: Rachel Hawkins
: Die Verschwundene Roman – Der New-York-Times-Bestseller
: Heyne Verlag
: 9783641259358
: 1
: CHF 8.90
:
: Spannung
: German
: 416
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wenn sie wüsste, dass du dich in ihr Leben geschlichen hast …

In Thornfield Estates – einem Wohnviertel voller Prachtvillen, glänzender Geländewagen und gelangweilter Hausfrauen – hält sich Jane als Hundesitterin über Wasser. Hier lernt sie den geheimnisvollen Eddie Rochester kennen, dessen Frau Bea zusammen mit ihrer besten Freundin bei einem Bootsunfall verschwand. Eddie ist nicht nur reich und gut aussehend, sondern auch die Sorte Mann, nach der sich Jane immer gesehnt hat. Die beiden verlieben sich, und Jane zieht bei Eddie ein. Doch Bea scheint wie eine unsichtbare Macht zwischen ihnen zu stehen. Jane drängen sich immer mehr Fragen auf: Wer war diese geheimnisvolle Frau? Wie kam sie ums Leben? Und welches dunkle Geheimnis verbirgt sich hinter der Fassade der Traumvilla?

Rachel Hawkins wurde in Virginia geboren und ist in Alabama aufgewachsen. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Englischlehrerin. Seit 2007 ist sie freischaffende Autorin und hat mit ihrer SerieHex Halldie New York Times-Bestsellerliste erklommen.

1

FEBRUAR

Ein absoluter Scheißtag für einen Spaziergang mit dem Hund ist das.

Es schüttet schon den ganzen Morgen, die Fahrt von Center Point hier raus nach Mountain Brook war ein Albtraum, und als ich in der Einfahrt der Reeds aus dem Auto stieg, wurde meine Jeans am Saum patschnass. Jetzt schmatzen meine Sneakers auf den Marmorfliesen in der Diele.

Aber Mrs. Reed hat die Leine ihres Hundes Bear in der Hand und verzieht bei meinem Anblick das Gesicht zu einem übertriebenen Stirnrunzeln, mit dem sie Mitleid demonstrieren will. Ich soll unbedingt wissen, dass sie sich schlecht fühlt, weil sie mich an diesem Montagmorgen raus in den Regen schickt.

Das ist das Einzige, was zählt: Ich soll wissen, dass sie sich schlecht fühlt.

Dabei erwartet sie natürlich, dass ich es tue.

Seit fast einem Monat gehe ich jetzt mit den Hunden in der Wohnsiedlung Thornfield Estates spazieren, und wenn ich in dieser Zeit eines definitiv begriffen habe, dann das: Das Einzige, was zählt, ist, wie etwasaussieht, wie esnach außen hin erscheint.

Mrs. Reedsieht mitfühlendaus. Sieerweckt den Anschein, als fände sie es ganz schrecklich, dass ich an einem stürmischen Tag Mitte Februar mit ihrem Collie Bear Gassi gehen muss.

Siesieht soaus, als würde sie sich tatsächlich einen Deut um mich als Mensch scheren.

Doch das tut sie nicht, und das ist okay, ehrlich.

Schließlich schere ich mich auch keinen Deut um sie.

Also lächele ich und zupfe am Saum meines militärgrünen Regenmantels. »Ich bin drauf eingestellt«, erkläre ich ihr und nehme Bears Leine.

Ich sehe mich in der Diele um. Links von mir lehnt ein riesiger gerahmter Spiegel an der Wand, in dem Mrs. Reed, ich und Bear zu sehen sind, der bereits zur Haustür zieht. Auf einem auf alt getrimmten Holztisch steht eine Schale mit Potpourri, daneben liegen zwei diamantbesetzte Creolen, achtlos abgelegt, als Mrs. Reed gestern Abend von irgendeiner Wohltätigkeitsveranstaltung nach Hause gekommen ist.

Mir ist aufgefallen, dass Wohltätigkeitsveranstaltungen hier in der Gegend ein großes Ding sind, auch wenn ich noch nicht herausgefunden habe, wofür sie eigentlich Geld sammeln. Die Einladungen, die auf Beistelltischen liegen oder mit Magneten an Kühlschränken befestigt sind, sind ein demonstrativ zur Schau gestellter Wortsalat.Kinder, geschlagene Frauen, Obdachlose, Unterprivilegierte – verschiedene Euphemismen, die alle nur ein und dasselbe bedeuten, nämlich »arm«.

Unmöglich zu sagen, wofür Mrs. Reed sich gestern Abend engagiert hat, aber auch das schert mich keinen Deut.

Und ich lasse meinen Blick auch nicht lange auf den Ohrringen verweilen.

Bears Leine liegt ruhig in meiner Hand, als ich Mrs. Reed kurz winke und auf die breite Veranda trete, die aus einer gestrichenen Betonfläche besteht und bei Nässe ziemlich rutsc