: Peter Langer
: Krawattennazis
: OCM
: 9783942672870
: 1
: CHF 5.40
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 404
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Kleinstadt-Kommissar und ein freier Journalist der örtlichen Lokalzeitung ermitteln in einem höchst dubiosen Mordfall, der sie immer tiefer hineinzieht in einen Sumpf aus Scheinheiligkeit, Machtgier, Korruption und Gewaltbereitschaft, dessen Abgründe dunkler zu sein scheinen, als jeder Grubenschacht. Und was der Ermittler nicht weiß: Auch sein Freund, der Journalist, hat eine Vergangenheit, die er am liebsten niemals preisgeben würde ...

In zwei Regionen auf der Welt fühlt sich Peter Langer bei jeder Anreise aufs Neue von der ersten Minute an zu Hause: Am Diemelsee und im Nahen Osten. Während sich der erste Ort mit den familiären Wurzeln erklären lässt - der Vater des 1973 in Meerbusch geborenen Autors wuchs am Diemelsee auf - ergab sich die Liebe insbesondere zu Israel während des Studiums der Politikwissenschaft an der Uni Bonn mit dem Schwerpunkt Nahostkonflikt. Nach seinem Uni-Abschluss volontierte Langer bei einer Düsseldorfer Tageszeitung und biss sich nach einem zeitlich begrenzten Engagement als Wirtschaftsredakteur eines Börsenjournals als freier Redakteur durch. Er arbeitet heute im Öffentlichen Dienst. Langer lebt mit seiner Familie in Neuss. 'Krawattennazis' ist sein Debütthriller.

Kapitel 2


Es war für ihn gar nicht so einfach wegzukommen. Aufträge dieser Art schätzte er für gewöhnlich nicht. Rasche An- und Abreise war ihm deutlich lieber. Der Mann war in einem unauffälligen Mittelklasse-Mietwagen unterwegs, den er am Flughafen Düsseldorf übernommen hatte. Der Abgabeort des Fahrzeugs, der Flughafen Frankfurt, war zuvor vereinbart worden. Aber dieser Weg zurück zur Autobahn zog sich endlos über Landstraßen und machte ihn nervös. Wer nervös ist, macht Fehler. Kein guter Zustand für ihn. Das Navi hatte ihn durch kleine Ortschaften und an einer größeren Stadt vorbeigelotst, von der er in seinem Leben noch nie etwas gehört hatte. Korbach. Nun, es gab Orte, die man nicht unbedingt gesehen haben musste. Auch wenn ihm die Stadt vom bloßen Anblick aus der Ferne nicht unsympathisch erschien. Zwei hohe Kirchtürme ragten wie Landmarken in den Himmel. Die Bebauungen der Stadtviertel umringten sie, wie sich eine scheue Kinderschar um ihre Eltern versammelt. Schließlich war er durch das Edertal gefahren und hatte bei Fritzlar die A49 erreicht.

Alles lief nun nach Plan. Um 13.25 Uhr hob seine Maschine nach Paris ab. Diesen Flug hatte er tatsächlich unter seinem richtigen Namen gebucht, einem Namen, den er seit Jahren nicht mehr benutzt hatte. Ein guter, vertrauter Name, der in ihm Erinnerungen an ein fernes Leben weckte. In Paris würde er die Flughäfen wechseln, ein Taxi von Charles de Gaulle nach Orly nehmen, um von dort mit einem französischen Pass und anderem Namen weiter nach London zu fliegen. Nach diesem knapp dreiviertelstündigen Flug würde er reichlich Aufenthalt in Heathrow haben, bevor er schließlich einen Nachtflug an sein endgültiges Ziel nehmen würde. Es war gut für seine Art von Geschäft, dass der Zivilflugverkehr nach der Corona-Krise beinahe sein altes Niveau wieder erreicht hatte. Er hoffte, mit seinem Flugplan seine Spuren halbwegs gut verwischt zu haben. Neben dem Flughafen von Dubai und dem neuen Flughafen in Istanbul gab es kaum einen Ort auf der Welt, an dem es Profis so gut gelang, unsichtbar zu werden wie in Heathrow. Die Briten lernten einfach nicht aus den zahlreichen Terroranschlägen in ihrem Land dazu.

Wie eine bestürzte Frau, die gerade vom Tod ihres geliebten Gatten erfahren hatte, wirkte Constanze Lieberknecht irgendwie nicht, dachte Emde. Er kam sich vor wie in einem Derrickfilm aus den achtziger Jahren. Der späte Vormittag brach gerade an, und gemeinsam mit einem Beamten der Kripo in Dortmund, der ihm bei diesem Gespräch zur Seite gestellt worden war – offenbar hielt man es vonseiten der Behörden für angebrachter, einen Vertreter aus NRW dabei zu haben – überbrachte er in einer an den kantig-modernen Stil von Le Corbusier erinnernden Villa in Dortmund-Kirchhörde die Nachricht vom vorzeitigen Ableben des ehemaligen Bankvorstands. Draußen um die Straßenecke herum und von Hecken gut verborgen, parkte das Fahrzeug eines Seelsorgers. Nur für den Fall. Doch Emde erkannte auf den ersten Blick, dass die Anwesenheit des Mannes nicht notwendig sein würde.

Constanze Lieberknecht trug einen bunt gemusterten Sari, der ihre schlanke Figur unterstrich. Minutenlang stand sie am Panoramafenster zum Garten. Schweigend. Mit einem „Marlene, bieten Sie den Herren doch einen Kaffee oder Tee an“ beendete sie schließlich die Stille. Emde und sein nordrhein-westfälischer Kollege wandten sich erstaunt um. Nirgendwo in dem w