: Matthias Horx
: Die Hoffnung nach der Krise Wohin die Welt jetzt geht oder wie Zukunft sich immer neu erfindet | Der Folgeband zu 'Die Zukunft nach Corona'
: Ullstein
: 9783843725743
: 1
: CHF 11.70
:
: Sozialwissenschaften allgemein
: German
: 144
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Krisen können Ökonomien von innen heraus verändern, neue Epochen einleiten und Kultursysteme neu konfigurieren. Beispiele sind die Renaissance, die Aufklärung, das industrielle Zeitalter, die Konsumgesellschaft, die POP-Ära u.a  Viele dieser Epochen hatten ebenfalls symbolische Auslöser, die etwas zum Durchbruch brachten, was latent bereits in der Gesellschaft vorhanden war. Die Coronakrise beendet die Ära der ungebremsten Erhitzung und Beschleunigung, des Steigerungswahns der letzten Jahrzehnte und der entfesselten Industrialisierung. Dieses Buch knüpft an Die Zukunft nach Corona an, ohne eine Corona-Bilanz zu sein. Es kreist erneut um den Begriff der RE-GNOSE, der zu einer Art Kultbegriff geworden ist. Es zeigt die aktuellen Mindshifts und erklärt wie sich die Zukunft in uns immer wieder neu erfindet.

Matthias Horx, geboren 1955, ist einer der einflußreichsten Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum. Seine Leidenschaft gilt seit über 30 Jahren den Transformationsprozessen in Wirtschaft und Gesellschaft.  Nach seinem Soziologiestudium in den achtziger Jahren schlug er die journalistische Laufbahn ein und schrieb u. a. für TEMPO,MERIAN und die ZEIT. Als Publizist und Buchautor beschäftigte er sich vor allem mit dem Wertewandel, Jugendkulturen und den Modernisierungsprozessen in der Gesellschaft. 1993 war er Mitgründer des TRENDBÜRO Hamburg, Deutschlands erster Trend-Beratungsagentur. 1998 gründete er das Zukunftsinstitut, einen Prognose-Think-Tank, der heute zahlreiche auch internationale Unternehmen in allen Wirtschaftsbereichen berät. Seit 2007 ist er Dozent für Trend- und Zukunftsforschung an der Zeppelin-Universität am Bodensee. Matthias Horx ist Autor mehrer Bestseller. U.a.  'Wie wir leben werden' und 'Das Megatrend-Prinzip'.

Die Krise als Abenteuer
Enttäuschungen und Hoffnungen


Man kann jede Krise als eine Art Expedition, eine Abenteuerreise verstehen, die in vier Phasen verläuft. Dabei ist die dritte Phase die eigentliche »Krise«, in der alles zusammenbricht. Von dieser Phasen-Logik erzählen Astronauten, die ein Jahr lang im Orbit zubrachten. Arktis-Forscher, die Monate im Dunklen auf Stationen im ewigen Eis aushalten, wenn der Wind heult. Oder U-Boot-Fahrer, die monatelang auf Tauchfahrt sind.3 Der Polarforscher Shackleton, der auf seiner Antarktis-Expedition 635 Tage im Eis gefangen war, berichtete vom dunklen Zorn, der nach einem Jahr im Eismeer seine Mannschaft überfiel. Es häuften sich Streitigkeiten, Trunkenheit, Unfälle, Verluste von Armen, Beinen, Vorräten und Menschenleben. Die Disziplin versank in einem Sumpf aus Selbstmitleid und Bereitschaft zur Meuterei.

Das Phänomen der dritten Phase


Die vier Phasen einer Krise sind:

  1. Anfangseuphorie: Ready to fight, ready to go!
  2. Gewöhnungsphase: Routinen setzen sich durch.
  3. Erschöpfung und Bezichtigung: Die Nerven und der Sinn gehen verloren.
  4. Heimkehr und Hoffnung: Entstehen des Neuen Normal.

Krisen-Katharsis, die


Eine Katharsis (altgriechisch κάθαρσις »Reinigung«) ist jener Zustand, in dem sich innere Konflikte und Emotionen in einen Ausbruchszustand hineinsteigern. Es kommt zu Gefühlseruptionen, die im günstigsten Falle zu einer inneren Wendung, einer Bereinigung und Akzeptanz führen. Im negativen Fall kommt es zu einer Abwärtsspirale, einer Dekonstruktion mit anschließender Depression.

Der Dritte-Phase-Effekt hat etwas mit unserem Dopamin-System zu tun, mit jenem körpereigenen Hormon, das uns zu ungewöhnlichen Leistungen antreibt. An der Startrampe zum Raumschiff, beim Auslaufen des Schiffes aus dem Hafen, mobilisieren wir zunächst alle Energien. Wir sind euphorisiert, voller Adrenalin und Kampfbereitschaft angesichts einer Gefahr, die wir meistern wollen. So war es in der ersten Corona-Welle im Frühling 2020. In der zweiten Phase bilden sich Routinen der Gewöhnung aus – hier wirkt das Oxytocin, jenes Hormon, das uns in einen Zustand gemeinsamer Verbundenheit und Entspannung versetzt. Wie im Sommer 2020, als alles schon vorbei zu sein schien in Sachen Corona.

Doch wenn unsere Expedition länger dauert, geraten wir in eine Energiekrise. Pünktlich zum Jahreswechsel 2021, bei wieder steigenden Infektionszahlen, kippte die öffentliche Stimmung in den Modus des marodierenden Zorns. Das mediale System ging wieder in den Zustand des Competitive Complaining – jenes Beklagungs- und Bezichtigungs-Wettbewerbs über, in dem nur noch das Negative zählt, das man sich gegenseitig um die Ohren haut.

Die dritte K