Die tristen Tage von Coney Island
„Wenn die Saison hier zu Ende geht“, sagte mir der Fremde, „werde ich unweigerlich schwermütig. Die Tristesse, die zu dieser Jahreszeit ein Seebad wie Ihr Coney Island befällt, löst bei mir regelrecht Depressionen aus. Diese riesigen, leerstehenden Paläste, von krankhaft optimistischen Architekten in die Landschaft gesetzt, erinnern mich unangenehm an meine eigenen Kindheitsträume. In jenen Jahren, in denen man noch ungeniert seinen Visionen nachjagen kann, entwarf ich riesige Schlösser, in denen ich all meine Freunde und Bewunderer bewirten wollte. Erst später wurde mir klar, dass der banale zweigeschossige Holzrahmenbau eine weitaus komfortablere Alternative ist. Diese ausgemergelten Bienenwaben hingegen, die stur und stoisch auf das Publikum warten, ohne das sie nun mal nicht leben können, wirken auf mich erschreckend pathetisch – zumal wenn das Meer, ungerührt und unerschütterlich wie’s nun mal ist, putzmunter zu Füßen der traurigen Karusselltiere planscht und keinen Gedanken an die verschwundenen Gäste verschwendet.“
Beim Sprechen schaute der Fremde mehrfach aufs Wasser, als wolle er dem wogenden Meer seine ausdrückliche Missachtung bekunden. Die leichte Brise, die von den Navesink Hills in New Jersey hinüberwehte, hatte ihm die philosophischen Locken zerzaust und auf die Denkerstirn geweht. „In gewisser Weise“, fuhr er fort, „sind die Häuser sogar deprimierender als die Menschen – wobei es hier genug Menschen gibt, die