: Caitlyn Young
: Generation Clash
: booksnacks
: 9783968176246
: 1
: CHF 2.70
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: Erzählende Literatur
: German

Eine nervige Zugfahrt, die alles verändert…

Eigentlich will Leni auf der Zugfahrt nach Stuttgart in Ruhe ihre Studienarbeit korrigieren. Doch als eine alte Dame beginnt, sich lautstarküber einen telefonierenden Mitfahrer zu beschweren, ist es mit der Ruhe vorbei. Wie kann die Jugend von heute nur so ignorant sein? Und plötzlich gerät das ganze Zugabteil in eine Diskussionüber den nicht zuübersehenden Generationenkonflikt. Aber Leni findet den nervigen Mitfahrer gar nicht so nervig…

Ü ber booksnacks

Kennst du das auch? Die Straßenbahn kommt mal wieder nicht, du stehst gerade an oder sitzt im Wartezimmer und langweilst dich? Wie toll wäre es, da etwas Kurzweiliges lesen zu können. booksnacks liefert dir die Lösung: Knackige Kurzgeschichten für unterwegs und zuhause!

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Schon als Kind begann Caitlyn Young eigene Geschichten und Gedichte aufzuschreiben. Im Deutsch-Leistungskurs am Gymnasium und während des anschließenden Studiums der Anglistik kam sie der Literatur noch ein Stück näher. Irgendwann wurde der Wunsch, nicht nur für die eigene Schublade zu schreiben, so groß, dass sie den Weg zu einer Literaturagentur suchte. Heute schreibt sie in verschiedenen Genres und möchte noch viel Neues ausprobieren.

Generation Clash


„Du klappst jetzt sofort deinen Laptop zu und hältst den Mund!“ 

Die ältere Dame, die fast nur aus einem aufgedunsenen Rumpf bestand und deren lila schimmernde Dauerwellen-Kurzhaarfrisur Leni sofort ins Auge gestochen war, musterte den jungen Mann im übergroßen Kapuzen-Sweatshirt mit zusammengekniffenen Augen. 

Leni rutschte nervös auf ihrem Sitz umher, die Jeans klebte an ihren Pobacken. Es war ein schwülwarmer Sommernachmittag und die Luft im Abteil des Regionalzugs war klebrig heiß. Draußen schien die Sonne von einem wolkenlosen Himmel und bis zur nächsten Haltestelle in Richtung Süden würde es noch eine Weile dauern. Sie hatten gerade erst den Bahnhof von Mannheim verlassen.

„Hören Sie schlecht?“ Die Frau, die der Sweatshirtträger schon mit „olle Oma“ betitelt hatte, erhob sich und wurde dadurch kaum größer. Sie trug ein zu enganliegendes Kleid aus einem Stoff, der besser zu einem Vorhang hätte verarbeitet werden sollen, und jene blickdichte, beigefarbene Strumpfhose, die Leni von ihrer eigenen Großmutter kannte. An einer ihrer stämmigen Waden lief eine breite Laufmasche hinunter, bis zur Ferse, die in klobigen Gesundheitsschuhen steckte.

Leni hatte schon vor einer halben Stunde überlegt, ob sie den Sitzplatz wechseln sollte, aber der Zug war ausgebucht und es hätte für große Unordnung gesorgt. Zunächst war sie froh gewesen, einen Platz an einem Tisch zu haben, denn sie musste eine Hausarbeit korrigieren und hatte ihre Ausdrucke und einen roten Stift dabei. Aber dann kam es zu den Spannungen zwischen der älteren Dame, die Leni schräg gegenübersaß, und dem legeren, zugegeben gutaussehenden Typen an dem Tisch auf der anderen Seite des Ganges. An der gegenüberliegenden Seite des Tisches, ebenfalls am Fenster, saß ein Mann, der so blass war, als habe seit Monaten kein Sonnenlicht seine Haut berührt. Er trug einen sonderbar eckig rasierten Bart und eine blau umrandete Brille und las ein Magazin, ohne jemals den Blick zu heben. Zu Lenis Rechten saß eine kaugummikauende junge Frau, vielleicht ebenfalls eine Studentin. Sie roch nach einem unangenehmen Gemisch aus Vanilleparfüm und kalter Asche und drückte zackig auf ihrem Handy herum, während kabellose Neon-Kopfhörer in ihren Ohren steckten.

Der Typ mit dem Kapuzenpullover stieg, wie Leni und die Kaugummi-Frau, in Mainz zu, die anderen hatten schon an ihren Plätzen gesessen. Es war das übliche Gepäckstücke-durch-viel-zu-enge-Gänge-Drücken gewesen, und Leni war froh, dass sie nur einen Rucksack dabeihatte, den sie unter ihren Sitz stopfte. Sie erfasste mit einem geübten Blick die Lage an dem Tisch, an dem sie bald sitzen würde, um für das Wochenende zu ihren Eltern nach Stuttgart zu fahren: Dort saßen der Bleiche, der so sehr in seine Lektüre vertieft zu sein schien, dass er ein angenehmer Weggefährte werden würde, und die ältere Dame, die zu dem Zeitpunkt noch damit beschäftig war, ihre Nase in ein dickes Heft voller Sudoku-Rätsel zu stecken. Auf ihrer kantigen Nasenspitze saß eine Brille, deren Bändel aus bunten Perlen bestand, und sie hob den Blick und lächelte, als Leni am Fenster Platz nahm. Leni mochte es nicht besonders, in vollgepackten Zügen zu reisen, aber sie hatte kein Geld für ein eigenes Auto und der fünfzigste Geburtstag ihres Vaters fiel nun einmal auf einen Samstag. Leni besuchte ihre Eltern in der Regel alle zwei Monate, vorzugsweise von Samstagmittag bis Sonntagabend. Diese Familienfeier war eine Ausnahme und kam eher ungelegen: Am Tag zuvor hatte Leni eine