DAS HANDYVIDEO
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Das Osterwochenende nach Davids Tod ist weitgehend sonnig bei milden Temperaturen. Die Ostseestrände und Nordseebäder sind gut besucht. In Hamburg sind Spaziergänge an Alster und Elbe angesagt, Fischbrötchen auf der Großen Elbstraße und der Jazzfrühschoppen in der Fabrik, Dixieland, Pinkeljazz.
Am Dienstag nach den Feiertagen meldet sich am späten Abend ein Mann, ein Schwarzafrikaner unbestimmten Alters, bei dem inzwischen dreiundvierzigjährigen Immobilienkönig Nicolai Radu.
Nicolai bewohnt mit seiner Frau Hanna, geborene Pietsch, Chauffeur und Hauspersonal eine dreigeschossige Jugendstilvilla am Harvestehuder Weg. Baujahr 1911. Fünfhundertachtzig Quadratmeter Wohnfläche mit Einliegerwohnung und Garten.
Der Kaufpreis nicht bekannt.
Nicolais privates Büro ist im dritten Stock, mit Blick auf die Alster.
Technik dominiert. An der Wand ein großformatiger Daniel Richter.
Der Mann erzählt Nicolai und seinem Chauffeur Pjeter eine Geschichte mit vielen Andeutungen und Anspielungen auf Hamburger Prominente. Er belegt das mit der Aufnahme eines Handyvideos. Das sei zu erwerben. Es gebe keine Kopien.
Der Mann nennt einen vierstelligen Betrag und deutet mit einem schiefen Lächeln an, darüber könne man aber auch verhandeln.
Nicolai betrachtet die Aufnahme genau. Kneift die Augen zusammen, sieht noch einmal hin. Er lässt sich nicht anmerken, was die Bilder bei ihm auslösen. Nicht ein Muskel zuckt in seinem Gesicht. Er lehnt sich in seinem Stuhl zurück, hat noch Fragen. Fragen nach Details.
Die Antworten scheinen ihn zu befriedigen. Er seufzt jetzt. Er dankt.
Er nennt den Betrag, den er zu zahlen bereit ist, wechselt mit seinem Chauffeur einen Blick.
Pjeter tritt hinter den Mann. Er wirft ihm eine Drahtschlinge über den Kopf, erdrosselt ihn damit.
»Schaff das Arschloch weg«, sagt Nicolai. »Du weißt, was du zu tun hast.« Er legt das Handy des Schwarzen in die Schreibtischschublade. »Wann kommt Ivo raus?«
»Vorzeitig. Nächste Woche.«
»Dann solltest du das umgehend erledigen.«
Als Pjeter gegangen ist, tritt er ans Fenster und schaut über die Alster auf die Lichter der City. Er liebt diesen Blick, er liebt diese Stadt, die nun schon seit vielen Jahren seine Heimat ist. Was er auf dem Handy gesehen hat, geht ihm nicht aus dem Kopf. Es sticht wie mit glühendem Eisen, es schmerzt. Es zerreißt ihn. Er möchte schreien vor Schmerz. Er schreit nicht, obwohl ihn jetzt niemand hören würde.
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Nicolai betritt Hannas Zimmer. Der Fernseher läuft. Merkwürdige Gestalten zischen über Meer und Gebirge. Flügeltiere speien und grunzen. Nicolai schaltet die Scheiße aus.
Hanna sitzt in ihrem hohen Sessel, den Kop