: Robert Jackson Bennett
: Der Schlüssel der Magie - Der Meister Roman
: Blanvalet
: 9783641257200
: The Founders
: 1
: CHF 8.90
:
: Fantasy
: German
: 576
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Mensch, der die Magie entschlüsselt.
Ein Magier, der die Welt erschüttert.
Ein Meister, der den Tod besiegt.

Die Diebin Sancia Grado und ihre Verbündeten haben ein eigenes Handelshaus gegründet. Das war ihre einzige Möglichkeit, nicht durch die mächtigen Familien von Tevanne einfach zu Verbrechern erklärt zu werden. Nun müssen sie sich gegen die etablierten Familien durchsetzen. Doch deren Rache ist nicht ihr größtes Problem. Der vielleicht mächtigste Magier der Vergangenheit ist ins Leben zurückgekehrt und will nun die Realität nach seinen Wünschen neu formen. Sancia und ihre Freunde benötigen dringend Unterstützung, wenn sie ihre Heimat retten wollen. Aber der magische Schlüssel Clef, einst ihr bester Berater, schweigt - und der Preis für andere Hilfe könnte noch höher sein, als wenn Sancia den Meistermagier einfach gewähren ließe ...
Die TrilogieDer Schlüssel der Magie:
1. Die Diebin
2. Der Meister
3. Die Götter

Robert Jackson Bennett wurde bereits mehrfach für seine Fantasy-Romane ausgezeichnet, unter anderem mit dem Edgar Award, dem Shirley Jackson Award und dem Philip K. Dick Award. Außerdem war er Finalist beim World Fantasy Award, dem Locus Award, dem Hugo Award und bei dem British Fantasy Award. Neben den Kritikern und zahllosen Lesern gehören auch die größten seiner Autorenkollegen zu seinen Fans, zum Beispiel Brandon Sanderson und Peter V. Brett. Robert Jackson Bennett lebt mit seiner Frau und seinen Söhnen in Austin, Texas.

Kapitel 1


»Das Tor ist genau vor uns«, sagte Gregor. »Mach dich bereit.«

Sancia holte tief Luft und wappnete sich. Ihre Kutsche holperte durch den strömenden Regen. Von hier aus sah sie kaum mehr als die grellen, kalten Lichter auf den Campo-Mauern. Sie rieb sich die Hände und strich über die Schwielen an ihren Handflächen und Knöcheln, die allerdings längst nicht mehr so groß waren wie früher, zur Blütezeit ihrer Diebeszüge.

»Halt dich einfach an den Plan«, sagte Berenice. »Weich nicht davon ab, dann geht nichts schief.«

»Ich befolge den Plan«, erwiderte Sancia. »Allerdings sieht er an vielen Stellen vor, dass ich improvisieren muss. Was nicht gerade beruhigend ist, weißt du?«

»Werden wir dahinten etwa nervös?«, fragte Orso aus der Fahrerkabine. Er drehte sich um und sah die beiden an. Seine blassblauen Augen funkelten in seinem markanten Gesicht.

»Ein wenig Angst ist unter diesen Umständen verständlich«, meinte Berenice.

Orso schnaubte. »Aber da wir uns fast sechs Monate lang abgerackert haben, um an diesen Punkt zu gelangen, bin ich wenig gewillt, dafür Verständnis aufzubringen.«

»Orso …«, setzte Gregor an.

Orso wandte sich um. »Wir sind einfach nur Skriber, die mit einem Handelshaus ins Geschäft kommen wollen. Vier schmierige Skriber, die ihre Entwürfe verkaufen und schnelles Geld verdienen wollen. Das ist alles. Kein Grund zur Sorge.«

»Ich sehe die Mauer.« Gregor drehte das Steuerrad und verlangsamte die Fahrt auf Kriechtempo.

Orso schaute nach vorn. »Äh, tja … Ich gebe zu, dasist ein wenig beunruhigend.«

Die Campo-Mauern der Michiel-Handelsgesellschaft tauchten im strömenden Regen auf. Anscheinend hatten die Michiels seit Sancias letztem Besuch wesentliche Umbauten vorgenommen. Die Mauerwände waren mit grauen Steinen um etwa zwölf Meter erhöht worden, was recht aufwändig gewesen sein musste. Doch was Sancias Aufmerksamkeit erregte, war das, was sich obenauf befand: eine Reihe großer, langer Bronzekästen, etwa alle hundert Fuß auf der Mauer verankert, jeder einzelne auf einer Art Drehgestell.

»Das sind verdammt viele Arbalesten-Geschütze«, murmelte Orso.

Sancia musterte die reglosen, dunklen Geschütze im Regen. Ein Vogel flog dicht an einem davon vorbei, dessen Luke sogleich aufschnappte. Langsam drehte sich der längliche Kasten und verfolgte die Flugbahn des Tiers wie die Augen einer Katze eine vorbeiziehende Fledermaus. Das Geschütz stufte den Vogel offenbar nicht als Gefahr ein und kehrte in seine ursprüngliche Position zurück.

Sancia wusste, wie diese skribierten Waffen funktionierten: Die Kästen waren mit Bolzen gefüllt, deren Sigillen sie davon überzeugten, dass sie übernatürlich schnell fliegen konnten. Das Entscheidende war jedoch, dass man die Geschütze darauf skribiert hatte, Blut zu erkennen. Nahm eine Geschützbatterie Blut wahr, das einer unbekannten Person gehörte, richtete sie sich auf sie aus, feuerte alle Bolzen ab und zerfetzte das Ziel. Die Skriber, die die Geschütze entworfen hatten, hatten viel Mühe darin investiert, dass die Geschütze keine Munition mehr an streunende Tiere vergeudeten. Vor allem nicht auf die Grauaffen, die die Batterien anfangs sehr verwirrt hatten.

Ihre Lösung war zwar nicht elegant, aber sie funktionierte. Die Leute näherten sic