: Colin Meloy
: Die Wildwood-Chroniken Band 1-3: Wildwood / Das Geheimnis unter dem Wald / Der verzauberte Prinz (3in1-Bundle) Die komplette Trilogie in einem Band
: Heyne Verlag
: 9783641286231
: 1
: CHF 2.70
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: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
Die Erfolgsreihe von Colin Meloy in einem Band

Das Leben der zwölfjährigen Prue verläuft völlig normal. Zumindest bis ihr geliebter kleiner Bruder Mac eines Tages von einer Schar Krähen in die Lüfte gehoben und in die Undurchdringliche Wildnis verschleppt wird, ein großes und dicht bewachsenes Waldgebiet am Rande von Portland. Um ihren Bruder zu retten, überschreitet Prue die Grenzen des Waldes und entdeckt eine unglaubliche Welt …

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Nach ihren Abenteuern im geheimnisvollen Wildwald kann sich die zwölfjährige Prue nur schwer wieder an den Alltag gewöhnen: Die Schule, die sie früher geliebt hat, langweilt sie plötzlich. Ständig muss sie an ihren Freund Curtis denken, der jetzt als tapferer Räuber in der Undurchdringlichen Wildnis lebt. Kein Wunder, dass Prue keinen Augenblick zögert, in das geheimnisvolle Waldreich zurückzukehren, als Curtis sie um Hilfe bittet. Denn ganz Wildwald droht für immer von der Landkarte getilgt zu werden…

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Für die zwölfjährige Prue und ihren besten Freund Curtis, die schon einmal die Undurchdringliche Wildnis und ihre geheimnisvollen Bewohner vor dem Untergang bewahrt haben, brechen noch längst keine ruhigeren Zeiten an: So erweckt ein unbedachtes Experiment einen bösen Geist aus der Vergangenheit zum Leben. Eine Bande von Waisenkindern macht sich auf den Weg in die Industriewüste, um ihre dort gefangen gehaltenen Freunde zu befreien. Und der alte Ratsbaum stößt düstere Prophezeiungen aus, in denen die Rede von einem Roboterprinzen ist, der die Welt retten wird. Einmal mehr müssen Prue und Curtis in die Tiefen des Wildwalds reisen – mit all seinen eigenwilligen Bewohnern, bei denen man oft erst im letzten Augenblick weiß, woran man ist …Wird es ihnen diesmal gelingen, die dunklen Mächte für alle Zeiten zurückzudrängen?

Colin Meloy wurde 1974 in Montana geboren. Er studierte Kreatives Schreiben in Montana und Oregon, bis er schließlich die Band The Decemberists gründete, mit der er zahlreiche internationale Erfolge feierte.Wildwoodist sein erstes Jugendbuch und die Erfüllung eines lang gehegten Traums, über die märchenhafte Wildnis rund um seine Wahlheimat Portland zu erzählen. Er ist verheiratet mit der Illustratorin Carson Ellis und hat einen Sohn. Gemeinsam haben sie die Welt vonWildwooderschaffen.

EINS


Ein Schwarm Krähen


Wie fünf Krähen es schafften, ein neun Kilo schwe res Baby in die Lüfte zu heben, ging über Prues Verstand – aber dasWie war noch ihre geringste Sorge. Ja, hätte sie in eben diesem Moment, als sie ihren Bruder Mac in den Klauen von fünf schwarzen Vögeln davonschweben sah, ihre Sorgen auflisten müssen, wäre die Frage,wie das gelingen konnte, an allerletzter Stelle gelandet. Ganz oben auf der Liste:dass ihr kleiner Bruder, für den sie die Verantwortung trug, von Vögeln entführt wurde. Dicht gefolgt von:Was hatten sie mit ihm vor?

Dabei hatte der Tag so gut begonnen.

