PROLOG
Zuerst war da ein Mann namens Winston Duarte. Und dann war er nicht mehr da.
Der letzte Augenblick war banal. Er hatte in seinem privaten Arbeitszimmer im Herzen des Staatshauses auf seinem Diwan gesessen. In den Schreibtisch – laconischer Regenbaum mit einer Maserung wie Sedimentgestein – war ein Bildschirm integriert, auf dem unzählige Berichte um seine Aufmerksamkeit buhlten. Langsam tickte das Uhrwerk des Reichs, und mit jeder Umdrehung des Rades lief der Mechanismus ein wenig glatter und präziser. Er hatte die Sicherheitsmeldungen aus Auberon geprüft, wo der Gouverneur infolge separatistischer Ausschreitungen begonnen hatte, Einheimische für die Sicherheitskräfte zu rekrutieren. Seine Tochter Teresa war schon wieder zu einem ihrer verbotenen Ausflüge außerhalb des Geländes aufgebrochen. Die einsamen Spaziergänge in der Natur, die sie ungestört von den wachsamen Augen der laconischen Personenschützer zu unternehmen glaubte, waren für ihre Persönlichkeitsentwicklung wichtig. Deshalb beobachtete er die Eskapaden nicht nur mit Nachsicht, sondern auch voller Stolz.
Erst vor Kurzem hatte er ihr erklärt, welche Pläne er für sie hatte. Sie sollte nach ihm selbst Paolo Cortázars zweite Patientin werden, damit sich ihr Bewusstsein öffnete und vertiefte, wie es schon bei ihm geschehen war, sodass sie beide vielleicht nicht ewig, aber doch unbegrenzt lange leben konnten. In hundert Jahren würden sie immer noch das Reich der Menschen anführen. In tausend Jahren. In zehntausend Jahren.
Falls.
Das war der schreckliche Druck, der auf allem lastete. Dieses unerträglicheFalls. Könnte er doch nur diese schreckliche menschliche Selbstzufriedenheit überwinden. Könnte er doch nur dieses gewaltige, verstreute Gewimmel, das die Menschheit war, davon überzeugen, dass sie etwas unternehmen mussten, um dem Schicksal ihrer Vorläufer zu entgehen. Entweder taten sie, was nötig war, um die Dunkelheit auf der dritten Seite der Ringtore zu verstehen und zu besiegen, oder sie starben durch diese Kraft.
Die Experimente im Tecoma-System liefen ab wie alle entscheidenden Schritte in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Seit das erste Säugetier beschlossen hatte, sich auf die Hinterbeine zu erheben, um über das Gras hinwegzublicken. Wenn es funktionierte, würde sich abermals alles verändern. Immer veränderte das Neue alles, was vorher war. Das war die am wenigsten überraschende Tatsache des Lebens.
In diesen letzten Augenblicken hatte er nach seiner Teetasse gegriffen, aber mit einem seiner eigenartigen neuen Sinne, die Dr. Cortázar ihm geschenkt hatte, bemerkt, dass das Getränk bereits kalt war. Das Gespür für die Schwingungen der Moleküle entsprach der physischen Wahrnehmung von Wärme – beides maß dieselbe Realität der Materie –, doch der gewöhnliche menschliche Sinn war wie ein Kind, das mi