: Josefine Blom
: Unter einem anderen Himmel Roman
: Blanvalet Verlag
: 9783641268626
: 1
: CHF 2.70
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 384
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Zuhause ist da, wo die Menschen sind, die man liebt – ein ergreifender Roman über Liebe, Familie und das Finden der eigenen Wurzeln.

Als die 38-jährige Stella Köhler unerwartet ein Haus in Haffkrug an der Ostsee erbt, ist dies eine glückliche Fügung, denn ihre finanzielle Situation ist ein mittleres Desaster. Seit Monaten schon wartet die Übersetzerin auf das neueste Manuskript des englischen Bestsellerautors John Harding. Als dieser sie überraschend auffordert, nach Prag zu kommen, nimmt Stella den nächsten Zug. Sie ahnt nicht, wie viel seine Familiensaga, die im ehemaligen Sudetenland beginnt, mit ihrer eigenen Geschichte zu tun hat. Erst als sie die Vergangenheit versteht, kann sie mit ihrer Tochter ein Zuhause in der Gegenwart finden.

Josefine Blom ist das Pseudonym des Autorinnen-Duos Tania Krätschmar und Danela Pietrek. »Unter einem anderen Himmel« ist ihr erster gemeinsamer Roman. Geschrieben wurde zusammen an der Ostsee, in Tschechien und in Spanien. Wenn die Autorinnen in Hamburg und Berlin sind, wo sie mit ihren Familien leben, wird gezoomt, geskypt und geteamst: über ihre Kinder, ihre Gärten und ihre Geheimnisse – aber vor allem über ihre gegenwärtigen und zukünftigen Romane.

1. Kapitel


Stella betrachtete sich im Spiegel. Sie beugte sich leicht vor, kniff die Augen zusammen. War das ein graues Haar in ihren hellbraunen Locken? Kurzentschlossen wickelte sie es sich um den Zeigefinger und riss es aus.

Roland, schon im dunkelblauen Anzug, den er immer trug, wenn er eine Vorlesung an der Uni hielt oder einen anderweitigen öffentlichen Auftritt hatte, kam zu ihr. Er schmiegte sich von hinten an sie, umfasste ihre schmale Taille und lächelte ihr im Spiegel zu. Stella lehnte sich gegen seinen schlanken Körper und schloss für einen Moment die Augen.

»Willkommen im Club«, flüsterte er ihr zärtlich ins Ohr.

Erstaunt drehte sie sich zu ihm um. »In welchem Club?«

Roland grinste. »Wann wirst du endlich akzeptieren, dass mir kein Geheimnis verborgen bleibt? Gib es zu, du hast eben dein erstes graues Haar entdeckt. Und ausgerissen hast du es, du eitle Schönheit!«

Stella sah ihn an und schüttelte den Kopf. Woher wusste dieser Mann, den sie vor achtzehn Jahren Hals über Kopf geheiratet hatte, nur immer, was sie gerade beschäftigte? Und warum schaffte er es im Gegenzug, seine Gedanken vor ihr zu verheimlichen?

Bei einem Spaziergang an der Elbe war sie damals fast in ihn hineingelaufen, als sie vergeblich versucht hatte, mit ihrem ersten Handy Olga anzurufen. Sie war mit ihr an jenem Sommertag in derStrandperle verabredet gewesen und mal wieder versetzt worden. Als sie mit Roland zusammenstieß und in seine schokobraunen Augen sah, war ihr erster Gedanke, dass sie ihrer Freundin eigentlich dafür danken musste, dass sie nicht erschienen war.

Denn Stella wusste damals sofort: Das war sie, die große Liebe. Seit ihrer Hochzeit mit anschließender Party in besagter Strandperle verbrachten sie so viel Zeit wie möglich zusammen. Als Nele vor vierzehn Jahren geboren wurde, schnappten sie sich das kleine Bündel und fuhren gemeinsam zu Rolands Vortragsreisen.

Olga machte sich oftmals über die beiden lustig, sie nannte sie »Die Unzertrennlichen«. Ja, das waren sie, auch wenn der Zynismus in Olgas Stimme nicht zu überhören war.

Stella lächelte ihren Mann an. »Und du gibst es am besten gleich zu, dass du es kaum erwarten konntest, mich in deinem Silberrücken-Club willkommen zu heißen.« Liebevoll fuhr sie ihm mit den Fingern über sein kurzgeschorenes Haar, zog seinen Kopf zu sich herunter, küsste ihn. Roland war achtundvierzig, während sie erst in zwei Jahren ihren vierzigsten Geburtstag feiern würde. Knapp ein Jahrzehnt trennte sie.

»Hm, vielleicht«, sagte er und erwiderte ihren Kuss. »Und vielleicht sollte ich meinen Vortrag auf heute Nachmittag verschieben.«

Lachend stieß Stella ihn zurück. »Du bist ja verrückt. Schließlich eröffnest du mit deiner Rede den Kongress!«

»Papa! Ich komme zu spät!«, rief Nele plötzlich. »Du hast gesagt, du bringst mich!«

Stella wollte antworten, doch Roland schüttelte den Kopf und legte einen Finger auf ihre Lippen. »Schon vergessen? Auf Gemaule und Nörgeleien reagieren wir doch nicht mehr.« Er zwinkerte Stella zu. »Und wie sieht dein Tag