Zwar war es ein bisschen grau gewesen, als Prue an jenem Morgen aufgewacht war, aber welcher Septembertag in Portland war das nicht? Sie hatte die Jalousien in ihrem Zimmer hochgezogen und einen Moment innegehalten, um die Äste vor ihrem Fenster zu betrachten, umrahmt von einem dunstig weißgrauen Himmel. Es war Samstag, und der Geruch von Kaffee und Frühstück wehte von unten herauf. Ihre Eltern saßen bestimmt schon wie immer am Frühstückstisch: Paps, die Nase hinter der Zeitung vergraben, würde hin und wieder einen Becher lauwarmen Kaffee an die Lippen führen; Mama würde durch eine Hornbrille auf die wollige Masse ihres Strickzeugs starren, von dem niemand so recht wusste, was daraus werden sollte. Und ihr Bruder, ein stolzes Jahr alt, würde in seinem Hochstuhl fröhlich vor sich hin brabbeln und dabei die fernsten Grenzregionen der Unverständlichkeit erforschen:Da! Dada! Und genau so war es auch, als Prue in die Essecke neben der Küche kam. Ihr Vater murmelte eine Begrüßung, die Augen ihrer Mutter lächelten über den Rand ihrer Brille hinweg, und ihr Bruder quiekte: »Puuuh!« Prue schüttete sich Müsli in eine Schüssel.

»Ich habe Speck auf dem Herd«, sagte ihre Mutter, während sie sich wieder dem wuscheligen Knäuel in ihren Händen zuwandte (war es ein Pulli? Ein Kaffeewärmer? Oder eine Schlinge?).

»Aber Mama«, antwortete Prue, während sie sich Reismilch über ihr Müsli goss. »Ich hab dir doch gesagt, dass ich Vegetarierin bin. Ergo: kein Speck.« Das Wortergo hatte sie vor Kurzem in einem Roman gelesen und jetzt zum ersten Mal benutzt. Sie war sich nicht ganz sicher, ob sie es richtig verwendet hatte, aber es fühlte sich gut an. Sie setzte sich an den Küchentisch und zwinkerte Mac zu. Ihr Vater spähte kurz über seine Zeitung und lächelte.

»Na, was hast du heute vor?«, fragte er. »Denk dran, dass du auf Mac aufpasst.«

»Hmmm, weiß nicht«, entgegnete Prue. »Ich dachte mir, wir könnten ein bisschen um die Häuser ziehen. Ein paar alte Damen aufmischen. Vielleicht einen Haushaltswarenladen überfallen und die Beute versetzen. Ist auf jeden Fall spannender als ein Kunsthandwerkermarkt.«

Ihr Vater prustete los.

»Vergiss nicht, die Bücher in der Bücherei abzugeben. Sie liegen in dem Korb neben der Haustür«, erinnerte ihre Mutter sie über die klackernden Stricknadeln hinweg. »Bis zum Abendessen müssten wir zurück sein, aber du weißt ja, wie lange solche Sachen dauern können.«

»Alles klar«, sagte Prue.

Mac rief: »Puuuh!«, fuchtelte wild mit einem Löffel herum und nieste.

»Übrigens glauben wir, dass dein Bruder sich erkältet hat«, sagte ihr Vater. »Also achte bitte darauf, dass er warm eingepackt ist, egal was ihr unternehmt.«

(Und während die Krähen ihren Bruder jetzt immer höher in den bewölkten Himmel hinauf trugen, fiel Prue plötzlich noch eine weitere Sorge ein:Er hat vielleicht eine Erkältung!)

Das war also der Morgen gewesen. Ziemlich unspektakulär. Prue aß ihr Müsli auf, überflog die Comics in der Zeitung, ergänzte ein paar einfache Wörter im Kreuzworträtsel ihres Vaters und machte sich dann daran, den rotenRadio-Flyer-Anhänger an ihrem Fahrrad zu befestigen. Der Himmel war immer noch von einem gleichmäßigen Grau bedeckt, doch es sah nicht nach Regen aus. Also steckte sie den weiter vor sich hin brabbelnden Mac in einen gefütterten Cordstrampler, wickelte ihn in eine Steppdecke und setzte ihn in den Anhänger. Dann befreite sie einen Arm aus diesem Kleidungskokon und drückte ihm sein Lieblingsspielzeug in die Hand: eine Holzschlange. Er schüttelte sie dankbar.

Prue schwang sich auf den Sattel, trat kräftig in die Pedale und setzte das Fahrrad in Bewegung. Der Anhänger hüpfte geräuschvoll hinter ihr her, und bei jedem Ruck kreischte Mac glücklich auf. Sie rasten durch die Siedlung mit den adretten Schindelhäusern dahin, polterten über Bordsteinkanten und schlingerten um Pfützen herum, sodass Macs Wägelc