: Stephen Crane
: Wolfgang Hochbruck
: Die tristen Tage von Coney Island Geschichten
: Pendragon Verlag
: 9783865327710
: 1
: CHF 17.10
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: Hauptwerk vor 1945
: German
: 272
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Stephen Crane: Der James Dean der amerikanischen Literatur! Humorvoll und mit feinsinniger Beobachtungsgabe: 13 von ­Stephen Cranes wichtigsten Erzählungen sind in ­diesem Band versammelt. Hier entfaltet er seine ganze Schaffensfreude, beschreibt spannende, ­tragische, teils auch absurde Situationen wie in Seefahrer wider Willen. Stephen Crane gilt als einer der Wegbereiter der modernen amerikanischen Literatur. Seine Geschichten sind gerade ­deshalb so authentisch und mitreißend, weil er als ­Abenteurer und Reporter vieles davon selbst erlebt hat. Die ­großartige Darstellung eines Schiffbruchs in Das ­offene Boot und die in Nebraska angesiedelte Geschichte Das blaue Hotel ­zählen zu den Meisterwerken der Weltliteratur.

Stephen Crane (1871-1900) war als Journalist und Kriegsberichterstatter ­tätig und einer der ersten Autoren, der sich in seinen Werken sozialkritisch äußerte. ­Crane lebte auf der Straße unter ­Bettlern und ­Kriegsveteranen und legte sich mit der New Yorker Polizei an. Er schuf in ­seinem kurzen Leben ein enormes Werk: Lyrik, ­Erzählun­gen und Romane. Als er mit nur 28 Jahren an den Folgen einer Tuberkulose­erkrankung starb, war Crane einer der bekanntesten und modernsten Autoren seiner Generation.

Die tristen Tage von Coney Island

„Wenn die Saison hier zu Ende geht“, sagte mir der Fremde, „werde ich unweigerlich schwermütig. Die Tristesse, die zu dieser Jahreszeit ein Seebad wie Ihr Coney Island befällt, löst bei mir regelrecht Depressionen aus. Diese riesigen, leerstehenden Paläste, von krankhaft optimistischen Architekten in die Landschaft gesetzt, erinnern mich unangenehm an meine eigenen Kindheitsträume. In jenen Jahren, in denen man noch ungeniert seinen Visionen nachjagen kann, entwarf ich riesige Schlösser, in denen ich all meine Freunde und Bewunderer bewirten wollte. Erst später wurde mir klar, dass der banale zweigeschossige Holzrahmenbau eine weitaus komfortablere Alternative ist. Diese ausgemergelten Bienenwaben hingegen, die stur und stoisch auf das Publikum warten, ohne das sie nun mal nicht leben können, wirken auf mich erschreckend pathetisch – zumal wenn das Meer, ungerührt und unerschütterlich wie’s nun mal ist, putzmunter zu Füßen der traurigen Karusselltiere planscht und keinen Gedanken an die verschwundenen Gäste verschwendet.“

Beim Sprechen schaute der Fremde mehrfach aufs Wasser, als wolle er dem wogenden Meer seine ausdrückliche Missachtung bekunden. Die leichte Brise, die von den Navesink Hills in New Jersey hinüberwehte, hatte ihm die philosophischen Locken zerzaust und auf die Denkerstirn geweht. „In gewisser Weise“, fuhr er fort, „sind die Häuser sogar deprimierender als die Menschen – wobei es hier genug Menschen gibt, die