: Katja Maybach
: Schicksalszeit Roman
: Verlagsgruppe Droemer Knaur
: 9783426456842
: Die Chronik der Familie Laverne
: 1
: CHF 13.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Elegant, opulent, authentisch: Der erste Teil von Katja Maybachs großer historischer Familiengeschichte spielt in einem mondänen Kurort am Vorabend des 1. Weltkriegs. Leicht und sommerlich-träge ziehen 1914 die Tage in einem eleganten Kurort nahe der deutsch-französischen Grenze vorüber: Selbst am Vorabend des 1. Weltkriegs will niemand so recht wahrhaben, was sich in Europa zusammenbraut - auch nicht die Geschwister Franz, Luise und Victoria Laverne, die einmal das mondäne Grandhotel Deutscher Kaiser erben werden. Luise ist gerade aus Paris zurückgekehrt und hofft nach einer skandalösen Mesalliance auf die Aussöhnung mit ihrem strengen Vater. Die 16-jährige Victoria fühlt sich zu einem russischen Musikstudenten hingezogen, dessen Traurigkeit sie tief berührt. Und Franz hat die angehende Fotografin Clara kennengelernt, für ihn die Frau seines Lebens. Doch während Musik, Liebeleien und die Eleganz des Kurorts das Leben der Lavernes bestimmen, ziehen in den deutschen Städten junge Männer mit Gesang und unter dem Jubel der Bevölkerung selbstbewusst und siegessicher an die Front. Der Beginn des 1. Weltkriegs ... Für Franz, Luise und Victoria wird nach diesem 1. August 1914 nichts mehr so sein, wie es war. Katja Maybachs historische Familiensaga um drei unzertrennliche Geschwister Anfang des 20. Jahrhunderts ist in Teilen inspiriert vom Schicksal ihres Großonkels. Entdecken Sie auch Katja Maybachs historische Familienromane aus den letzten Jahren des 2. Weltkriegs und der Nachkriegszeit:• »Die Stunde unserer Mütter«• »Die Zeit der Töchter«

Katja Maybach war bereits als Kind eine echte 'Suchtleserin', was beinahe automatisch zum eigenen Schreiben führte. Schon mit zwölf Jahren schrieb sie ihren ersten Roman und einige Kurzgeschichten. Doch sie hatte immer schon eine zweite Leidenschaft: die Mode. Und so gewann sie mit fünfzehn Jahren den Designerpreis einer großen deutschen Frauenzeitschrift für den Entwurf eines Abendkleides. Mit siebzehn ging sie nach Paris und wurde zuerst Model in einem Couture Haus, später eine erfolgreiche Designerin. Nach einer schweren Krankheit begann sie, Romane zu schreiben. Bereits ihr Debüt 'Eine Nacht im November' war ein großer Erfolg und wurde in Frankreich ein Bestseller. Heute lebt die Autorin in München, sie hat zwei erwachsene Kinder.

Eins



Ein eleganter Kurort nahe der französischen Grenze
Bad Lichtenberg

Sommer1914

Weil sie jung war und der Tag so strahlend, rannte Victoria die Birkenallee hinunter bis zum Kurhaus. Außer Atem blieb sie stehen, sah kurz zurück auf die elterliche Villa und lief weiter. Schützend hielt sie sich die Hände über die Augen und blinzelte in die Höhe. Das Gleißen des Sonnenlichts auf dem gewölbten Glasdach der Halle blendete und reflektierte wie in einem Kaleidoskop. Jedes Mal, wenn Victoria hierherkam, empfand sie einen kleinen Schauer – war es Freude oder Traurigkeit? Ganz genau konnte sie ihre Gefühle nicht definieren, doch eines stand fest: Dies war der Ort ihrer Erinnerungen an ihre Kindheit, an eine glückliche Zeit.

