An einem warmen Juniabend saßen zwei in ein lebhaftes Gespräch vertiefte junge Damen in der Torhausstube der Abbey. School von Reading. Dieser Raum, über dem gewölbten Torweg gelegen, der zum Haupteingang und zum Schulhof führte, wurde des Lärms und der Ablenkung halber nur selten zu Unterrichtszwecken benutzt, da er Fenster nach beiden Seiten hatte und jeder Reiter, jede Kutsche, die der Schule zustrebten, von dort beobachtet werden konnten. Er blieb deshalb gewöhnlich weniger wichtigen Beschäftigungen, wie dem Handarbeiten, Zeichnen, der Erledigung von Schulaufgaben und dem Klavierüben, vorbehalten. Etliche Hilfsmittel für diese Tätigkeiten hatten ihren Weg hierher gefunden: zwei Globen, eine mit Fries bespannte Schneiderpuppe, eine Schachtel weißer Kreiden und ein Pianoforte. An den Wänden hingen von früheren Schülerinnen in Chenille gestickte Bilder, auf denen man Vasen und Trauerweiden bewundern konnte.
Es muß jedoch eingeräumt werden, daß sich die jungen Damen in die Torhausstube vornehmlich zurückzogen, um ein Plauderstündchen abzuhalten. Dazu war der Raum, fern vom Hauptstrom des gelehrsamen Treibens, trefflich geeignet. Nicht, daß man in den übrigen Bereichen des Pensionats gegen einen Schwatz geradezu etwas einzuwenden gehabt hätte. Die Abbey School war ein angenehmes, beschauliches Institut, in dem man danach trachtete, auch den trägsten Geist nicht über Gebühr zu beanspruchen, wenn auch Schülerinnen, die sich ehrlich interessiert zeigten, an allen Vormittagen der Woche bei den dort wirkenden Lehrern ein durchaus ansehnliches Wissen erwerben konnten. Mrs. Latournelle, die Begründerin der Schule, eine Dame mit mütterlichem Wesen, flinker Zunge, einem Korkbein und einer Theatervergangenheit, über die nichts Näheres bekannt war, hatte1805, vor zehn Jahren also, die Leitung des Instituts niedergelegt, um sich fürderhin dem Trinken von Portwein zu widmen und ihr Korkbein auf einem Sofa zu lagern. Mrs. Latournelles Platz war von ihrer Nichte, Mrs. Camperdowne, eingenommen worden, die von ebenso liebenswürdiger und duldsamer Veranlagung war. Unter ihrer Ägide stand es den Schülerinnen – vorausgesetzt, sie waren manierlich und stritten sich nicht – weitgehend frei, Romane zu lesen, im Garten herumzustreifen, Obst zu pflücken, sich an Spielen zu erfreuen, miteinander zu schwatzen oder in aller Ruhe ihren Studien nachzugehen, ganz wie die Lust sie ankam.
Die beiden jungen Damen, die derzeit behaglich auf der gepolsterten Fensterbank der Torhausstube saßen, betrieben keine Studien; dennoch war zumindest eine von ihnen überaus ernst und gesammelt.
»Es ist mir so sehr, s