: Veronika Stöhr
: Der meinen Namen trägt
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962153892
: 1
: CHF 4.50
:
: Erzählende Literatur
: German
: 547
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das Leben der Fernsehmoderatorin Anabel läuft in geregelten Bahnen - bis zu dem Tag, als sie herausfindet, dass sie seit zehn Jahren verheiratet ist. Daraufhin sucht sie in ihrer Vergangenheit nach Antworten, und trifft nicht nur den Fremden, der behauptet ihr Ehemann zu sein, sondern findet auch heraus, dass ihre Erinnerung der Schlüssel zu einem Geheimnis ist, das seit Jahren im Verborgenen gehalten wird. Während Anabel den Spuren ihrer Lebensgeschichte folgt, muss sie fliehen, denn schnell wird ihr klar, in welche Gefahr ihre Erinnerungen sie bringen.

2. Teil


Anabels Geschichte

Zwölf Jahre zuvor

Ich habe dieses Buch schon vor einigen Jahren erhalten. Schön verpackt lag es auf meinem Bett, an dem Abend, an dem Toni das letzte Mal in unserem Heim gesehen worden war. In derselben Nacht war er verschwunden.

Die Vermutung liegt nahe, dass er mir das Buch geschenkt hat, denn die Schrift auf dem kleinen Kärtchen, das dabei lag, war seine.

Weil man manche Dinge nicht vergessen darf. Ich konnte mich genau daran erinnern.

Meine Wut auf Toni war so groß gewesen, dass ich das Buch in einen Karton geworfen und es zwei Jahre nicht mehr angesehen hatte. Warum genau ich es zu meinem Studium mitgenommen hatte, konnte ich nicht sagen; es war mir in die Hände gefallen, als ich das Zimmer im Heim geräumt hatte.

Er hätte mich mitnehmen sollen. Er hätte mich mitnehmenmüssen. Stattdessen ließ er mich mit einem Buch und einem merkwürdigen Rat zurück.

Weil man manche Dinge nicht vergessen darf.

Als er verschwand, wollte ich nichts mehr mit ihm zu tun haben. Trotzdem schickte er einmal im Jahr eine Postkarte, in der er kurz schrieb, dass es ihm und seiner Freundin gut ging und wie erfolgreich er in seinem neuen Medienunternehmen in Australien war. Dort war er gelandet, nachdem er eine Zeit lang durch die Welt gereist war.

Schön für ihn. Das dachte ich jedes Mal, wenn ich so eine Karte in der Hand hielt. Doch jetzt hat sich das Blatt gewendet.

Ich, deren Leben eigentlich langweilig und vorhersehbar ist, habe etwas zu erzählen. Mehr noch, ich finde sogar, dass es wert ist, meine Geschichten aufzuschreiben. Nie hätte ich gedacht, dass mein Leben derartig aus dem Ruder laufen würde, doch jetzt ist es passiert, und rückblickend betrachtet bereue ich nichts, weder das Studium in Kalifornien noch die Entscheidungen, die ich dort getroffen habe.

Aber vielleicht beginne ich von Anfang an. Mein Name ist Anabel Bonastale, und ich komme aus einem Dorf in der Nähe von Neapel in Italien. Meine Eltern habe ich nie kennengelernt, und das Heim war nie mein richtiges Zuhause, obwohl ich die Zeit dort in pos