: Miriam Rademacher
: Durch die Haut Ein Fall für die Soko Sennenberger
: Rowohlt Verlag Gmbh
: 9783644012370
: Die Soko Sennenberger-Reihe
: 1
: CHF 5.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 275
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Toter im Straßengraben: Nackt und seiner Organe beraubt, wurde der Mann an einer einsamen Landstraße zurückgelassen. Bei ihren Recherchen stoßen die jungen Kommissare Derio Conte und Fiona Sacher auf weitere derart zugerichtete Leichen, die man in den letzten Monaten gefunden hat. Ihr Chef Markus Sennenberger soll sich derweil auf einer Kur erholen. Gefreut hatte er sich auf Meerblick und Seeluft, gelandet ist er in der psychiatrischen Station einer Klinik nahe seinem Wohnort bei Hannover. So richtig zur Ruhe kommt er ohnehin nicht: Derio und Fiona, die von Sennenbergers Vertreter Niesing herumkommandiert werden, weihen ihren Chef in den Fall ein. Obendrein macht Sennenberger zwischen Gruppengesprächen und Aqua-Fitness seltsame Beobachtungen in der Kurklinik. Geschehen an diesem Ort der Erholung schreckliche Dinge? Sein Ermittlerinstinkt ist geweckt. Der zweite spannende Fall der Soko Sennenberger.

Miriam Rademacher, Jahrgang 1973, wuchs auf einem kleinen Barockschloss im Emsland auf. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Osnabrück, wo sie an ihren Büchern arbeitet und Tanz unterrichtet. Sie hat zahlreiche Fantasy-Romane, Krimis und Kinderbücher in verschiedenen Verlagen veröffentlicht. 

Wenige Stunden später


Ärgerlich sah Orla Kampmann zu ihrem Handy hinüber. Hell leuchtete dessen Display ihr vom Armaturenbrett entgegen und ließ sie wissen, dass Anastasia soeben aufgelegt hatte. Das undankbare Geschöpf wagte es, die eigene Mutter mit Kontaktabbruch zu strafen.

«Dann eben nicht.» Orla schaltete die Scheibenwischer ein und beobachtete, wie sich die feinen Tropfen kalten Nieselregens vor ihren Augen in verschwommene Streifen verwandelten. Das Licht der ihr entgegenkommenden Scheinwerfer verzerrte sich kurzfristig zu gelben Kometenschweifen, bevor es sich wieder zu zwei leuchtenden Punkten in der Ferne formte.

Sie hasste den November, das Fahren bei Dunkelheit und Letzteres ganz besonders, wenn ihre Brille zu Hause neben der Tageszeitung auf dem Küchentisch liegengeblieben war. Noch mehr verabscheute sie es allerdings, Streit mit der schon fast erwachsenen Anastasia zu haben.

Orla drehte den Hebel hinter dem Lenkrad, und die Scheibenwischer wechselten in die nächsthöhere Geschwindigkeit. Hatte sie beim letzten Check in der Werkstatt ihres Vertrauens nicht darum gebeten, die Wischblätter auszutauschen? Anscheinend nicht. Denn kurz bevor der entgegenkommende Transporter mit hoher Geschwindigkeit an ihr vorbeidonnerte und noch mehr Wasser auf ihre Windschutzscheibe wirbelte, wurde das Licht seiner Scheinwerfer ein weiteres Mal zu einer blendenden Corona verzerrt.

Sie unterdrückte einen Fluch, sah den weißen Van im Rückspiegel rasch kleiner werden und ließ ihr Handy noch einmal die Nummer ihrer uneinsichtigen Tochter wählen. Doch Anastasia nahm nicht mehr ab. Frustriert drehte Orla ihr Radio lauter, in dem ein bekannter Popsong lief.

Orla Kampmann war sechsundvierzig Jahre alt und lebte in dem Glauben, sich für ihr einziges Kind auf jede nur erdenklich Weise aufgeopfert zu haben. Nach der Geburt war die eigene Karriere von ihr hintangestellt worden, was, auch wenn diese ohnehin nicht vielversprechend gewesen war, im Nachhinein doch bedauerlich erschien.

Zwar hatte Orla die Jahre im Vorstand des Kindergartenfördervereins und hinterher auch den Sitz im Elternrat der Grundschule genossen. Doch später war ihr klargeworden, welcher Preis für die Rolle der perfekt organisierten Mutter gezahlt werden musste.