NARZISSMUS
Narzissmus soll so etwas bedeuten wie Selbstgefälligkeit, Rücksichtslosigkeit, egozentrische und beziehungsunfähige Eigenliebe. Dieser Begriff für unschöne Eigenschaften hat eine über hundertjährige Geschichte und ist offenbar tief in das öffentliche Bewusstsein eingedrungen. Aus Psycho-Ratgebern ist er nicht mehr wegzudenken. Google-Suchen erbringen millionenfache Treffer. Viele Menschen halten ihn für tiefgründig und aufklärerisch.
Abgeleitet ist dieses Wort von einem griechischen Mythos, der von dem attraktiven Jüngling Narziss erzählt. Als er sein Spiegelbild in einer Quelle entdeckt, versucht er verzweifelt, es festzuhalten. Dabei stirbt er am Ende. Aus seinem Blut geht die hübsche Narzisse hervor.
Wie kommt es nun, dass aus solch einer Geschichte der Name für ein so hässliches Verhaltensmuster abgeleitet wird? Was genau erzählt dieser Mythos? Wie ist dieses WortNarzissmus konkret entstanden? Was soll es bedeuten,narzisstisch zu sein? Ist Narziss selbstnarzisstisch?
Die (fiktive) Gestalt des Narziss
Die antiken Quellen erzählen, dass der schöne Narziss einerseits am Verlust und Tod geliebter Angehöriger leidet. Andererseits erlebt der 16-Jährige, dass zwei Kerle und eine hohle Nymphe ihm eine erotische Beziehung aufdrängen möchten. Und weil sich Narziss auf diese drei nicht einlässt, üben sie seelische und körperliche Gewalt auf ihn aus. Das ist die Geschichte von Narziss in ihren zwei wesentlichen Facetten. Sein Schicksal illustriert, wie manan sozialen Beziehungen leiden kann. Der Jüngling selbst ist dabei ein völlig gesunder, sympathischer, selbstbewusster junger Mann.
Die Erfindung des BegriffesNarcismus
Havelock Ellis und Paul Näcke: Der englische Privatgelehrte und Sexualforscher Havelock Ellis prägt 1898 den Begriff»narzissähnliche Tendenz«, abgeleitet daraus, dass Narziss so gebannt sein Spiegelbild betrachtet. Aus dieser Anregung wiederum schöpft der deutsche Psychiater Paul Näcke 1899 den Begriff»Narcismus«. Es ist dabei keineswegs identisch, was diese beiden Männer beschreiben möchten. Sie halten immerhin die jeweils gemeinten Phänomene für sehr selten und grenzen sie klar von Homosexualität ab.
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