1. KAPITEL
„Ich will ein Baby“, sagte Beth zu ihrer Schwester. „So bald wie möglich.“
„Schreib es auf“, befahl Anne. Sie drehte die Getränkekarte des Speisewagens um und schob sie über den Tisch. „Wenn du dich mit Rafe aussprechen willst, musst du genau wissen, worin das Problem besteht.“
Er liebt mich nicht!
Aber sie brachte es nicht fertig, die Worte laut auszusprechen.
„Er will kein Baby“, sagte Beth stattdessen. Was auf dasselbe hinauslief. „Ich weiß, wir waren uns einig, dass wir warten wollten, bis das Beratungszentrum läuft, aber das dauert länger, als ich erwartet habe.“
„Schreib es auf“, wiederholte ihre Zwillingsschwester, und Beth gehorchte. „Wann habt ihr das letzte Mal darüber geredet?“
„Am Freitag. Am Abend, bevor ich losgefahren bin, um mich mit dir zu treffen.“ Am Abend vor Annes und ihrem alljährlichen „Schwesternurlaub“ hatte sie ihrem Ehemann vorgeworfen, dass er sich mehr um die Straßenkinder von Tucson kümmerte als darum, eigene Kinder zu bekommen.
Und er hatte es nicht bestritten.
„Was ist passiert?“, fragte Anne, und Beth tippte sich mit dem Bleistift gegen den Mund.
„Nichts. Ich hatte gehofft, dass er wütend reagieren und behaupten würde, dass ich mich irre. Aber er sagte einfach nur, die Beratungsstelle sei noch nicht so weit und wir hätten viel Zeit.“
„Na ja, da hat er nicht unrecht“, meinte ihre Schwester. „Du bist sechsundzwanzig. Und Rafe ist … achtundzwanzig? Aber okay, das ist euer Hauptproblem. Was gibt es noch?“
„Reicht das etwa nicht?“, entgegnete Beth, als der Kellner kam, um ihre Bestellung fürs Frühstück aufzunehmen. Sie wünschte, sie könnte ihn wegschicken und das Gespräch fortsetzen, ohne von Omelett mit Pilzen und Vollkorntoast abgelenkt zu werden. Aber sie hatten sich darauf gefreut, mal wieder im Speisewagen essen zu können, und deshalb den Zug von Los Angeles nach Tucson genommen.
Zurück zu dem Mann, der sie nicht wollte. Jedenfalls nicht annähernd so sehr, wie sie ihn wollte.
„Ich kann noch immer nicht glauben, dass du deinen Ehering zu Hause gelassen hast“, sagte Anne und starrte auf den irischenCladdagh-Ring, der ein Herz zwischen zwei Händen zeigte. Sie hatte ihn Beth geliehen, als sie ihre Schwester ein paar Tage zuvor beim Weinen ertappt hatte. „Und du hast es mir nicht mal erzählt! Bethie, du musst wirklich mehr über deine Gefühle sprechen.“
Da mochte Anne recht haben, aber sie konnte nicht erwarten, dass ihre Schwesterihre Probleme löste. Sich um Menschen zu kümmern war Beth’ Stärke, Anne war für alles andere zuständig.
Außerdem hatte sie gehofft, dass eine Woche ohne Rafe ihr helfen würde, innerlich zur Ruhe zu kommen.
„Ich dachte nur, ich könnte so tun, als hätten wir nie geheiratet, und herausfinden, wie es sich anfühlt“, murmelte Beth.
„Aber es fühlt sich traurig an, nicht wahr?“
Genau das war ihr Problem. Den Ehering im Schmuckk