WIE EIN KÖNIG
Wissen Sie was, Tunny?«
Die leicht blutunterlaufenen Augen des Korporals glitten zu Orso hinüber. »Euer Majestät?«
»Ich muss zugeben, dass ich gerade ziemlich zufrieden mit mir bin.«
Die Standhaften-Standarte mit dem sich aufbäumenden weißen Pferd und der glitzernden, goldenen Sonne flatterte leise in der leichten Brise; den Namen Stoffenbeck hatte man bereits als jüngsten der ruhmreichen Siege in Stickerei darauf verewigt. Wie viele Hochkönige waren schon triumphierend unter diesem Tuchfetzen dahingeritten? Und nun zählte Orso, obwohl er zahlenmäßig unterlegen, viel geschmäht und allgemein abgeschrieben gewesen war, zu ihnen. Der Mann, den die Pamphlete gern als Hurenprinz bezeichnet hatten, war wie ein herrlicher Schmetterling aus einer ekligen Larve gekrochen und stand nun da wie der neue Kasamir! Das Leben nahm schon seltsame Wendungen. Vor allem das Leben von Königen.
»Sie sollten auch verdammt noch mal zufrieden mit sich sein, Euer Majestät«, tönte Marschall Rucksted, und das kam aus berufenem Mund; mit Selbstzufriedenheit kannte er sich bestens aus. »Sie haben Ihre Feinde abseits des Schlachtfelds mit kluger Strategie und auf dem Schlachtfeld in mutigem Kampf überwältigt und den schlimmsten Verräter gefangen genommen!« Und er warf einen selbstzufriedenen Blick über seine Schulter.
Leo dan Brock, jener Held, der noch vor wenigen Tagen so groß erschienen war, dass ihm die Welt zu klein gewesen wäre, steckte jetzt in einem elenden Wagen mit vergitterten Fenstern, der hinter Orsos Tross hergezuckelt kam. Aber inzwischen war auch weit weniger an ihm dran als früher. Sein zertrümmertes Bein war, ebenso wie sein zertrümmerter Ruf, auf dem Schlachtfeld zurückgeblieben.
»Sie haben gesiegt, Euer Majestät«, piepte Bremer dan Gorst, der dann schnell den Mund wieder zuklappte und grimmig zu den Türmen und Schornsteinen Aduas hinübersah, denen sie sich unaufhaltsam näherten.
»Das habe ich, nicht wahr?« Ein ungezwungenes Lächeln glitt ganz von selbst über Orsos Züge. Er konnte sich kaum an das letzte Mal erinnern, dass er ganz spontan gelächelt hatte. »Der Junge Löwe, blutig geschlagen vom Jungen Lamm.« Sogar seine Kleidung schien besser zu sitzen als vor der Schlacht. Er rieb sich das Kinn; in den letzten Tagen hatte er vor lauter Aufregung vergessen, sich zu rasieren. »Sollte ich mir einen Bart wachsen lassen?«
Hildi schob sich das übergroße Käppi ein wenig in den Nacken und warf einen zweifelnden Blick auf seine Stoppeln. »Können Sie das denn?«
»Ganz richtig, in der Vergangenheit ist mir das oft nicht gelungen. Aber das könnte man von ziemlich vielen Dingen sagen, Hildi. Die Zukunft sieht plötzlich völlig anders aus!«
Zum ersten Mal in seinem Leben war er gespannt darauf, was ihm die Zukunft bri