: Miriam Rademacher
: Im Blut Ein Fall für die Soko Sennenberger
: Rowohlt Verlag Gmbh
: 9783644011564
: Die Soko Sennenberger-Reihe
: 1
: CHF 5.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 288
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine Leiche im Moor. Und ein rätselhafter, Jahrzehnte zurückliegender Todesfall. Im Moor nahe einer niedersächsischen Kleinstadt wird die Leiche des Kioskbesitzers Daniel Abrams entdeckt. Genau dort, wo vierzig Jahre zuvor sein Onkel tot aufgefunden wurde. Ein Zufall? Oder ist die Familie verflucht? Dorfkommissar Markus Sennenberger, mitten in einer Scheidungs- und Selbstmitleidskrise befindlich, nimmt sich missmutig des Falls an. Sein Team: ausgerechnet die Neulinge Derio Conte, Hamburger Jung mit Impulsivitätsproblem, und die unauffällige Fiona Sacher mit dem auffällig großen Hunger. Während sich Sennenberger nur nach Ruhe sehnt, stellen die beiden sein Leben auf den Kopf. Die Ermittlungen holpern, aber dann führen sie die Soko Sennenberger zu einem vermissten Mädchen, einer seltsamen Wissenschaftlerin und einem Mann, der nicht der ist, der er vorgibt zu sein. «Miriam Rademacher ist eine kühne Autorin: starke Dialoge und Protagonisten. Plus eine Plot-Idee, von der man unbedingt wissen will, wie sie ausgeht.» Sabine Rückert, stellvertretende Chefredakteurin der ZEIT, Gerichts- und Kriminalreporterin und Chefin des Podcasts «ZEIT Verbrechen»

Miriam Rademacher, Jahrgang 1973, wuchs auf einem kleinen Barockschloss im Emsland auf. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Osnabrück, wo sie an ihren Büchern arbeitet und Tanz unterrichtet. Sie hat zahlreiche Fantasy-Romane, Krimis und Kinderbücher in verschiedenen Verlagen veröffentlicht. 

Kapitel 1


August 1979: Ferdinand


Das Fernsehprogramm bot eine Reihe von Banalitäten, ganz wie man es von einem Samstagabend erwarten konnte. Ferdinand Abrams saß in seinem neuen Ledersessel und studierte lustlos die Programmzeitschrift. Er konnte sich weder für den Krimi noch für den abgeschmackten Liebesfilm und erst recht nicht für den Dokumentarfilm im Dritten begeistern. Stattdessen erwog er tatsächlich auszugehen, eine Art der Freizeitgestaltung, die ihn im Allgemeinen wenig reizte. Doch heute Morgen war er an einem dieser auffälligen Pappschilder vorbeigefahren, die ein Schützenfest am Rande der Stadt ankündigten, und seitdem war ihm diese Veranstaltung nicht mehr aus dem Kopf gegangen.

Ferdinand Abrams war in keinem Verein, schon gar nicht in einem Schützenverein, und tanzen konnte er auch nicht. Aber auf einem solchen Fest würde er einer unter vielen sein, würde sich herrlich durchschnittlich vorkommen und sein Bier nicht allein trinken müssen. Das war vielversprechend und klang nach einem Wagnis, das er eingehen konnte. Hier würde ihn ohnehin niemand vermissen, er lebte allein in seiner penibel aufgeräumten und immer gut geputzten Wohnung. Seinem Fernseher war es egal, ob Ferdinand ihm Aufmerksamkeit schenkte oder nicht.

Schon schwebte seine Hand über der Fernbedienung, um den Flimmerkasten auszuschalten, doch dann ließ er es bleiben. Einen Augenblick lang starrte er auf die kleinen Tasten und überlegte, ob es nicht klüger wäre, das Gerät laufenzulassen und die Lautstärke hochzuschalten, damit sogar seine schwerhörige Nachbarin später bestätigen konnte, dass er den ganzen Abend zu Hause verbracht hatte. Und vielleicht würde er ja doch noch so etwas wie ein Alibi brauchen, man konnte ja nie wissen.

Für einen kurzen Augenblick malte er sich den kommenden Abend noch einmal ganz anders aus. Dann vertrieb er diese Gedanken, schaltete hastig den Apparat ab und floh aus seinem eigenen Wohnzimmer und vor seinen eigenen Gedanken.

Die nächste halbe Stunde verbrachte er damit, sich passend zu kleiden. Was trug man auf einem Schützenfest? Ferdinand Abrams entschied sich für den braunen Anzug mit entsprechender Krawatte. Dann entschied er sich wieder um. Und schließlich lächelte ihm sein Spiegelbild tapfer in einem beigefarbenen Pullover, kombiniert mit einer nagelneuen Bluejeans, entgegen. Das war besser. Er sah sogar ganz gut darin aus, irgendwie locker und fast jugendlich.

Er war jetzt neununddreißig Jahre alt, von akzeptabler Größe, das blonde Haar lichtete sich noch nicht, und sein Bauch war noch immer flach. Eigentlich konnte er mit sich zufrieden sein. Vielleicht würden die Dinge ja heute für ihn ausnahmsweise so laufen, wie sie laufen sollten. Er könnte auf diesem Fest jemanden kennenlernen. Eine Frau, schlank, blond und selbstbewusst. Eine Frau genau des Typs, der ihn für gewöhnlich geflissentlich übersah und schlimmstenfalls sogar belächelte. Diese Frauen meinten es natürlich ni