: Ralf Schwob
: Das Präsidium Frankfurt-Krimi
: Societäts-Verlag
: 9783955424275
: 1
: CHF 9.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 240
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Drogenkurier Maik steckt in Schwierigkeiten: Sein Kumpel hat sich mit der letzten Lieferung abgesetzt und die Auftraggeber sind ihm auf den Fersen. Maik versteckt sich im leerstehenden alten Polizeipräsidium in Frankfurt und setzt alles daran, die Lieferung wiederzubekommen. Der Ex-Banker Thomas pendelt nur noch zum Schein jeden Tag ins Bankenviertel, seinen Job hat er längst verloren und auch in der Familie kriselt es. Als er durch Zufall in den Besitz einer Tasche voller Drogen kommt, scheint das die Lösung seiner Probleme zu sein. Doch wie verkauft man als unbescholtener Bürger Kokain im Wert von einer Viertelmillion Euro? Während Maik dem dealenden Ex-Banker und dessen ahnungsloser Familie Schritt für Schritt näherkommt, werden immer mehr Personen in die Drogenjagd verwickelt ...

Ralf Schwob ist Jahrgang 1966 und schreibt seit vielen Jahren regional angesiedelte Spannungsromane. Für seine literarischen Arbeiten wurde er u.a. mit dem Literaturförderpreis der Stadt Mainz und dem Nordhessischen Literaturpreis ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie im Kreis Groß-Gerau und arbeitet dort als Buchhändler und freier Autor.

Frankfurt am Main, März 2009


Endlich wieder AC/DC live in Deutschland. Das Konzert in der Festhalle war schon seit Monaten ausverkauft. Keine 12 Minuten hatte es gedauert, als im vergangenen Oktober die Karten in den Vorverkauf kamen, bis sie auch schon wieder weg waren.

Die Fans kamen mit der U-Bahn vom Hauptbahnhof oder sprangen aus Autos, die kurz vor der Halle hielten. Der Gewitterschriftzug der Band war überall auf dem Vorplatz zwischen dem Messeturm und den Absperrgittern der Halle zu sehen: auf Jeansjackenrücken, auf T-Shirts, auf Baseball Caps und Schals. Es war gerade mal 16 Uhr vorbei und noch taghell, aber vor der Halle hatte sich schon eine Menschentraube gebildet, im Kampf um die besten Plätze im Innenraum.

Maik hielt die beiden Tickets am ausgestreckten Arm in die Höhe und sah sich um. Ein paar Headbanger glotzten zu ihm rüber und stießen sich gegenseitig an, schienen aber nicht interessiert. Er überlegte, ob er vielleicht etwas rufen sollte, so wie es einige der anderen Schwarzmarkthändler taten. Aber eigentlich war ja klar, was er hier anbot. Man musste wohl nur ein bisschen Geduld haben.

Er ging ein paar Schritte, zeigte seine Tickets und blieb wieder stehen. Aus einer Gruppe Jeansjackenträger löste sich einer und kam auf ihn zu.

Der Typ war fast einen ganzen Kopf kleiner als Maik, hatte einen Fusselbart und trug eine Angus-Young-Kappe mit Teufelsohren.

»Was willstn dafür haben?«

»300 für beide«, sagte Maik. »Ist ’n Schnäppchen.«

»Ich brauch aber nur eine.«

»Okay, dann kostet’s aber mehr.«

»Wieviel?«

Maik tat einen Moment lang so, als würde er eine schwerwiegende Entscheidung treffen müssen, dann sagte er gönnerhaft: »170, weil du’s bist.«

Der Kleine machte ein Gesicht, als habe er auf eine Zitrone gebissen. »170 Euro? Echt jetzt?«

»Hör zu, nimm das Ticket oder lass es bleiben, aber diskutier nicht mit mir rum, okay?«

»Also, ich weiß nicht ...«

Maik zuckte mit den Achseln, sah sich demonstrativ um und hielt die Karten wieder in die Höhe.

»Ja, gut, okay«, hörte er den Kleinen hinter sich eifrig sagen, kaum dass er sich von ihm weggedreht hatte. »Ich nehm eine.«

Maik grinste. Der Kleine fingerte seine Brieftasche aus der Jeans, holte drei Fünfziger und einen Zwanziger heraus und gab sie Maik, der ihm im Gegenzug eine der Karten aushändigte.

»Die sieht aber komisch aus ...« Der Kleine musterte das Ticket argwöhnisch.

»Sind Pressekarten.«

»Echt jetzt?«

»Wenn ich’s dir sage. Wenn du Glück hast, kommste damit auch Backstage.«

Der Kleine nickte zögerlich, warf Maik noch einen kritischen Blick zu und verschwand dann in der Menge.

Wenn das mit der zweiten Karte genauso einfach lief, würde er das öfter machen. Mal hier vor der Festhalle, mal drüben in Offenbach, wenn ein Konzert in der Stadthalle ausverkauft w