Ein Drink und eine Reiseempfehlung
Hauptkommissar Seidel lehnte an seinem Schreibtisch. Er hatte die massigen Arme vor der Brust verschränkt und musterte Lina, als wäre sie ein bizarres Insekt, das er zum ersten Mal in seinem Leben sah. „Also gut. Ich fasse noch mal zusammen – unterbrechen Sie mich, falls ich irgendetwas nicht korrekt wiedergeben sollte: Sie wurden gebeten, uns bei der Ermittlung im Todesfall Mike Lörke zu unterstützen, der gemeinsam mit Ihrem Bruder in einer WG für Behinderte gelebt hat. Laut pathologischem Befund kam es durch die intravenöse Injektion von Pentobarbital zu einem Atemstillstand. Reanimationsversuche schlugen fehl. Da dieses Medikament weder dem Opfer noch dessen Mitbewohnern verschrieben wurde und darüber hinaus in Deutschland heutzutage nur noch in Ausnahmefällen in der Humanmedizin verwendet wird, gingen wir von einem möglichen Tötungsdelikt aus. Und da kamen Sie ins Spiel. Ihr Auftrag war es, Marek Michalowski ausfindig zu machen, den Pfleger, der in der Nacht, in der unser Opfer starb, Dienst hatte. Denn bedauerlicherweise war dieser wie vom Erdboden verschlungen. Habe ich das so weit korrekt zusammengefasst?“
Lina nickte und lächelte verkniffen. Sie ahnte, was nun kommen würde.
„Sie gingen auch sehr engagiert zu Werke, allerdings taten Sie nicht, was Sie tun sollten. Stattdessen spielten Sie mir eine illegal aufgenommene Audiodatei vor, der zufolge die Leasingfirma, für die Herr Michalowski arbeitete, eine dubiose Überweisung getätigt hatte. Später verdächtigten Sie die Eltern des Verstorbenen, diese hätten ihren Sohn ermorden lassen, um an sein Erbe zu kommen.“
„Sie müssen zugeben, dass es ziemlich überzeugende Hinweise darauf gab –“
„Ich bin noch nicht fertig!“, unterbrach sie der Hauptkommissar barsch. „Jetzt kommen Sie zu mir und teilen mir mit, dass Sie inzwischen davon ausgehen, weder Familie Lörke noch Marek Michalowski, der übrigens immer noch verschollen ist, seien für Lörkes Tod verantwortlich, sondern eine unbekannte dritte Partei.“ Mit jedem Satz, den er sprach, wurde der Mann lauter. „Und diese habe den Verstorbenen möglicherweise gar nicht töten, sondern mit irgendeiner experimentellen Geheimdienstmethode verhören wollen. Wissen Sie, wie das klingt?“
„Äh … interessant?“
„Das klingt vollkommen bescheuert!“, explodierte Seidel. „Was glauben Sie, wo Sie