»Die Alpenbläser sind bereit?«, vergewisserte sich Stefan Weilbacher bei seinem Freund Ferdl Kaltbrunner, der bestätigend nickte.
»Und die Freiwillige Feuerwehr und die Musik ebenso. Steckerlfisch gibt’s auch wieder wie jedes Jahr zu Johanni, es geht alles seinen geregelten Lauf«, fügte Ferdl hinzu und nahm einen tiefen Zug aus seinem Bierseidl.
Die beiden Freunde waren unter den Letzten, die noch am Stammtisch im Gasthaus »Zum Weißen Hirsch« saßen, wo sie mit anderen Mitgliedern des Alpen- und Heimatvereins die Planung des diesjährigen Johannisfeuers besprochen hatten. Stefan Weilbacher war erst vor Kurzem zum Vorsitzenden gewählt worden und musste sich erst an das neue Amt gewöhnen. Sein Freund Ferdl, der schon seit Längerem mit den meisten Aufgaben vertraut war, stand ihm dabei hilfreich zur Seite.
»Ich wünschte, Ferdl, du hättest den Vorsitz übernommen, du kennst dich viel besser aus«, meinte Stefan.
»Du weißt doch, wie es ist, wenn man verheiratet ist. Die Frauen warten nimmer so geduldig drauf wie früher, dass der Mann spätnachts aus dem Wirtshaus kommt. Die Mannsleut müssen sich auch in der Familie einbringen. Heut ist es eine Ausnahme, dass ich länger bleiben kann, aber sonst hab ich net so viel Zeit wie du. Außerdem bist du ein Studierter, und ich komm mit dem ganzen Papierkram net zurecht.«
Ferdl Kaltbrunner hatte sehr früh geheiratet und war schon Vater von drei Kindern, worauf er sehr stolz war. Seine Frau Theresa führte ein strenges Regiment, aber er beklagte sich nie, denn das Paar war einander sehr zugetan.
»Dafür kannst du besser organisieren«, wandte Stefan ein und trank ebenfalls einen Schluck von seinem Bier, das allerdings bereits schal schmeckte, weil immer noch sein erstes Seidel vor ihm stand.
»Ich hab gehört, dass das Johnannisfeuer in Unterhaching letztes Mal zwölf Meter hoch gewesen sein soll«, sagte Ferdl.
»Das ist doch ein Schmarren«, fuhr Stefan auf.
»Da hast du recht. Es geht ja hier um einen alten Brauch und net darum, die Touristen zu beeindrucken oder mit den Nachbardörfern zu konkurrieren. Da haben wir hier in Kirchstetten doch eine andere Einstellung.«
»Unser Bürgermeister tät auch am liebsten die Touristen in hellen Scharen herbeilocken«, stellte Stefan missbilligend fest. »Aber glücklicherweise können wir das gerade noch im Zaum halten, auch wenn’s deswegen bei den Gemeindesitzungen oft genug hoch hergeht. Sonst wären unsere Almwiesen schon längst in Pisten oder Golfplätze umgewandelt.«
»Ja, ja, unser lieber Bürgermeister Lenhofer«, spottete Ferdl.
»Aber um wieder zum Thema zurückzukommen – so ein hohes Johannisfeuer verfehlt seinen Zweck völlig. Schließlich wollen die Burschen und Madeln darüber springen, weil das nach altem Glauben baldige Heirat und Fruchtbarkeit verspricht«, führte Stefan aus.
»Also, bei mir und der Therese hat es auf jeden Fall gestimmt. Wir haben uns gar nichts dabei gedacht, als wir nach dem Tanz darübergesprungen sind, aber danach haben wir uns ineinander verliebt und konnten es kaum abwarten zu heiraten. Und was die Fruchtbarkeit angeht, das war geradezu überwältigend«, sagte Ferdl in Anspielung auf den Kindersegen, mit dem seine Ehe bedacht worden war.
Wie in vielen ländlichen Gegenden hatte sich diese ursprünglich heidnische Vorstellung erhalten, und der Brauch des Joha