Tonbandprotokoll
Asservaten-Nr.:KXCV|13–534v
Aufnahmegerät: Revox A77MKIV (Baujahr 1978)
Transkription: Lucas Butler (lb)
Ich hoffe sehr, dass jemand diese Tonbänder findet und so ein Gerät besitzt, um sie anzuhören. Eigentlich könnte es mir auch egal sein, aber ich will, dass jemand meine Version dieser Geschichte erfährt. Und dass eine ganze Menge von dem, was man sich über mich vielleicht erzählt, einfach nicht stimmt oder zumindest ganz anders war.
Da ich nicht weiß, wem die Tonbänder in die Hände fallen, sollte ich vielleicht erklären, wie die Dinger funktionieren. Es ist ein viereckiger Kasten, ungefähr so groß wie einPC-Gehäuse. Es gibt ein paar Knöpfe und Schalter und zwei runde Spulen. Auf einer ist das gewickelt, was dem Gerät den Namen gibt: ein ungefähr ein oder zwei Zentimeter breites Band. Wenn du das Gerät einschaltest, rotieren die Spulen und das Band wird von einer auf die andere Rolle gewickelt. In der Mitte sitzen die Tonköpfe, die aufnehmen, was du in ein Mikrofon sprichst. Zum Glück steckte in der Seitentasche des Gerätekoffers eine Bedienungsanleitung.
Eine altmodische Angelegenheit, und diese Bänder sind einigermaßen empfindlich, aber es funktioniert und klingt sogar ganz gut.
Der Typ, dem das Haus gehört, hat Tierstimmen damit aufgenommen, Vögel und Frösche und alle möglichen anderen Geräusche drüben an dem kleinen See, der jetzt aber total zugefroren ist. Echt schräg, es gibt unzählige von diesen Bändern, aber eine menschliche Stimme habe ich bisher auf keinem gefunden. Zum Glück sind darunter auch noch einige unbespielte Bänder. Sieben, um genau zu sein, die benutze ich jetzt.
Der Typ war ziemlich sicher ein komischer Kerl, na ja, vielleicht kein Verrückter, aber zumindest eigenartig. Sehr. Er hat hier allen möglichen Kram versteckt. Mangel an Streichhölzern habe ich zum Beispiel nicht mehr, die hatte er in einer Regentonne gebunkert, die hinten im Schuppen stand.
Die Tonne ist aus wirklich stabilem Plastik und hat einen luftdichten Verschluss. Es sind lauter Sachen drin, die man zum Überleben braucht, und ein Handbuch vom Katastrophenschutz. Vielleicht will er sie ja noch vergraben.
Ich glaube, der Typ ist so ein Prepper, der auf alles vorbereitet sein will. Ich bin heilfroh, weil mir die Sachen jetzt sehr helfen. Es war sogar Schokolade drin, schmeckt ein bisschen muffig, macht aber trotzdem froh, wenn du abends den Blues kriegst und heulen möchtest. Die Kurbeltaschenlampe habe ich jetzt immer bei mir.
Für das Tonband braucht man allerdings Strom und das ist ein Problem. Es gibt hier nämlich keinen richtigen Stromanschluss, nur so eine Art Akku oder eine große Batterie, die man wiederaufladen kann. Bei gutem Wetter mache ich das mit der Solaranlage, ansonsten steht in der Scheune noch ein Generator, der mit Diesel betrieben wird. Von dem wiederum habe ich aber nur ein paar Kanister gefunden (es sei denn, der Typ hat noch so ein Lager wie für die Streichhölzer). Außerdem macht das Teil ordentlich Radau und ich will nicht, dass jemand auf mich aufmerksam wird. Im Moment ist der Akku noch halb voll, weil gestern die Sonne ein paar Stunden geschienen hat. Ich muss sparsam damit umgehen.
Also, ich mache mir jetzt einen Tee und dann geht es weiter.
[Unterbrechung]
Hier ist mehr los als am Times Square in New York. Ich hatte ein seltsames Ge