Sie blieb in der Wandelhalle stehen und sah sich um. Viele Gäste drängten sich hier um die Marmorbrunnen, aus denen das Heilwasser sprudelte; Kellner in schwarzem Frack reichten den eleganten Kurgästen die Gläser auf silbernen Tabletts. Victoria nahm sich ein Glas, zwinkerte dem Kellner zu, hielt es unter den Hahn und trank gierig das Wasser. Es sollte gegen jede Art von Altersbeschwerden helfen und zu einer vorsichtigen Wiedergeburt der Jugendlichkeit führen.

»Sind Sie für dieses Wasser nicht zu jung, kleines Fräulein?« Ein alter Herr beugte sich lachend zu ihr und erklärte, wie beneidenswert frei doch die Jugend heutzutage sei, früher habe ein junges Mädchen ohne seinegouvernante gar nicht aus dem Haus gehen dürfen.

Victoria nickte ihm freundlich zu, schlenderte aber dann den Wandelgang weiter.

Am nächsten Brunnen wurde laut diskutiert.

Wenn es doch Krieg gibt …

Nein, der Kaiser ist in seine Sommerresidenz gefahren, wir sollten nicht schwarzsehen …

Aber viele Franzosen sind bereits abgereist …

Deshalb auch keine Eleganz mehr hier in der Halle …

Sie sind verschwunden, aus Angst vor einem Krieg …

 

Victoria drehte sich erschrocken um, doch die kleine Gruppe schlenderte weiter und geriet außer Hörweite.

Krieg. Musste dann ihr Bruder Franz an die Front?

Versunken in Gedanken an ihren Bruder, ging sie ein Stück weiter, sah in den großen Tanzsaal des Palmengartens hinüber, in dem gerade das Orchester für den Abend Platz nahm. Ein Tangoabend – der Tanz, den der Kaiser verboten hatte, aber Berlin war weit und die Versuchung dieses Tanzes groß.

Das Restaurant davor war voll besetzt. Mit seinen hohen Palmen, den eleganten Korbmöbeln und dem Springbrunnen bot der Raum das Ambiente des Kolonialreichs. Victoria sah sich weiter um, bis sie am letzten Tisch, fast ganz verborgen hinter einer Palme, ihre Mutter mit deren Freundinnen entdeckte. Victorias Blick wanderte weiter zu dem Flügel, an dem der junge Juri Petkov mit seinem Spiel die gedämpfte Unterhaltung der Gäste untermalte.An der schönen blauen Donau, schließlich war Österreich ein Freund Deutschlands, dann Operetten bis hin zu MozartsKleiner Nachtmusik. Als er spürte, dass er beobachtet wurde, hob er den Kopf, lächelte und nickte Victoria zu. Sie lächelte zurück und spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg. Dann wandte sie sich hastig ab, ging an den beiden Pfauen in ihrem Gehege vorbei und bog nach links in den runden Saal ein, dessen hoher Pavillon aus Glas alle Blicke auf sich zog. Hier drängelten sich die Kurgäste, um exotischen bunten Vögeln zuzusehen, wie sie ihre Federn spreizten und der alte Papagei den Kopf schräg legte. Wenn er Lust hatte, öffnete er den Schnabel, und schon jubelten die Kinder, die sich vor dem Pavillon drängten. Er schien zu wissen, was man von ihm erwartete: »Seemann ahoi«, krächzte er, »ahoi, ahoi«, und die Kinder jubelten und klatschten.

Victoria sah den Kindern zu, und aus einem Impuls heraus klatschte auch sie und lachte zu dem Papagei hoch. Als Kind hatte sie oft mit ihren älteren Geschwistern Franz und Luise hier gestanden. Die beiden hatten ihre kleine Schwester Victoria an den Händen genommen, zusammen über den Papagei gelacht und waren anschließend hinüber ins Restaurant gegangen, um Eis zu essen.

Jetzt aber war Franz siebenundzwanzig Jahre alt und lebte in Berlin. Und Luise? Seit fünf Jahren ausgestoßen aus der Familie. Die Tochter, über die man nicht sprach. Sie lebe in Paris – mehr erfuhr Victoria nicht, auch wenn sie die Mutter hartnäckig mit Fragen löcherte.

Paris, Frankreich. Die Franzose