: Karoline Toso
: Esmeraldas Geheimnis Das Erbe des Marquis
: Bookspot Verlag
: 9783956691386
: 1
: CHF 7.10
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 506
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Chartres, 1487 Von der Freiheit einer Tänzerin in die Starre des aristokratischen Lebens. So erging es Esmera-lda, als sie den Duc de Valois ehelichte, um der Inquisition zu entkommen. Fünf Jahre sind seitdem vergangen und der Druck, dem Haus de Valois einen Erben zu schenken, wächst. Dann wird Esmeraldas ehemaliger Schänder nach Chartres beordert und ihre Tochter erkrankt schwer. Kann die Duchesse mit seiner Hilfe das Leben der jungen Prinzessin retten, ohne ihr Geheimnis preiszugeben? Quasimodo und Sophie werden währenddessen abermals zur Zielscheibe der Kirche und sind gezwungen, die Notre-Dame zu verlassen. Auf dem Weg zu Esmeralda muss sich Sophie den Dämonen ihrer eigenen Vergangenheit stellen. Ist das Erbe des Marquis bereits verloren oder kann sich das Blatt noch wenden? Ein unerwartetes Erbe und ein Geheimnis, das alles verändert: In der spannenden Fortsetzung ihrer Historien-Saga lässt Karoline Toso die Figuren aus 'Der Glöckner von Notre-Dame' ganz neue Wege einschlagen.

Die österreichische Schriftstellerin Karoline Toso lebt als Religionspädagogin in Wien. 'Esme-raldas Geheimnis' ist die mit Spannung erwartete Fortsetzung von 'Esmeraldas Blick', dem Auftakt zu einer historischen Trilogie rund um die Figuren aus 'Der Glöckner von Notre-Dame'. Bei Karoline Toso gehen Victor Hugos Charaktere ganz neue Wege, packend und unterhaltsam erzählt. Bei BC Publications sind zudem der Roman 'Der fromme Ehebrecher' sowie 'DASDA', ein Band mit Geschichten und Gedichten der Autorin, erschienen.

 

Kapitel 2


 

M

adame Paloma! Wie gut, Euch endlich wieder einmal zu treffen! Monsieur Trouillefou bittet Euch um eine Unterredung. Sagt mir, wann Ihr wieder zu uns ins Quartier kommen könnt, er will dann für Euch da sein. Und grüßt Quasimodo bitte von mir. Geht es ihm gut?«, redete Enzo Lesable Sophie am Markt an. Auch sie freute sich, ihn zu sehen.

»Gerne komme ich heute Abend, um Monsieur Trouillfou zu treffen. Meinem Sohn geht es so weit gut, danke, allerdings belastet es uns beide, dass ihn niemand mehr am Turm besuchen darf. Auch ich kann mich nicht mehr frei bewegen, seit Pater Gregoire Stadtvogt geworden ist. Ein Küchenbruder stellt uns täglich einen Korb mit Speisen vor die Tür zum Turm, damit ich sie nicht vom Markt holen und damit durch die Kathedrale gehen muss. Obwohl ich die Mutter des Glöckners bin, sollte man nicht sehen, dass ich mit ihm im Turm wohne. Stell dir vor, sobald ein neuer Glöckner eingelernt ist, müssen wir sogar den Turm verlassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Simon woanders als da oben glücklich wird, ohne seine Glocken und die Tauben.«

Enzo nickte traurig.

»Ja. Es gibt keine Freiheiten mehr, nicht einmal Darbietungen der Gaukler dürfen auf den großen Plätzen stattfinden und Zigeuner werden schon von Bütteln abgeführt, wenn sie nur die Fiedel auspacken. Wie sollen sie ihr Geld verdienen, um zu überleben? Dabei sehnen sich die Leute doch nach Musik und Ablenkung.«

»So viel hat sich verändert. Ich freue mich, heute Abend auch dich wiederzusehen, Enzo, und in Ruhe zu reden.«

Sie blickten einander vertraut an. Keiner der beiden hatte den ›Hof der Wunder‹ genannt, auch wenn sie gerade etwas abseits des Markttrubels waren.

»Dann werdet Ihr also wieder bei uns leben, gemeinsam mit Quasimodo?«

Enzo freute sich sichtlich.

»Das ist es ja. Vorherige Woche bat ich Trouillefou darum, mit Simon wieder in unser Quartier zu ziehen, doch er zauderte, wollte sich mit Hyniadi Spicali beraten. Hoffentlich erteilt er uns keine Absage, denn ich wüsste nicht, wo ich mit meinem Sohn leben soll, du kennst ihn ja, menschenscheu wie er ist.«

»Das wäre schlimm! Aber, Madame, falls Ihr nicht in Euren ehemaligen Räumlichkeiten leben könnt, möchte ich mit Euch kommen, wohin auch immer. Ihr habt mich von der Straße aufgelesen und mir nicht nur eine Familie, sondern ein würdiges Dasein geschenkt. Ich denke täglich dankbar daran, wie schön mein Leben geworden ist, seit mich Dom Frollo damals zu Quasimodo in den Turm geschickt hat.«

»Ach ja, Dom Frollo.«

Sie senkte den Blick. Seit ihre Esmeralda aus Paris flüchten musste, bemühte sich Sophie, den Priester und damaligen Archidiakon möglichst aus ihren Gedanken zu verbannen. Neben all den Sorgen verkraftete sie die Verwirrung rund um diesen düsteren Benediktiner nicht. Er hatte ihren Sohn gerettet und ihn liebevoll erzogen. Auch bei Esmeraldas Flucht hatte er geholfen. Und bevor er als Einsiedler in die Bretagne gegangen war, hatte er ihr und ihrem Sohn das Leben mit einer großen Geldspende gesichert. Dennoch, da war noch jener Vorfall auf dem Turm. Jedes Mal, wenn Sophie daran dachte, durchrieselte sie eine Kälte, als müsste sie innerlich erfrieren. Noch schlimmer war es aber, nicht zu wissen, wie es Esmeralda nun nach der Schändung und der Flucht ergangen war. Mutter Pauline, die Äbtissin der Klarissen, hatte nur mitteilen lassen, dass sie gesund in Chartres angekommen sei und als Agnès de Blancheforet den Duc de Valois geehelicht hatte. Mehr wusste sie nicht. Das brachte Sophie zum Denken. Wie konnte der Wildfang Esmeralda, die begehrteste Tänzerin unter allen Zigeunern, als Duchesse in einem Schloss leben? Hatten ihre Unterrichtsstunden in Etikette, Sprachen und im