Schlag Mitternacht! Magdalena nahm Tanzhaltung an und musste lächeln. Ihr Ehemann hielt sie deutlich dichter an seine Brust gepresst als von der Etikette vorgeschrieben. Die Geiger spielten die ersten Takte von Johann Strauß’ „An der schönen blauen Donau“ und schon drehten sie sich beschwingt im Kreis. Ohne zu zögern, überließ sie Matthias die Führung.
„Endlich bist du dort, wo du hingehörst“, flüsterte er ihr zärtlich zu. „Bei mir, an meinem Herzen.“
Sein warmer Atem streifte ihre Wange. Der leichte Hauch erzeugte ein sanftes Kribbeln und einen wohligen Schauer in ihr. Glück durchströmte Magdalena wie eine Quelle, die in ihrem Inneren sprudelte. Matthias’ Nähe, seine Wärme und seine Hand an ihrem Rücken versetzten sie in eine erwartungsvolle Spannung. Bald schon würde sie neben ihm im Bett liegen …Knopf für Knopf werde ich dein Kleid öffnen und jedes Stück Haut küssen, das zum Vorschein kommt, hatte er am Nachmittag in der Scheune zu ihr gesagt.
Forschend sah er sie an. „Woran denkst du, Liebste?“
„An nichts Besonderes.“ Magdalena spürte, wie ihr das Blut heiß ins Gesicht schoss. Als anständige Frau durfte sie ihm doch nicht eingestehen, dass sie an später dachte.
Ob Matthias wohl ahnte, welche Empfindungen er in ihr entfachte? Bei diesem Gedanken stolperte Magdalena beinahe über ihre eigenen Füße und die Wirklichkeit hatte sie wieder. Noch waren sie in derBlauen Forelle – mitten auf der Tanzfläche.
„Schenk ein, Johann!“, brüllte Michael, der Mann ihrer besten Freundin Constanze. Sein hellblonder Schopf stach neben den dunklen Flechten seiner Frau besonders auffällig heraus.
Der Tanz endete. Das war das Zeichen für ihre Ziehschwester Berta und Constanze, die Braut nach nebenan in den Gastraum zu führen, wo die unverheirateten Mädchen sich versammelt hatten. Ein lautes Stimmengewirr, Kichern und Zigarettenrauch schlugen Magdalena entgegen. Vorsichtig lösten ihre Begleiterinnen die Haarnadeln aus dem Schleier. Den zarten Stoff drückten sie ihr in die Hand. Berta verband ihr die Augen mit einem schwarzen Seidentuch, geleitete sie mit Constanze zu den wartenden Mädchen und drehte sie im Kreis, bis Magdalena protestierte.
„Hört auf, mir wird schwindelig.“ Lachend und mit ausgestreckten Armen spielte sie die „Blinde Kuh“. Schon nach zwei Schritten hatte sie ein „Opfer“ erhascht. Sie löste die Augenbinde. Vor ihr stand eine von Matthias’ Cousinen. Ein blondes Mädchen, das errötend zu den Burschen am anderen Ende des Raumes hinübersah. Magdalena setzte ihr den Schleier auf, den Berta und Constanze feststeckten. Die Junggesellen johlten, als Matthias sein Einstecktuch in die Runde der Burschen warf. Der junge Mann, der es ergatterte, eilte herbei und bat das selig lächelnde Mädchen um den nächsten Tanz. Ein großer Tross begleitete die beiden zum Tanzsaal.
„Das ist die Gelegenheit“, flüsterte Matthias ihr zu.
Verstohlen strebten sie auf den Ausgang zu. Nur noch an einem vollbesetzten Tisch und einer Magd der Gronaus vorbei, die ein Tablett mit schmutzigem Geschirr zur Küche brachte.
„Wollt ihr etwa schon gehen? Das kommt nicht infrage. Der Matthias und ich haben noch nicht ordentlich angestoßen.“
Magdalena fand den bulligen, rotgesichtigen Mann, der sie ansprach, nicht sonderlich sympathisch. Am frühen Abend hatte sie einmal mit ihm getanzt. Ihre armen Füße! Puh, wenn er im Leben genauso rücksichtslos zutrat.
Er packte Matthias am Arm. „Deine junge Stute kannst du noch früh genug einreiten.“
„Hast du denn gar keine Manieren? Solche Reden in Gegenwart meiner Frau zu schwingen“, fuhr Matthias ihn an.
Das grölende Gelächter am Tisch brach ab.
„Hab dich nicht so, wegen eines harmlosen Scherzes.“ Der Kerl winkte den Wirt herbei. „Schenk dem Bräutigam ordentlich was ein und ich könnt’ auch Nachschub gebrauchen!“
Johann, Bertas Mann und Pächter derBlauen Forelle, nahte mit einem Tablett und setzte allen in der Runde randvoll gefüllte Schnapsgläser vor die Nase. Ein pa