Kapitel 1
Das Geschäftsmodell der Tech-Konzerne
Mittlerweile vergeht kaum ein Tag, an dem Konzerne wie Facebook, Twitter oder Google (genauer Alphabet Inc. mit dem Tochterunternehmen Google) nicht weltweit Schlagzeilen machen. Eine Auswahl von nationalen und internationalen Meldungen aus den Jahren 2020 und 2021 unterstreicht diese Tatsache.
Zu Beginn des Jahres 2020 sagte Google mal wieder »Sorry« für ein Daten-Leck, bei dem privat gespeicherte Videos an fremde Personen weitergeleitet worden waren.9
Auf dem Portal Fitbook wurde darüber diskutiert, ob Plattformen wie Instagram Essstörungen befeuern.10
In der Mitte des Jahres 2020 waren Hass und Hetze auf Facebook so groß, dass immer mehr Unternehmen keine Werbung mehr auf dieser Plattform platzieren wollten, wie dasHandelsblattberichtete.11
Passend dazu, zeigte Facebook imUS-Wahljahr 2020, wie wenig der Konzern auf die internationale Kritik gibt, dass das Schalten von personalisierter Online-Werbung (via Microtargeting) bei Wahlkämpfen möglicherweise schädliche Effekte für die Demokratie nach sich zieht. In diesem Zusammenhang titelte die renommierte englische TageszeitungGuardianAnfang Januar 2020: »Facebook weigert sich, unwahre politische Werbung und Microtargeting einzuschränken.«12
Wie sich in zahlreichen internationalen Meldungen aus demJahr 2020 herauskristallisierte, verfolgten die großen Plattformen Twitter, Facebook und Google im Kontext derUS-Wahl im November 2020 und dem damit einhergehenden lukrativen Wahlwerbegeschäft interessanterweise ganz unterschiedlicheStrategien: Während Facebook es den Betreiber*innen derKampagnen lediglich in der Woche unmittelbar vor der Präsidentschaftswahl nicht ermöglichte, neue Wahlwerbung zu schalten13, verzichtete Twitter komplett darauf, den Politprofis eine solche Art der Werbung zu ermöglichen.
Google und auch die hauseigene Video-Plattform YouTube nahmen eine Position zwischen Facebook und Twitter ein. Sie erlaubten zwar das Schalten politischer Werbung, allerdingskonnten sich die Kampagnenbetreiber*innen beim Schalten ihrerWerbebotschaften »nur« an groben Kategorien wie Alter, Geschlecht oder die Postleitzahl der Online-Nutzenden orientieren. Auf noch genauere Informationen, wie die politische Orientierung der Online-Nutzer*innen, konnten die Kampagnen bei Google nicht zurückgreifen. Dies ermöglichte aber Facebook.14