: Frank Maria Reifenberg
: Projekt Lazarus
: KARIBU
: 9783961292998
: 1
: CHF 10.80
:
: Jugendbücher ab 12 Jahre
: German
: 320
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Noah ist 14, stammt aus eher einfachen Verhältnissen und hat es trotzdem geschafft, einen Platz im renommierten Project Lazarus zu ergattern. Das ist seine Chance auf eine bessere Zukunft - fern von der Wohnwagensiedlung. Doch der Preis dafür ist hoch, denn Noah wird ohne sein Wissen im scheinbar harmlosen Forschungsprojekt mit einer Künstlichen Intelligenz vernetzt. So entpuppt sich das Projekt für ihn immer mehr als wahr gewordener Albtraum. Als Noah von seinem Freund Moses, der auch Proband bei Lazarus ist, angegriffen wird und schwer verletzt im Krankenhaus landet, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Schnell wird klar, dass hier viel mehr 'erforscht' wird als zunächst ersichtlich... Jetzt muss Noah sich entscheiden, ob er an seinem Traum festhalten oder die Menschheit vor den Machenschaften der KI-Forschung schützen will.

Frank Maria Reifenberg, geboren 1962, schreibt vor allem Kinder- und Jugend- sowie Drehbücher für Film und Fernsehen. Er hat bereits über 50 Romane veröffentlicht, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Frank Maria Reifenberg wurde mehrmals mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnet sowie für den deutsch-französischen Kinderbuchpreis und den Katholischen Kinderbuchpreis nominiert. Er engagiert sich besonders für die Leseförderung von Jungen. Seine Arbeit wurde u. a. durch die Filmstiftung NRW, den FilmFernsehFond Bayern, die Kunststiftung NRW, das Land NRW und das Luxemburgische Kulturministerium über Stipendien gefördert.

1


Der Mensch trägt immer seine ganze Geschichte und die Geschichte der Menschheit mit sich.

C. G. Jung (1875– 1961), Schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie

Noah konnte sich genau daran erinnern, wann er zum ersten Mal von dieser Sache geträumt hatte. Einen blutigen Traum wie diesen vergaß man nicht. Es war vor ein paar Monaten gewesen, ganz genau wusste er es nicht. Träume kamen und gingen, die meisten blieben ihm nur für ein paar Minuten im Sinn, vor allem wenn er mitten in der Nacht von ihnen geweckt wurde.

In jener Nacht war Noah aufgewacht und wunderte sich, dass seine Mutter ihn an der Schulter gepackt und ihn fest gerüttelt hatte. Er war schweißgebadet, schrie und schlug um sich.

»Es ist nur ein Traum, Junge, wach auf. Nur ein Traum«, versuchte Mom ihn zu beruhigen. Es hatte alles so echt gewirkt, obwohl es nicht echt sein konnte. Jedes Mal, wenn dieser Traum ihn quälte, dachte er genau das: Es ist in mir, aber es kann mir nicht passiert sein. Er war nicht er selbst in diesem Traum, sondern eine andere Person. Er sah das Geschehen im Traum aus den Augen eines anderen.

Er hatte noch nie mit jemandem darüber gesprochen, auch nicht mit Maesie, mit der man über solche Dinge reden konnte. Eigentlich konnte man mit Maesie über fast alles reden, das wusste oder ahnte er, auch wenn sie ein Mädchen war. Oder gerade deshalb. Mit vierzehn Jahren musste man sich sehr genau überlegen, mit wem und worüber man mit jemandem sprach, sonst stand man vor den anderen schnell als ein Idiot da oder las kurz darauf irgendwo im Netz die peinlichsten Dinge über sich.

Moses, zum Beispiel, kam für Dinge, die einem wirklich unter die Haut gingen, als Anlaufstelle nicht infrage. Moses war ein wirklich guter Kumpel. Noah wusste, dass er sich auf ihn verlassen konnte. Wahrscheinlich würde Moses für ihn durchs Feuer gehen, aber über persönliche Dinge quatschen? Nein. Noah wusste nicht, warum das so war.

Nach ein paar Wochen, in denen ihn der Traum immer und immer wieder heimsuchte, hatte er einmal mit Charlie darüber gesprochen. Der hatte in seinem unerschöpflichen Wissen gekramt und ihm das Wichtigste über Klarträume erzählt, ein paar Fakten über Traumdeutung und alles mögliche andere, das er zu diesem Thema aus dem Netz gefischt hatte.

Maesie und Moses waren seit Noahs Umzug vor anderthalb Jahren von San Diego nach Concord die einzigen Menschen, die man irgendwie als Freunde bezeichnen konnte. Die von früher waren nach allem, was passiert war, schnell aus seinem Leben verschwunden. Vielleicht lag es an der großen Entfernung. Vielleicht aber auch daran, dass der krasse soziale Abstieg einer Familie schwer zu ertragen war.

Auf Verlierer hatten die wenigsten Bock in den Kreisen, in denen Noah und seine Eltern gelebt hatten. Und verbergen konnte man vor solchen Leuten auch nicht, dass man völlig pleite war. Wie auch, wenn man aus dem eigenen Haus geworfen wurde, weil man die Raten für den Kredit nicht mehr zahlen konnte.

Der Umzug nach Massachusetts war ein Teil dieser Bemühungen gewesen, es sollte ein neuer Anfang werden. An der Situation hatte sich jedoch nichts geändert. Ihr Geld reichte gerade eben für diesen Wohnwagen in Rondo Heights. Jeder wusste natürlich, dass es nach einem Trailerpark in dieser Gegend nur noch die Parkbank gab, weshalb Noah fast niemanden aus der Schule zu sich nach Hause einlud. Nicht einmal Maesie oder Moses, w