Auch haben wir uns damals nicht für Leben und Werk des Hermann August Francke interessiert. Nur ist mir in Erinnerung, dass er mit vier Talern angefangen hatte, die Stiftungen zu errichten, von seinem pietistischen und missionarischen Wirken wusste ich nichts. Von der Frömmigkeit war nur übrig geblieben, dass wir jeden Sonntagmorgen in die Glauchaer Kirche gehen mussten, was Herr F., unser Inspektor des Pädagogiums, durch Inaugenscheinnahme in der Kirche kontrollierte. Freigestellt war uns der Sitzplatz dort. Während einige Fromme sich nicht trauten, der Predigt fernzubleiben, nahmen andere auf der Empore Platz, zeigten sich auffällig über der Brüstung und verschwanden dann, wenn sie meinten, gesehen worden zu sein, zum Beispiel in die Fettbemme, ein Kino zur Morgenvorstellung.
Heute bin ich beeindruckt von dem, was er geschaffen hat. Ein pietistischer Asket mit ungeheurer Kraft durch seinen Glauben. Leider gibt es, soweit ich weiß, keine Biographie, es lohnte sich für einen Historiker, ihn in seiner Zeit und vor allem in der damaligen Kirchenstruktur zu analysieren.
Geboren am 12. März 1663, gestorben am 8. Juni 1727.
Einen kleinen Abriss seines Lebens und Werkes hat Walther Michaelis als Altdirektor der Franckeschen Stiftungen im Heliand-Heft 53 gegeben (Heliand-Verlag Berlin, 1941):
»August Hermann Francke, vom Leben und Werk des großen evangelischen Volkserziehers«
So genau ist mi