: Lili Barnett
: Lebensfreude Eine mexikanische Liebesgeschichte
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962154011
: 1
: CHF 4.50
:
: Erzählende Literatur
: German
: 200
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Als Sara mit ihrem Mann Max in die mexikanische Stadt Manzanillo zog, erhoffte sie sich in der Gegenwart des Meeres, der Wärme und Kokospalmen ein idyllisches Leben - mit ihren Kindern und ihren Gedichten. Das geht für einige Jahre gut. Doch dann scheint alles um sie - und in ihr - zu zerbrechen. Sie verliebt sich in Lucas, den besten Freund ihres Mannes. Sie kann nicht mehr schreiben. Probleme ihrer Vergangenheit verfolgen sie. Auch in dem Meeresparadies nehmen die Schwierigkeiten zu - Drogentote, misshandelte Migranten. In all dem Chaos begibt sich Sara auf einen unorthodoxen Weg, um ihre Ängste zu heilen und einen Beitrag zu leisten, um die Lebensfreude, die sie trotz allem empfindet, durch Worte mit anderen zu teilen. Leider verändert all das nichts an ihren Gefühlen für Lucas ...

Lili Barnett ist geborene Österreicherin, zog aber vor etwa zwanzig Jahren vom Fernweh gepackt nach Mexiko. Dort lebt nun mit ihrem Mann, ihrer Tochter und ihrer Katze. Sie arbeitet als Schriftstellerin und Universitätsprofessorin für interkulturelle Entwicklung.

Vorspiel


Sara und Lucas, der beste Freund ihres Mannes, saßen auf dem Plastikrücksitz eines Taxis auf dem Weg zu Saras Lieblingsbucht.

Ihre Melancholie von gestern war verschwunden, und sie war aufgeregt. In ihren Gedanken verspürte sie eine bunte Vorfreude, die ihr vorkam, wie die winzigen Blätter, die aus Kressesamen wuchsen.

Als sie ankamen, bezahlte Sara das Taxi, weil sie schneller nach ihrer Geldbörse gegriffen hatte, und Lucas streckte ihr hastig 50 Pesos entgegen, um sie einzuladen, aber sie nahm sie nicht an.

Sie stiegen aus.

Das Taxi fuhr davon. Kaum hatten ihre von Badeschuhen halb geschützten Füße den heißen Sand berührt und sie den Geruch von Algen, Salzwasser und Sonnenöl eingeatmet, kam ein junger Mann auf sie zugeeilt, der eine knappe Badehose und ein ausgeleiertes weißes T-Shirt trug.

Es war der Bootsmann.

„Hello, my name is Alfredo“, stellte er sich vor, mit amerikanischerem Akzent als jeder Amerikaner. Vermutlich dachte er wie viele Mexikaner, dass Sara Amerikanerin sei. „Very nice to meet you. Where are the others?“

Die Bootsfahrt – ursprünglich eine Überraschung von Saras Mann Max für seinen Besuch – war für acht Personen gebucht worden.

„Den anderen geht es heute nicht so gut“, erklärte Lucas auf Spanisch. Seine Frau Petra, Max und die Kinder hatten sich beim Fischessen gestern Abend den Magen verdorben. Nur Sara hatte keinen Hunger gehabt, und Lucas war bei einer Lesung seines gerade erschienenen Romans gewesen. „Aber sie finden es angeblich lustig, gemeinsam krank zu sein.“

Alfredo zuckte mit den Schultern. „Na gut“, antwortete er. „Bezahlt ist bezahlt.“ Dann wandte er sich Sara zu. „And where are you from?“

„Mexiko“, antwortete Lucas für sie, wobei er ihr zuzwinkerte. Er wusste, wie sehr Sara dieses Land liebte.

„Europe“, gestand Sara, weil sich Alfredo mit der Lüge offensichtlich nicht zufriedengab.

Jetzt nickte er und ging los. Beide folgten ihm schweigend zu dem kleinen weißen Boot, das auf den Wellen tanzte.

Sie zogen ihre Badeschuhe aus und stiegen vorsichtig ein.

Dann fuhren sie los. Fort von der Bucht, begleitet von einem leichten Wind und der trägen Melodie von Alfredos fortwährenden Erklärungen: Hier war ein teures Hotel, da eine berühmte, spärlich bekleidete Schönheit am Strand, dort wurde ein Meditationszentrum gebaut. Er zeigte auf eine Marienstatue der Vírgen de Guadalupe mit ihrem dunklen Gesicht und Sternenmantel, die in einer Felsennische thronte. Alfredo bekreuzigte sich ehrfürchtig und murmelte hastig ein Gebet. Bald redete er eifrig weiter, von einem besonders noblen Hotel in Weiß.

Sara hörte kaum zu. Neben ihr schäumte der Pazifik, weiß-grau und mit fröhlicher Eindringlichkeit, als wollten sich die kleinen Wellen heimlich ins Boot und auf ihren Körper stürzen. Einige Fische durchdrangen das sonnenerleuchtete Blau. Das Boot zischte an Felsen vorbei, an einem Haus, das verfallen und einsam auf einem Berg stand, mit Blick auf das Meer.

Lucas sah sie an und lächelte. Er trug ein weißes, leicht zerknittertes, kurzärmeliges T-Shirt, aus dem seine muskulösen Arme ragten, und schwarze Bade