: Joan Aiken
: Emma Watson
: Diogenes
: 9783257612417
: 1
: CHF 10.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 272
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Emma Watson (Heldin von Jane Austens gleichnamigem unvollendeten Roman) ist mit neunzehn zu dem kränkelnden Vater und ihrer Lieblingsschwester Elizabeth zurückgekehrt. Bruder Robert wohnt mit seiner habgierigen Frau in Croydon; die Schwester Penelope hat scheinbar eine gute Partie gemacht; ihr Bruder Sam bemüht sich um beruflichen Erfolg als Arzt, und Emmas Schwester Margaret glaubt, Tom Musgrave zu lieben.

Joan Aiken, Tochter des amerikanischen Lyrikers Conrad Aiken und seiner kanadischen Frau, wurde 1924 in Sussex geboren. Ihre ersten Gedichte und Schauergeschichten schrieb sie im Alter von fünf Jahren. Sie wurde Verfasserin zahlreicher historischer Romane, moderner Thriller und vieler Kinderbücher. Joan Aiken starb 2004 in Petworth, West Sussex.

»Was für ein glücklicher Umstand, daß Robert und Jane ausgerechnet heute ihre Freunde in Alford besuchen«, sagte Emma Watson, während sie mit einem großen Bündel Tischwäsche beladen das Waschhaus betrat.

»Ja, wirklich«, bestätigte ihre Schwester Elizabeth und rührte eifrig in den Bottichen herum, die Wäsche in einer Lösung aus Haushaltssoda und ungelöschtem Kalk zum Einweichen enthielten. »Was du da bringst, Emma, können wir, wenn es nicht ganz bös verfleckt ist, gleich in den Kessel geben.«

»Da wäre nur dieses Taschentuch von Vater, auf dem sind Tintenflecke.«

»Dann legst du es am besten in einen Tiegel mit Oxalsäure oder Kleesalz. Die Flaschen stehen nebenan im Regal.«

Das Waschhaus der Pfarre von Stanton war ein großer, zugiger, mit gelben Steinplatten ausgelegter Raum, in dem ein Kupferkessel und mehrere Holzbottiche standen. Der Bleichraum nebenan wurde auch zum Bügeln, Mangeln und Trocknen benutzt. Beide Räume waren zu ebener Erde gelegen, die Fenster gingen auf den Wirtschaftshof hinaus. Im Augenblick standen alle Fenster offen, damit der Dampf abziehen konnte.

Beide Schwestern trugen Holzschuhe und große Leinenschürzen über den Kattunkleidern.

»Ich finde, zumindest Margaret hätte hierbleiben und uns helfen können. Sie weiß doch, daß die arme alte Nanny einen schlimmen Fuß hat und liegen muß«, stellte Emma sachlich fest und breitete das verfleckte Taschentuch in einem Tiegel mit Bleichlösung aus.

»Wo denkst du hin! An Margaret hätten wir so viel Hilfe wie an einer Dreijährigen – oder eher noch weniger. Sie würde nur quengeln und herumstehen und sich darüber beschweren, daß ihr das Soda die weißen Hände verdirbt. Nein, Emma, ohne sie kommen wir besser zurecht. Es ist sehr lieb von dir, daß du mir ein Stück Arbeit abnimmst, und ich bin heilfroh, daß es ein so schöner Tag zum Trocknen ist. Wenn es uns gelingt, bis neun die Bettwäsche im Obstgarten aufzuhängen, können wir vielleicht alles wieder hereinholen, ehe unsere Gäste abends zum Essen kommen. Wie gut, daß spätes Essen neuerdings in Mode gekommen ist.«

»Ein Jammer, daß du nicht mitfahren konntest, Elizabeth. Ich habe den Eindruck, daß du nie einen freien Tag hast.«

»Wenn ich die große Wäsche rasch hinter mich bringen kann, macht mir das viel mehr Freude als ein freier Tag«, sagte Elizabeth ehrlich. »Und gerade heute hätte ich Robert und Jane nicht um alles in der Welt begleiten mögen. Der Besuch hätte nur schmerzliche Erinnerungen geweckt, ich –« Die letzten Worte hatte sie mi