Wellenbrecher
Thraker waren nicht dafür bestimmt zur See zu fahren, dachte Bryzos und dies nicht zum ersten Mal. Eine Welle brach über die Seite des Schiffes und überschüttete ihn mit einem Schwall Salzwasser, obwohl er durch den Regen schon nass bis auf die Haut war. Dies, so wurde ihm klar, musste das Ende sein. Als die scheinbar endlos tosenden Wassermassen einen Augenblick lang Ruhe gaben, lehnte er sich über die Seite des Schiffes und übergab sich ausgiebig. Er hatte längst jegliche feste Nahrung erbrochen, die er in den Gewässern der Ägäis zu sich genommen hatte, und der Geschmack von Galle war bitter in seinem Mund.
Die Wellen türmten sich um den Rumpf auf und drohten, sie alle mit in die Tiefe zu nehmen. Wenigstens wäre dann alles vorbei, dachte Bryzos, oder hoffte es zumindest. Er setzte sich auf, um über die Reling zu schauen, nur um sich wieder instinktiv zu ducken, als ein Donnerschlag in der Nähe der ‚Wellenbrecher‘ ertönte, dicht gefolgt von einem Blitz. Die Matrosen hatten längst aufgehört etwas anderes zu tun, als sich einfach nur verzweifelt irgendwo festzuhalten. Die meisten von ihnen hatten sich irgendwo am Schiff angebunden, nachdem sie das einzelne quadratische Segel eingeholt hatten, damit es nicht durch den Wind zerrissen wurde.
Überall um sie herum tobte der Sturm. Bryzos war noch nie zur See gewesen und hatte noch nicht einmal beginnen können sich vorzustellen, dass es so viel Wasser auf der Welt gab. Wellen so groß wie Häuser versuchten ihr Schiff zu Kleinholz zu verarbeiten. Aber irgendwie gelang es dem Steuermann dem Schlimmsten der Dünung zu entgehen und sie auf Kurs zu halten. Er hatte keine Ahnung, wo sie gerade waren oder wohin die ‚Wellenbrecher‘ eigentlich hinfuhr, und er fragte sich, ob überhaupt irgendeiner der Männer an Bord es wusste. Als der Prinz, oder besser ehemalige Prinz, am Morgen in Sestos das Handelsschiff bestiegen hatte, war das Wetter heiter gewesen.
Bryzos schüttelte den Kopf. Er, ein Prinz! Die ganze Vorstellung war jetzt nicht mehr als ein Scherz: Während der Hass, den er für seinen Halbbruder Tarbos empfand, gegenseitig war, hätte er sich nie vorstellen können… Wie konnte ein Mann nur so viel Hass für seine eigene Familie empfinden? Sein Vater König Ozrykes, seine Mutter, seine Brüder und Schwestern, alle waren jetzt tot, ermordet durch die Hand einer der ihren. Sein Magen krampfte sich bei dem Gedanken zusammen und er lehnte sich wieder über die Seite. Aber bevor er sich erneut in