Einleitung: Über Politik, Satire und wie man lebend da rauskommt
Von Dominic Harapat
Als Jörg mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm gemeinsam ein Buch zu schreiben, war ich sofort überaus dionysisch. Wie alle großen gescheiterten Geister (Dostojewski, Bukowski, Hitler) erstrebe auch ich naturgemäß ein Dasein in der Autorenschaft, um das Publikum mit den Lehren meines Misserfolgs zu drangsalieren. Es ist außerdem die letzte Disziplin öffentlicher Existenz, in der sich auch der allerletzte Vollidiot (Handke, Ulfkotte, Hitler) verwirklichen kann. Entsprechend musste ich nicht überlegen und willigte sofort ein. Dass ich bereits einen Vollzeitjob mit diversen Ehrenämtern verbinden musste, ignorierte ich geflissentlich. Wird schon, ich bin ja belastbar, flexibel, kundenorientiert und was man sonst so alles in eine nichtssagende Bewerbung hineinlügt.
Nach einigem Hin und Her, wie denn der Inhalt gestaltet werden sollte, machte ich mich mit der Leichtigkeit eines Kindersoldaten ans Schreiben. Und da begannen auch schon die unüberwindbaren Probleme. Wo ich anfangs noch der Idee verfallen war, dass es verminderter Arbeitsaufwand sei, wenn man nur der Co-Autor ist, da man schließlich nur ein halbes Buch schreiben muss, um ein ganzes zu veröffentlichen, trat nun Verzweiflung auf den Plan: Was soll ich denn noch erzählen, das Jörg nicht bereits mannigfaltig zu Papier gebracht hat? Nun, lange später, ist das Werk so gut wie fertig und prall gefüllt mit vorher nicht absehbaren und leider auch viel zu seriösen Inhalten. Einzig diese Einleitung ist die letzte offene Baustelle, um nicht sogar von einer offenen Wunde zu sprechen, die die Gesamtheit des ansonsten geradezu meisterlich anmutenden Schriftstücks mit sich in die[Fragment]
Am besten beginne ich vielleicht damit, mich vorzustellen. Das könnte auch zum Verständnis beitragen, warum Jörg ausgerechnet mich in die erbarmungslose Welt derjenigen Satzbauer mit runterreißt, die bei einem Bier über den Niedergang der Gesellschaft grübeln und sich nur drei Bier und zwei Korn später bereitwillig und grölend selbst daran beteiligen.
Wer also dieses Buch in Händen hält, mich bislang nicht kannte und sich die Mühe macht, meinen Namen durch das Internet zu jagen (so wie Gauland seinerzeit ankündigte, Merkel zu jagen), wird mich wohl in einer eher unseriös anmutenden politischen Herrenwitzvereinigung, auch Die PARTEI genannt, verorten. Wenn man mir nun die ernsthafte Absicht andichtet, mir in Sachen satirischer Schriftstellerei einen Namen machen zu wollen, dann erscheint der Weg aus den Reihen eines als Partei auftretenden Titanic-Gags mit Ethanolhintergrund doch weniger als ein Sprungbrett, sondern eher als ein Stolperdraht, der vor eine Fallgrube voller Schlangen, Skorpione und der Twitter-Blocklist von Jutta Ditfurth gespannt wurde. Doch frei nach Clint Eastwood gibt es immer zwei Wege: den harten und den falschen. Entsprechend möchte ich an dieser Stelle gern von dem falschen Weg erzählen, den ich bisher gegangen bin und der mich in diese missliche Lage gebracht hat.
Obwohl mich der geschätzte Kollege Schneider auch gern mal als Jungpolitiker bezeichnet, ist das schon etwas an der Realität vorbei. Sicher erfüllt mich, verglichen mit Altkanzler Kohl, noch eine erfrischende Jugendlichkeit, um nicht zu sagen: Lebendigkeit. Aber selbst die Junge Union hätte mich mittlerweile aus ihren Reihen verbannt und würde mich fortan der Altherrenmannschaft zusprechen, selbst wenn man beim Anblick Tilman Kubans nicht gerade von dem Gefühl ereilt wird, dass die Altersobergrenze der CDU-Kaderschmiede wirklich unter 50 Jahren liegt. Es trifft jedoch zu, dass ich noch nicht lange in der Politik beheimatet bin. Aufgewachsen im sozialen Brennpunkt Wetzlars, war ich früher SPD-Wähler, auch wenn mir das heute etwas peinlich ist. Machte man aber so, wir waren ja Arbeiter. Mein Leben drehte sich auch mehr um Musik als um feiste, alte Männer mit fahlen Gesichtern und gleichfarbigen Gedanken in langweiligen Anzügen. Mein politisches Interesse dümpelte eher an der Oberfläche und doch war ich in meinem persönlichen Umfeld noch mit am ehesten am alltäglichen Ge- und Misslingen der Parlamentarier dieser Welt interessi