Prolog
Die Geister der Vergangenheit
Genervt starrte ich auf die große Wanduhr in der Umkleidekabine, deren Vintage-Stil zum Charme des alten Theatergebäudes passte. Es war fast so, als verhöhnten mich die kunstvoll geschwungenen Ziffern und Zeiger, während sie immer schneller voranschritten.
Nervös tippelte ich mit dem Fuß auf dem Boden und ging noch einmal jeden Tanzschritt im Kopf durch. Wenn irgendetwas schiefging, dann würde ich mich in einem tiefen Loch vergraben und erst wieder herauskommen, wenn jemand etwas noch Peinlicheres getan hatte.
Die Tür zur Umkleide wurde langsam geöffnet und eine zierliche Frau trat ein. »In zehn Minuten geht es los, meine Damen.« Trotz der schlanken Gestalt war ihre Stimme in jeder Ecke des Raumes zu hören und verstärkte die Unruhe der anderen Tanzenden um ein Vielfaches.
Paula, die Tanzlehrerin unserer Ballettgruppe, verschaffte sich einen kurzen Überblick über das Meer aus Rüschen, Schleifen und übertriebener Schminke. Viele der Mädchen kontrollierten noch einmal ihr Make-up und zogen sich das Schwanenkostüm zurecht, während ihre Stimmen immer lauter in meinem Kopf dröhnten. Vielleicht lag es aber auch an der stickigen Luft in der Umkleidekabine, dass meine Kopfschmerzen mit jedem Atemzug schlimmer wurden. Mit den Zeigefingern massierte ich meine pulsierenden Schläfen – in der Hoffnung auf Linderung. Leider blieb jeder Versuch vergebens.
Ich nahm einen großen Schluck aus dem Wasserglas, das vor mir auf dem Schminktisch stand, und blickte dann erneut zur Wanduhr. Mom hätte schon vor einer halben Stunde da sein müssen. Sie war sonst immer pünktlich und gerade heute war es besonders wichtig. Zu einer Premiere besuchte sie mich regelmäßig in der Kabine und setzte sich dann erst später in den Saal zu Dad und meinen Brüdern. Das war unsere Tradition und sie brach gerade damit.
Nervös knetete ich meine Hände, wä