstrumpf. Aber wer hat die beliebten Kinderbuchfiguren eigentlich erfunden? Und verraten die Abenteuer der Figuren vielleicht auch etwas über das Leben ihrer Erfinder*innen? Dieses besondere Sachbuch versammelt zwanzig Autor*innen klassischer Kinderliteratur und erzählt, wie sie auf ihre Buchideen gekommen sind. Oft begann alles, als die Autor*innen noch klein waren und das Lesen, Schreiben oder Malen für sich entdeckten. Darum lüften vor allem die Kindheitserinnerungen der Autor*innen das Geheimnis hinter den Geschichten. Mit Erich Kästner, Astrid Lindgren, A.A. Milne, Maurice Sendak, Tove Jansson, Antoine de Saint-Exupéry, Judith Kerr, Mark Twain, Christine Nöstlinger, James Krüss, Roald Dahl, Paul Maar, Andreas Steinhöfel, Michael Ende, Otfried Preußler, Kirsten Boie, J.R.R. Tolkien, Frida Nilsson, Finn-Ole Heinrich und Eric Carle

Ebi Naumann, 1949 in Kiel geboren und studierter Jurist, lernte Französisch bei dem Pantomimen Marcel Marceau in Paris, machte Straßentheater in Berlin und arbeitete als Lektor und Herausgeber in verschiedenen Verlagen, bevor er sich als Produzent im TV-Geschäft einen Namen machte.Nun ist er schon seit mehr als 15 Jahren als Übersetzer und Autor tätig, vornehmlich als »Spezialist für die kurze Form«.Das gilt für Bilderbücher (gereimt und ungereimt) ebenso wie für Graphic Novels, deren Sprechblasen eine ganz spezielle Herausforderung darstellen, sich kurzzufassen.

»Am liebsten wäre ich ein kleines, einsames Tier im Wald.«


ASTRIDLINDGREN


Am Anfang ihrer Karriere hat Astrid Lindgren einmal gesagt: »Ich bin ein ganz, ganz klein wenig ziemlich ›berühmt‹. Aber darüber mag ich nicht schreiben.« Umso mehr haben das später andere für sie übernommen. Über Astrid Lindgren und ihr Leben wurden mehr Bücher veröffentlicht als über fast alle anderen Autoren und Autorinnen, von denen ich euch hier erzähle.

Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie nicht bloßPippi Langstrumpf geschrieben hat, einen der berühmtesten Kinderromane aller Zeiten, sondern auch noch über hundert weitere Geschichten. Und dass diese Geschichten von unendlich vielen Kindern auf der ganzen Welt verschlungen werden. Außerdem hat Astrid Lindgren fast alle Preise gewonnen, die man mit Kinderbüchern überhaupt gewinnen kann. Einer der wichtigsten ist nach ihrem Tod im Jahr2002 sogar nach ihr benannt worden – derAstrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis.

Geboren wurde Astrid fünfundneunzig Jahre zuvor, am14. November1907. Aber nicht in Bullerbü, wie manche von euch vielleicht glauben, sondern auf Näs, einem Hof nicht weit entfernt von der schwedischen Kleinstadt Vimmerby. Dort hat sie ihre Kindheit verbracht, im Kreis ihrer großen Familie. Zusammen mit den Mägden und Knechten, die auf dem Hof arbeiteten, und deren Kindern.

Das Leben auf Näs verlief fast so wie das Leben in Bullerbü. Für alle, die dieBullerbü-Bücher gelesen haben, ist es deshalb sicher keine Überraschung, dass die kleine Astrid schon ganz früh gelernt hat, auf Bäume zu klettern. Am liebsten auf den Eulenbaum von Näs. Der wurde so genannt, weil sich in seiner Krone tatsächlich ein Eulenpaar sein Nest gebaut hatte. Falls Astrid dort oben wirklich einmal ein Hühnerei gefunden haben sollte, so wie die Kinder aus Bullerbü, dann nur, weil Astrids Bruder es gegen eins der Euleneier ausgetauscht hatte. Astrid ist noch bis ins hohe Alter auf Bäume geklettert. Und wenn sich jemand daran störte, meinte sie: »Es steht nicht in Moses’ Gesetzen, dass alte Frauen nicht auf Bäume klettern dürfen.«

Aber das Leben auf Näs, all das, was die Kinder dort erlebten, findet sich nicht bloß in denBullerbü-Büchern wieder. Auch Pippi Langstrumpfs SpielNicht den Fußboden berühren hat seinen Ursprung auf diesem Hof. Denn wenn Astrid und ihre Geschwister nicht draußen spielen konnten, tobten sie ganz genau so über die Möbel des großen Schlafzimmers wie Pippi in dem ihr gewidmeten Buch. Im Wohnzimmer war das Spielen nämlich verboten, nur im Schlafzimmer störte es die Eltern nicht.

Überhaupt ließen die Eltern Astrid und ihren Geschwistern Gunnar, Stina und Ingegeerd sehr viel Raum. Und doch – immer dann, wenn die Kinder sie brauchten, waren die Eltern für sie da. Diese Freiheit und die große Liebe der Eltern – sowohl gegenüber den Kindern als auch zueinander – findet sich nicht nur in Astrid Lindgrens Büchern wieder. Sie prägte ihr gesamtes Leben.

Ebenso wie Edit, die Tochter eines Kuhknechts, der auf Näs arbeitete. Denn in der kleinen Küche ihrer Eltern las Edith der etwas jüngeren Astrid die ersten Märchen vor. Das versetzte Astrids Seele »in Schwingungen«. Und die haben sicher mit dazu beigetragen, dass sie später neben ihren zum Teil märchenhaften Geschichten sogar ein paar richtige Märchen geschrieben hat.

Dazu kam, dass in Näs fast jeden Tag Landstreicher anklopften, die kein eigenes Zuhause hatten. Sie durften im Stall übernachten und erzählten den Kindern vor dem Einschlafen spannende Geschichten. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass es der erwachsenen Astrid nicht schwergefallen ist, später Bücher wieRasmus und der Landstreicher zu schreiben. Sogar inPippi Langstrumpf tauchen schon zwei Landstreicher auf. Die beiden haben es auf Pippis Goldkoffer abges