: David Moitet
: RC2722 Gefährliche Freiheit
: KARIBU
: 9783961292318
: 1
: CHF 10.80
:
: Jugendbücher ab 12 Jahre
: German
: 400
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Oliver lebt zusammen mit seinem Vater, seinem Bruder Marco und etwa 2.000 weiteren Bewohnern in einem unterirdischen Schutzraum. Denn die Erdoberfläche ist seit dem großen Zusammenbruch im Jahr 2075, als innerhalb kürzester Zeit 99 % der Menschheit an einem Subcholera-Virus starben, nicht mehr bewohnbar. Als Olivers Vater plötzlich unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt und sein Bruder an die Erdoberfläche verbannt wird, beschließt Oliver, den sicheren Schutzraum zu verlassen. Überrascht stellt er fest, dass die Erdoberfläche gar nicht unbewohnt ist. Das Virus ist schon lange verschwunden und es gibt Ökosiedlungen, in denen ein Pflanzensystem Wasser speichert und Schatten spendet. Doch sogenannte Schutzraum-Jäger suchen systematisch nach den Verstecken der Überlebenden, um sie zu plündern. Oliver und das Mädchen Tsché machen sich auf die Suche nach Olivers Bruder. Doch dieser befindet sich bereits in den Fängen des schlimmsten Schutzraum-Jägers! Tsché und Oliver müssen ihr eigenes Leben riskieren, um Marco zu befreien.

David Moitet, geboren 1977, lebt in Le Mans im Nordosten Frankreichs. Er ist ausgebildeter Lehrer, aber hat seine Leidenschaft fürs Schreiben schon als Student entdeckt. Seine ersten Veröffentlichungen waren Kriminalromane für Erwachsene. Dann wand er sich wegen seiner Begeisterung für das Erfinden neuer Welten der Kinder- und Jugendliteratur zu. Alle seine Werke wurden mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet.

3


Seit fast drei Stunden arbeiten sich Sam und Oliver durch das Netz aus Tunneln voran, eine Art Krake mit vielen Tentakeln, die durch Erde und Gestein gehen und in einer Vielzahl natürlicher Grotten münden. Um sie herum verlaufen Rohre und elektrische Kabelbündel unterschiedlicher Größen, die das Belüftungssystem des Bunkers versorgen. Das Ziel der Architekten war, eine konstante Frischluftversorgung aus verschiedenen Quellen zu gewährleisten, ohne dabei an der Oberfläche Hinweise darauf zu geben, dass sich an dieser Stelle ein Bunker befindet. Als die Regierung Frankreichs verstanden hatte, dass die Erderwärmung außer Kontrolle geraten war, wurde die Konstruktion von insgesamt einhundert unterirdischen Schutzräumen im ganzen Land geplant und durchgeführt. Das Projekt unterlag der strengsten Geheimhaltung. Die Notwendigkeit, es vor der breiten Bevölkerung verborgen zu halten, erklärte sich von selbst. Nur einige wenige Privilegierte waren über die Existenz dieser Schutzräume informiert worden und hatten sich retten können, als der Kipppunkt erreicht war.

Bei jeder Abzweigung studiert Oliver die Karte, die sie zum Sektor Y führen soll. Sie sollten sich besser nicht verlaufen.

»Ich wusste nicht, dass diese Tunnel so lang sind«, stöhnt er.

»Manche über zehn Kilometer«, erwidert Sam. »Die Höhlen sind zum Teil ziemlich weit vom Bunker entfernt.«

»Ich hoffe, wir haben uns nicht verirrt. Die Ingenieure hätten ruhig mal ein paar Leuchtdioden einbauen können, die den richtigen Weg weisen.«

Sam gluckst. »Das wäre cool. Meine Mutter hat mir erzählt, dass sie ein Handy mit GPS hatte, bevor sie in den Bunker gekommen ist, mit dem sie überall auf dem Planeten ihren Standort bestimmen konnte.«

»Mhm. Das habe ich in der Schule gelernt. Mein Vater meint, dass das eigentlich immer noch klappen müsste, solange die Satelliten funktionieren, die um die Erde kreisen. Aber ewig wird das nicht gehen, weil sie nicht mehr gewartet werden.«

»Glaubst du, die Wasserkrieger benutzen so einen Schnickschnack, wenn sie nach draußen gehen?«

»Keine Ahnung. Muss ich meinen Bruder fragen.«

Noch eine Abzweigung. Sie müssen sich bücken, weil der Gang so niedrig ist.

Sam wirft einen Blick auf die Karte. »Rechts, würde ich sagen.«

»Ich auch«, stimmt Oliver zu.

»Dann nehmen wir doch rechts. Wir brauchen kein GPS!«

»Hier unten würde es sowieso nicht funktionieren«, sagt Oliver und wagt sich in den dunklen Gang.

»Mist«, flucht Sam. Dieser Gang ist nicht nur eng, hier gibt es auch keine Beleuchtung mehr.

Die beiden wagen sich weiter in die Dunkelheit des unterirdischen Labyrinths, Sektor um Sektor, nur mit dem Licht ihrer Stirnlampen. Wie Wildschwein vorhergesagt hat, ist der Weg kräftezehrend. Sie keuchen und schwitzen, und ihre Rücken schmerzen durch die dauernde gebückte Haltung.