Heute habe ich mich entschlossen, zur Feder zu greifen, um meine Geschichte zu erzählen, denn jetzt, da ich gewissermaßen sicher und trockenen Fußes auf einer freundlichen Anhöhe stehe, kann ich auf die Sümpfe, Überschwemmungen, Stürme und tobenden Fluten meines bisherigen Lebens mit einiger Gelassenheit zurückblicken. Überdies mögen andere, denen das Schicksal zur Zeit nicht so wohlgesonnen ist, aus meinen Erlebnissen Nutzen ziehen oder sich zumindest damit zerstreuen.
Was aber im Schoß der Zukunft für uns verborgen liegt – wer mag das ermessen?
Und so will ich denn ohne weitere Vorrede beginnen.
Über die Umstände meiner Geburt habe ich keine Kenntnis, ja ich weiß nicht einmal, in welchem Land ich zur Welt kam und ob es darüber irgendwelche schriftlichen Unterlagen gibt.
Meine Erinnerungen reichen zurück bis ins Jahr1797. Damals war ich etwa drei oder vier Jahre alt und aufgrund meiner Lebensumstände schon ein aufgewecktes kleines Mädchen. Als Kleinkind soll ich anfällig und schwächlich gewesen sein und wurde wegen meines unseligen Makels von den einen mißachtet, von anderen gefürchtet. Meine Pflegemutter Hannah Wellcome betreute damals außer mir mehrere Jungen, die größer waren als ich, und weil sie Angst hatte, ich könne durch sie zu Schaden kommen (und sie selbst dadurch ihres Pflegegeldes verlustig gehen), drückte sie mir, sobald ich laufen konnte, täglich einen Halfpenny in die Hand und schickte mich zum Pfarrhaus in die fragwürdige Obhut von Hochwürden Dr. Moultrie. Für den Halfpenny bekam ich beim Dorfbäcker drei Stückchen Kuchen als Mittagessen, und um von mir nicht durch Fragen gestört zu werden, beeilte sich der Herr Pfarrer, ein träger alter Kerl, der tagsüber viele Stunden in seinem Lehnstuhl verdämmerte, mich das Lesen zu lehren. Danach ließ er mich auf seine Bibliothek los. Die Bücher überTom Hickathrift, Jack Riesentöter undGoldlocks, die wohl seinen inzwischen längst erwachsenen Kindern gehört hatten, waren schnell ausgelesen, so daß ich mich wohl oder übel an schwererverdauliche Kost wagen mußte – GoldsmithsEnglische Geschichte, Sammelbände desSpectator, Shakespeares Dramen, Gedichte und theologische Abhandlungen, außerdem BerquinsAmi des Enfants und einfache italienische Erzählungen (dank deren ich Geschmack an fremden Sprachen fand und mir erste Kenntnisse erwarb, die mir später gut zustatten kamen).
Einen Band nahm ich immer wieder zur Hand. Er hießKönig Arthurs Tod, erzählte von Rittern und Schlachten, von Sir Beaumain, Sir Persaint, dem Zauberer Merlin und König Arthur und fessel