: Joan Aiken
: Fanny und Scylla oder Die zweite Frau
: Diogenes
: 9783257612523
: 1
: CHF 10.00
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 704
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die frisch vermählte, sechzehnjährige Fanny wird von ihrem Gatten erniedrigt und mißhandelt. Viele tausend Meilen entfernt, in Nordindien, fliehen zwei junge Menschen um ihr Leben, verfolgt von den Kriegern eines rachsüchtigen Maharadschas. 1001 Abenteuer müssen die Zwillinge bestehen, bis sie endlich in England im Haus ihrer Cousine ankommen. Hier jedoch stehen finstere Ereignisse bevor...

Joan Aiken, Tochter des amerikanischen Lyrikers Conrad Aiken und seiner kanadischen Frau, wurde 1924 in Sussex geboren. Ihre ersten Gedichte und Schauergeschichten schrieb sie im Alter von fünf Jahren. Sie wurde Verfasserin zahlreicher historischer Romane, moderner Thriller und vieler Kinderbücher. Joan Aiken starb 2004 in Petworth, West Sussex.

In der Nacht des vierten April1775 widerfuhr Henry Goble, der als Gärtner auf dem Gut des Dritten Grafen von Egremont arbeitete, etwas so Trauriges und Absonderliches, daß es ihn von heute auf morgen von Grund auf verwandelte: Aus dem freundlichen, ausgeglichenen Burschen, der es sich gerne bei einem Krug Bier, einem Würfelspiel und einer freundlichen Plänkelei wohlsein ließ, wurde ein schweigsamer, zurückgezogener, grüblerischer Menschenfeind.

Dieser Wandlung ging eine Kette von Ereignissen voraus, die durch einen unglücklichen Zufall ausgelöst worden waren. Der gutherzige Goble hatte sich als Bürge für einen Kumpanen hergegeben, einen munteren, nichtsnutzigen italienischen Landschaftsgärtner namens Ridotti, den man nach Petworth geholt hatte, wo Lord Egremont seine Hauptresidenz hatte. Dort sollte er bei der Verschönerung von Park und Garten des Petworth Guts mitwirken.

Ridotti, ein verschwenderischer, sorgloser Südländer, gleichwohl ein geschickter Gärtner, stürzte sich Hals über Kopf in hohe Schulden für modische Kleidung und eine Handvoll Bücher über Gartenpflege, wurde zahlungsunfähig und zog sich dann im nebelfeuchten englischen Winter eine Lungenentzündung zu, die ihn schnell hinwegraffte. So konnten seine Gläubiger bei ihrer Ankunft nur seine wenigen Habseligkeiten zur teilweisen Deckung seiner Schulden beschlagnahmen, und der unglückselige Goble wurde ins Gefängnis von Petworth geworfen.

Goble, ein rechtschaffener Petworther Bürger mittleren Alters, nahm seine Einkerkerung zunächst nicht allzu schwer, abgesehen davon, daß sein Stolz verletzt war. Lord Egremont, der im Moment auf seinen Gütern in Northumberland weilte, wurde in wenigen Tagen zurückerwartet, und sobald er wieder da war, würde er die erforderlichen Gelder für seinen Gärtner vorschießen, das war so klar wie das Amen in der Kirche, denn er war ein freundlicher, großzügiger Herr mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit.

Einstweilen lebte sich Goble mit großem Gleichmut in seiner elenden Unterkunft ein. Außer ihm und einem betrunkenen Fuhrmann, den man wegen Pöbelei und öffentlicher Ruhestörung eingekerkert hatte, befand sich erfreulicherweise momentan niemand im Gefängnis. Während Goble an seinem Penny-Laib, seiner täglichen Brotration herumkaute, kam er zu dem Schluß, daß er nach seiner Entlassung Lord Egremont unverzüglich auf den üblen Zustand des Stadtgefängnisses aufmerksam machen mußte. Er konnte es gut und gern einflechten, während sie die neuen Rasenflächen abschritten, oder wenn sie im Park besprachen, wie tief der Zaun eingelassen werden sollte – der weite luftige R