: Stefan Schweizer
: Tödliche Seilschaften Krimi
: Verlag edition krimi
: 9783948972226
: Krimis mit Privatermittler Hardy
: 1
: CHF 8.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 300
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Privatermittler Hardy ist pleite und perspektivlos, als ihm ein verlockendes Angebot unterbreitet wird: Er soll einem Berliner Clan helfen, sich an einem Innensenator zu rächen, der seine Immobilien beschlagnahmt. Als Hardy Zusammenhänge zwischen einer Immobiliengesellschaft, die ein Sammelbecken von ehemaligen Stasi-Agenten ist, und den konfiszierten Wohnungen entdeckt, gerät er selbst in die Schusslinie und damit in Lebensgefahr.

Stefan Schweizer lebt in Potsdam. Als Schriftsteller bewegt er sich in fremden Kulturen und exotischen subkulturellen Milieus. Gesellschaftliche Ränder faszinieren ihn und für Kriminalroman-Recherchen scheut er keine Kontakte mit Schwerkriminellen. Schweizer ist Autor von gesellschaftskritischen Romanen, Kriminalromanen und Thrillern, aber auch Sachbüchern über Terrorismus, Politik und Geschichte.

1

Die White Lounge hatte ihre Pforten schon geöffnet – für mich ein gutes Zeichen. Als ich jedoch in das Dunkle der mir bekannten Höhle mit viel erlesenem, orientalischen Schnickschnack und tipptopp gepflegten weißen Ledersitzmöbeln trat, war aber niemand da. Ich schaute mich gründlich um. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass hier etwas nicht stimmte. Vielleicht war ich aber nur nervös – kein Wunder nach den sich überschlagenden Ereignissen der letzten Stunden. Jetzt beschleunigte sich mein Herzschlag immens, der Kloß in meinem Hals wurde größer, und folglich tastete ich nach meinen Lebensversicherungen. Der kleine, aber wuchtige Colt und der stets zuverlässige Totschläger waren an Ort und Stelle. Ich entschied mich für den Colt. Der würde mir in dieser Situation eher helfen.

»Hallo?«, fragte ich ein wenig zaghaft in die leere Gaststube.

Es herrschte das sprichwörtliche Schweigen im Walde, während ich durch die abgedunkelten Scheiben erkennen konnte, dass auf der Neuköllner Allee der Sonne das Leben vor sich hinlief wie immer: Klein-Beirut mitten in Berlin. Die vielen Kinderwagen fand ich im Gegensatz zum ehemaligen sozialdemokratischen Finanzsenator auch in Sachen Demografie nicht bedrohlich. Kinder waren immer etwas Schönes, egal welcher Herkunft, Hautfarbe oder Religion. Ob man selbst welche haben wollte, stand auf einem anderen Blatt.

»Hallo? Ist hier jemand?«, rief ich lauter.

Wieder keine Antwort. Mein Herz wummerte jetzt wie ein unter Hochdruck stehender Dampfhammer, da meine Antennen ohne jeden Zweifel Gefahr orteten, ohne zu wissen, woher sie kam. Aber vielleicht hatten mich die Erlebnisse der letzten Stunden ein wenig paranoid gemacht. Schließlich kam es nicht jeden Tag vor, dass ich einem Mitglied eines der gefürchtetsten Araber-Clans das Handgelenk zerschmetterte, sein Schlüssel­bein lädierte und ihn dann auch noch vor laufender Kamera seiner Ehre beraubte, eine schnelle Bekanntschaft in einem Berliner Rathaus machte oder nachts völlig widerrechtlich in ein stark gesichertes Gebäude eindrang. Wenn all das keine Gründe waren, ein klein wenig nervös oder zumindest vorsichtig zu sein, dann fielen mir außer dem Weltuntergang, einer Alien-Invasion oder einem Atomkrieg keine anderen mehr ein.

»Hey! Neue Lieferung hier!«, brüllte ich jetzt beinahe so laut, dass es mindestens in der Sonnenallee und am Hermannplatz zu hören sein musste, doch wieder erfolgte keine Antwort und niemand rührte sich, obwohl es sich dabei ja auch um die neue Ladung von unversteuertem Shisha-Tabak oder Crystal handeln konnte.

Vielleicht schlossen die den Laden nur auf, um ihn nach der nächtlichen Sause einmal kräftig durchzulüften, da sich ohnehin niemand erdreisten würde, hier etwas mitgehen zu lassen. Denn die offizielle Politik der Clan-Vorsitzenden lautete, dass sich jeder ausschließlich um den Teil seines eigenen Kuchens kümmerte und die anderen dafür in Ruhe ließ – wer sich sonst gegen Clan-Eigentum verging, war vogelfrei.

»Ordnungsamt hier!«, holte ich mein letztes As