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10. März 2011
In der Nacht, in der ich nach Japan fliegen sollte, ahnte ich nicht, wie wenig Zeit ich vor meiner persönlichen Apokalypse noch haben sollte. Hätte ich es gewusst, hätte ich eines anders gemacht. Es ist die eine Sache, die mich nachts aufweckt, die Zähne so fest zusammengebissen, dass sie fast zu splittern drohen. Das eine, mit dem ich meine Hände mit Blut besudelt und mein Konto mit einem Tod belastet habe. Das eine, das mich nicht loslässt.
Ein Fehler, den ich gemacht habe.
Schon klar, ich weiß, wir alle machen Fehler und so weiter. Aber ich normalerweise nicht. Ich habe meine erste Firma gegründet, bevor ich Auto fahren konnte. Die Firma, die mich aber wirklich berühmt gemacht hat, die weltweit bekannt wurde, kam später. Sie heißt CastorNet und wurde schon vor dem Börsengang auf über eine Milliarde Dollar geschätzt. Eine solche Firma ist nicht mehr ganz so selten wie früher, aber die Leute merken immer noch auf, wenn sie von einem Zwanzigjährigen geleitet wird.
Doch das reichte mir nicht. Ich wollte einen Platz in den Geschichtsbüchern. Darum wollte ich in dieser Nacht nach Japan fliegen, um einen Deal abzuschließen, der meinen Namen in eine Reihe mit denen von Jobs, Gates und Zuckerberg setzen würde.
Später, wenn alles über die Bühne gegangen war, würde ich in meinem Privatjet eine Flasche Cristal köpfen. Gerade aber nippte ich stattdessen an einem faden grünen Smoothie und hockte mit einem langhaarigen, bärtigen Kerl im Dunkeln vor einem Computerbildschirm, während ich versuchte, mir dasFBI vom Hals zu schaffen, ohne alles zu vermasseln.
»Die Schadsoftware wurde implementiert und geht jetzt online«, sagte der haarige Bursche. Der helle Monitor beleuchtete seinen zerzausten Bart und verlieh ihm in der dämmrigen Kabine ein unheimliches Profil. »Was willst du den Leuten von Fukushima Semiconductor sagen, warum du nicht dort auftauchst, um die Übernahme abzuschließen?«
Jack Walton. Meine rechte Hand und mein ältester Freund. Ein brillanter Programmierer, aber wie schon der legendäre Wozniak hatte auch er keinen Sinn fürs Geschäft. Der Aufbau von CastorNet war allein mein Werk. Und er war der Einzige, dem ich diese Sache anvertrauen konnte, denn auch wenn wir es in Absprache mit demFBI taten, wenn etwas davon durchsickerte, wäre das ein Desaster.
»Ich schaffe es schon noch rechtzeitig dorthin, um den Deal abzuschließen. Ich nehme den Jet, wenn wir hier fertig sind. Ich hab nur keine Zeit, im Hotel einzuchecken, deshalb muss ich am Flughafen duschen.«
»Ein wahrhaft heroisches Opfer, wenn man bedenkt, dass dich dieser Deal zum Milliardär machen wird«, meinte Jack, dem der Widerwille in meinem Tonfall aufgefallen war. »Aber zunächst mal – wer auch immer dieser Kerl ist, wir müssen ihn finden.«
»Werden wir. Sobald dieserFBI-Typ … Wie heißt er noch gleich? Salazar irgendwas …«
»Burke.« Jack verdrehte die Augen. »Special