: Stuart Cosgrove
: Cassius X Die Legende Muhammad Ali
: Heyne Verlag
: 9783641280383
: 1
: CHF 8.00
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: Biographien, Autobiographien
: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
"Cassius X" handelt von der Verbindung zwischen Malcolm X, Soulsänger Sam Cooke und Cassius Clay, der kurz darauf zum Islam konvertierte und als Muhammad Ali in die Geschichte eingehen wird. Im Jahre 1963 trafen sie sich in Miami, als Cassius dort trainierte, wo er ein Jahr darauf seinen legendären Kampf gegen Sonny Liston führen wird. Der preisgekrönte schottische Journalist Stuart Cosgrove verbindet auf faszinierende Art und Weise die Biografien dreier Legenden aus Sport, Soul und Politik, deren Wege sich an einem entscheidenden Wendepunkt der amerikanischen Geschichte kreuzen.

Stuart Cosgrove stammt aus dem schottischen Perth. Er war Redakteur beimNME und schrieb für viele Zeitungen und Magazine, darunterThe Face. Als Radio- und TV-Moderator für u.a Channel 4 und die BBC wurde er mehrfach ausgezeichnet. FürMemphis 68, den zweiten Band seiner Soulmusik-Trilogie, erhielt er 2018 den Penderyn Music Prize.

Cassius’ Trainingspartner Luis Rodriguez war kubanischer Landesmeister im Weltergewicht gewesen. Als jedoch im Januar 1959 die Regierung Batista durch Castros Revolutionäre gestürzt wurde und sich die Stimmung innerhalb des neuen kommunistischen Regimes zunehmend gegen den Profisport wandte, emigrierte er nach Miami und wurde zu einem der Stars des 5th Street Gym. Ganze Scharen von kubanischen Einwanderern wurden mit Hochglanzpropaganda in die»freie Welt«gelockt. An Wochentagen flog zweimal täglich eine Chartermaschine von Varadero nach Miami. Eine Armeekaserne auf dem Gelände des Miami International Airport wurde mit Etagenbetten ausgestattet und unter dem Namen Freedom House als temporäres Auffanglager für ankommende Flüchtlingsfamilien umfunktioniert. Innerhalb eines Jahrzehnts wuchs die Zahl der Kubaner in den USA auf fast das Sechsfache an: von 79000 im Jahr 1960 auf 439000 im Jahr 1970. Miami wurde zur Hauptstadt der Exilkubaner, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung dort auf sechsundfünfzig Prozent anwuchs. Oder, wie ein Reporter desMiami Heraldschrieb: Sie waren»überall präsent – ein ständiges, unergründliches Gewusel«.

Die Touristen, die sich lediglich am Strand und in den Lobbys ihrer Luxushotels aufhielten, bekamen weder etwas mit von den unergründlichen Kubanern noch von den Untergrundklängen, die durch die Bars und Nachtclubs des Overtown-Ghettos dröhnten. Hier existierte ein ganz anderes Miami – ein buntes Gewirr von pastellfarbenen Häusern mit teilweise abenteuerlich aussehendenDachgärten, Billardsalons und illegalen Bars, versteckt unter den Fahrbahnrampen des Highway I-95 gelegen, der sich über sie hinwegwölbte. Feuerwerkskörper erhellten den Himmel, Austern schmorten auf den Grills, und allenthalben wurden klebrig süße Cocktails angeboten, die mit Rohalkohol zusammengerührt waren. An dunklen Straßenecken wurden verstohlen Glasröhrchen mit überaus potentem kubanischen Kokain verkauft, und überall lagen noch Schutt und Trümmer herum, die der Hurrikan »Donna« hinterlassen hatte. Cassius war umgeben von Trubel, Laster und Versuchungen, doch er schwor sich, all dem zu widerstehen und weiterhin mit eiserner Disziplin auf seinen Erfolg im Ring hinzuarbeiten.

Wenn er am Nachmittag mit seinem intensiven Training fertig war, zog er mit seinem jüngeren Bruder Rudolph, genannt Rudy, der nach dem Highschool-Abschluss ebenfalls nach Miamiübergesiedeltwar, durch ein von Afroamerikanern bevölkertes Viertel entlang der 2nd Avenue in Overtown, das The Stroll genannt wurde. Hier reihten sich Friseursalons, Plattenläden und Bars, die tagsüber geöffnet waren, aneinander. Cassius war Stammkunde im Famous Chef, dem Restaurant gleich neben seinem Hotel, und vertrieb sich die Zeit häufig in Sonny Armbristers Barbiersalon, wo er sich bei dem unter jungen Afroamerikanern angesagten vollmundigen ReimduellSpeaking the Dozensschnell als Verbalakrobat einen Namen machte.

In diesem Viertel erlebte er