KAPITEL 1
Olivia Shore starrte durch die abgedunkelte Scheibe der Limousine zu dem Privatjet, der auf dem Rollfeld stand. So weit war es mit ihr nun schon gekommen: Sie reiste durch das Land mit einem geistig minderbemittelten, überbezahlten Footballprofi und zu vielen schlechten Erinnerungen – und das alles, um eine Luxusuhr zu vermarkten.
Dies würden die längsten vier Wochen ihres Lebens werden.
Thaddeus Walker Bowman Owens beugte sich näher an das Flugzeugfenster und sah hinaus zu der Limousine, die neben dem Jet angehalten hatte. Exakt achtunddreißig Minuten Verspätung. Ein Chauffeur trat in Erscheinung und lud hinten einen Koffer aus, dann noch einen, danach einen dritten. Als Nächstes kam eine Kleiderhülle zum Vorschein, gefolgt von einem vierten Koffer. Thad zog den Kopf vom Fenster zurück. »Was zum Teufel habe ich mir da eingebrockt?«
Cooper Graham spähte an ihm vorbei durch das Fenster, um seinem Blick zu folgen, und schaute dann halb grinsend auf Thads maßgeschneiderte Hose aus feinster Schurwolle und den Pullover aus Kaschmir und Seide. »Sieht ganz so aus, als würdest du im Ranking der bestgekleideten Promis Konkurrenz bekommen.«
Thad schenkte dem Mann, der sein bester Freund war und zugleich ein ewiger Stachel in seinem Fleisch, einen finsteren Blick. »Ich mag es, mich gut zu kleiden.«
»Die halbe Zeit siehst du aus wie ein verdammter Pfau.«
Thad warf einen vielsagenden Blick auf Coopers Hoodie und die Jeans. »Im Vergleich zu dir schon.« Er legte den linken Fuß, der in einem halbhohen italienischen Designerstiefel mit superweichem Innenfutter steckte, über das rechte Knie. »Trotzdem nett von dir, dass du gekommen bist, um mich zu verabschieden.«
»Das war das Mindeste, was ich tun konnte.«
Thad lehnte sich zurück in den Ledersitz. »Du hattest Angst, ich würde nicht auftauchen, stimmt’s?«
»Gut möglich, dass es mir kurz in den Sinn kam.«
»Erzähl mir, wie du das angestellt hast.«
»Wie ich was angestellt habe?«
»Wie du es angestellt hast, die Uhrenfabrik Marchand – Verzeihung, die Uhrenmanufaktur Marchand – zu überzeugen, dass ich als Markenbotschafter genauso gut geeignet bin wie der legendäre Cooper Graham.«
»Du bist nicht gerade ein Niemand«, erwiderte Cooper milde.
»Verdammt richtig. Und zum Beweis habe ich die Heisman Trophy bekommen. Der einzige Pokal, den selbst du nicht im Regal stehen hast.«
Cooper grinste und klopfte ihm auf die Schulter. »Dein Mangel an persönlichem Neid ist das, was ich an dir am meisten bewundere.«
»Da Marchand der offizielle Uhrenausrüster der Stars ist und du dankend abgewunken hast, wollten die bestimmt Clint Garrett haben, nicht wahr?«
»Möglich, dass sein Name gefallen ist.«
Thad schnaubte empört. Clint Garrett war der hochtalentierte, von sich eingenommene junge Blödmann, den die Chicago Stars letztes Jahr als Quarterback verpflichtet hatten, um die Lücke zu füllen, die Cooper nach seinem Rückzug aus dem Profisport hinterlassen hatte. Derselbe Clint Garrett, den er zu einem besseren Spieler machen und – ach ja – ersetzen sollte, falls der Schwachkopf sich verletzte.
Als Thad vor sechzehn Jahren mit der Heisman Trophy, einer jährlichen Auszeichnung für den besten Spieler im College Football, von der Universität gekommen war, hatte er sich selbst als den nächsten Cooper Gr