Kapitel2
Mein 4Runner, den ich Ted getauft hatte, und ich hielten erst an, als das Diner längst außer Sicht war. Schließlich fuhr ich rechts ran, kramte die Landkarte aus meinem Rucksack und suchte nach der Gegend, in der Shirley einige Orte eingekringelt hatte, die wohl für eine Übernachtung geeignet waren.
Die Gegend zu finden entpuppte sich als Herausforderung ganz eigener Art. Die erste Abzweigung, die ich zu nehmen hatte, verpasste ich fast, und wenngleich sich die gewundene Straße mit ihren Bäumen und dem üppigen Grün atemberaubend präsentierte, konnte ich noch immer nicht das gespenstische Gefühl aus dem Diner abschütteln.
Aber es war egal, ich war weit entfernt von diesen merkwürdigen Männern. Es gab nun ein ganz anderes Problem, dem ich meine Aufmerksamkeit widmen musste: Ich schien den Unterkünften, die Shirley markiert hatte, einfach nicht näher zu kommen. Wann immer ich die Karte zurate zog, hatte ich den Eindruck, eine mir fremde Sprache entziffern zu müssen. Es gab hier keine Landmarken oder Meilensteine, die mir dabei geholfen hätten, meinen Weg zu finden, nur endlose bewaldete Hügel, die allmählich einer wie der andere aussahen.
Meine Hoffnung begann zu schwinden, während ich weiter und weiter fuhr, ohne irgendwo anzukommen. Erschöpfung nagte einmal mehr an mir und ließ meine Augenlider schwer werden, aber ich musste versuchen, wenigstens noch ein paar Stunden rauszuschlagen.
War ja klar, dass es so kommen musste. Natürlich musste ich mich mitten in Alaska verfahren, just als die Sonne unterzugehen begann.
»Ganz großes Kino, Charlotte«, knurrte ich.
Ich wollte doch nichts als ein anständiges Bett, aber es waren einfach keine Blockhütten aufzuspüren, und nichts kam mir nun ungelegener als eine aussichtslose Suchaktion inmitten der Dunkelheit.
Als ich um die nächste Kurve bog, tauchte plötzlich ein Campingplatz neben der Straße auf, von dem aus ein zugewucherter Feldweg in einen Wald führte, an dessen Rand eine Wiese lag. Der Anblick von Gras und Wildblumen, die sich in der Brise wogen, vertrieben die Furcht, die an meinem Verstand genagt hatte. Für den Moment hatte ich einen Zufluchtsort gefunden. Ich stoppte den Wagen.
Ich sah mich noch einmal um und entschied, später nach einer passenden Stelle zum Pinkeln zu suchen, als mir Reifenspuren auffielen, die im getrockneten Schlamm des zugewucherten Feldwegs zu erkennen waren. Ich hätte vielleicht besser auf dem Absatz kehrtmachen sollen, aber Neugier war in mir entflammt, und meine Füße liefen fast wie von allein den Feldweg entlang. Ich musterte die Rillen auf dem Boden. Sie sahen aus wie kleine Gräben – und mit einem Mal brachen sie ab, einfach so, wie weggezaubert. Wie konnte das sein? Hatte sie jemand überschüttet? Größere Mengen Erde waren in der näheren Umgebung wohl nicht bewegt worden, zumindest konnte ich dafür keine Anzeichen erkennen. Ganz im Gegenteil sah die Landschaft eher unberührt aus – auf geradezu unwirkliche Weise urwüchsig.
Vielleicht war es doch besser, nicht länger hierzubleiben.
»Sie haben hier nichts zu suchen.«
Die tiefe Stimme war wie ein Espresso-Shot. Ich wirbelte herum. Ein Mann stand vor mir, vielleicht Mitte fünfzig, mit verschmutztem silbernem Haar, das zum Pferdeschwanz gebunden war, einer abgewetzten Jeans und schmuddeligen brauen Stiefeln, die gerade den letzten Rest einer Zigarette austraten.
»Das hier ist Privatbesitz.«
Ich sah zu meinem Auto. Es stand nicht weit weg, vielleicht knappe fünf Meter. Falls nötig, konnte ich es bis auf den Beifahrersitz schaffen.
»Ich habe kein Schild gesehen«, sagte ich. »Ist das hier kein Campingplatz?«
Er neigte den Kopf zur Seite, mit strahlend silbernen Augen musterte er mich, als wäre ihm diese ganze Unterhaltung zuwider und ich nichts als eine Landplage. »Nun, das hier ist mein Besitz, und Sie haben hier nichts verloren.«
»Ich könnte vor Anbruch des Morgens wieder verschwunden s…«
»Keine Chance, Miss.« Er fischte eine weitere Zigarette aus der Schachtel in seiner Gesäßtasche. »Sie können nicht hierbleiben.«
Ich nickte vorsichtig, wä