: Frank Göhre
: Die Stadt, das Geld und der Tod
: CULTurBOOKS
: 9783959881999
: 1
: CHF 8.70
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 168
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
»Göhre schreibt Kino.« Friedrich Ani »Frank Göhres Stimme ist einzigartig in der deutschsprachigen Kriminalliteratur.« Sonja Hartl, Zeilenkino Hamburg, im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends. In einem Park in Eimsbüttel wird die Leiche eines 16jährigen Schülers entdeckt. Er ist an einer hohen Dosis Amphetamine gestorben. Sein Vater Ivo kommt wenige Tage später aus dem Knast - und möchte herausfinden, was hinter dem Tod seines Sohnes steckt. Ivo ist Ende der Achtziger Jahre nach Hamburg gekommen und hat gemeinsam mit seinem Blutsbruder Nicolai Geld auf dem Kiez gemacht. Ivo mit Discotheken und Clubs, Nicolai mit Immobilien. Doch ihre frühere Nähe und Verbundenheit scheint rissig geworden zu sein. Nicolai hütet ein Geheimnis über den Tod von Ivos Sohn, und das hat furchtbare Folgen. In kurzen schnellen Szenen entwirft der Meister des deutschsprachigen Noir ein großes Panorama der dunklen Seiten Hamburgs, hart und erbarmungslos. Von den Vorstadtvillen und bürgerlichen Stadtteilen über den Hafen bis ins tiefste Milieu, von Grenzen überschreitender Lust bis zu kaltblütigen Morden. Das schnelle Geld dunkler Geschäfte trifft das alte Geld hanseatischer Kaufmannsfamilien. Und mittendrin zwei Freunde, um die ein Imperium zerfällt. »Frank Göhre ist zurück.« 3sat Kulturzeit »Mit wenigen Strichen schafft Frank Göhre eine packende Noir-Atmosphäre.« Karsten Herrmann, Literaturkritik.de Für seinen letzten Roman »Verdammte Liebe Amsterdam« wurde Frank Göhre mit dem Deutschen Krimipreis 2020 und dem Stuttgarter Krimipreis 2021 ausgezeichnet.

Frank Göhre, Jahrgang 1943, arbeitete als Buchhändler, Bibliothekar, Verlagsangestellter und Hörfunkautor. Er lebt in Hamburg und schrieb neben Romanen (siehe www. pendragon.de) u. a. die Drehbücher zu den Kinofilmen »Abwärts«, »Die Ratte« und das mit dem Deutschen Drehbuchpreis ausgezeichnete Drehbuch »St. Pauli Nacht« (Regie: Sönke Wortmann). Göhre ist Mitarbeiter bei CULTurMAG (www.culturmag.de).

DAS HANDYVIDEO


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Das Osterwochenende nach Davids Tod ist weitgehend sonnig bei milden Temperaturen. Die Ostseestrände und Nordseebäder sind gut besucht. In Hamburg sind Spaziergänge an Alster und Elbe an­gesagt, Fischbrötchen auf der Großen Elbstraße und der Jazzfrühschoppen in der Fabrik, Dixieland, Pinkeljazz.

 

Am Dienstag nach den Feiertagen meldet sich am späten Abend ein Mann, ein Schwarzafrikaner unbestimmten Alters, bei dem inzwischen dreiundvierzigjährigen Immobilienkönig Nicolai Radu.

 

Nicolai bewohnt mit seiner Frau Hanna, geborene Pietsch, Chauffeur und Hauspersonal eine dreigeschossige Jugendstilvilla am Harvestehuder Weg. Baujahr 1911. Fünfhundertachtzig Quadratmeter Wohn­fläche mit Einliegerwohnung und Garten.

Der Kaufpreis nicht bekannt.

 

Nicolais privates Büro ist im dritten Stock, mit Blick auf die Alster.

Technik dominiert. An der Wand ein großforma­tiger Daniel Richter.

Der Mann erzählt Nicolai und seinem Chauffeur Pje­­ter eine Geschichte mit vielen Andeutungen und An­spielungen auf Hamburger Prominente. Er belegt das mit der Aufnahme eines Handyvideos. Das sei zu erwerben. Es gebe keine Kopien.

Der Mann nennt einen vierstelligen Betrag und deutet mit einem schiefen Lächeln an, darüber könne man aber auch verhandeln.

 

Nicolai betrachtet die Aufnahme genau. Kneift die Augen zusammen, sieht noch einmal hin. Er lässt sich nicht anmerken, was die Bilder bei ihm auslösen. Nicht ein Muskel zuckt in seinem Gesicht. Er lehnt sich in ­seinem Stuhl zurück, hat noch Fragen. Fragen nach Details.

Die Antworten scheinen ihn zu befriedigen. Er seufzt jetzt. Er dankt.

Er nennt den Betrag, den er zu zahlen bereit ist, wechselt mit seinem Chauffeur einen Blick.

Pjeter tritt hinter den Mann. Er wirft ihm eine Drahtschlinge über den Kopf, erdrosselt ihn damit.

 

»Schaff das Arschloch weg«, sagt Nicolai. »Du weißt, was du zu tun hast.« Er legt das Handy des Schwar­zen in die Schreibtischschublade. »Wann kommt Ivo raus?«

»Vorzeitig. Nächste Woche.«

»Dann solltest du das umgehend erledigen.«

Als Pjeter gegangen ist, tritt er ans Fenster und schaut über die Alster auf die Lichter der City. Er liebt diesen Blick, er liebt diese Stadt, die nun schon seit vielen Jahren seine Heimat ist. Was er auf dem Handy gesehen hat, geht ihm nicht aus dem Kopf. Es sticht wie mit glühendem Eisen, es schmerzt. Es zerreißt ihn. Er möchte schreien vor Schmerz. Er schreit nicht, obwohl ihn jetzt niemand hören würde.

 

2
Nicolai betritt Hannas Zimmer. Der Fernseher läuft. Merkwürdige Gestalten zischen über Meer und Gebirge. Flügeltiere speien und grunzen. Nicolai schaltet die Scheiße aus.

Hanna sitzt in ihrem hohen Sessel, den Kop