: Petra Jansen, Stefanie Richter
: Einfühlsame Kommunikation Wie wir uns selbst und andere wahrnehmen
: Hogrefe AG
: 9783456961309
: 1
: CHF 17.90
:
: Angewandte Psychologie
: German
: 208
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Kommunikation? Das Autorenduo nimmt Sie mit auf eine Forschungsreise zu Ihrer eigenen Brille. Petra Jansen und Stefanie Richter zeigen auf wissenschaftlicher Basis, wie Kommunikation gelingen kann: Erst wenn wir uns selbst erkennen, kann die Kommunikation mit anderen verbessert werden - weil man nun weiß, wie viele Perspektiven und Facetten es geben kann, und dass die eigene nur eine ist. Mit anderen Worten: Man kann besser mit anderen umgehen (kommunizieren), weil man besser versteht, wie der andere 'tickt' und inwiefern das zu der eigenen Art passt. Das heißt, man versteht auch besser, wo vielleicht Facetten nicht so gut zusammenpassen und kann so akzeptieren, wo die Grenzen des gegenseitigen Verständnisses sind. Die Autorinnen liefern Hintergrundinformationen, um sich selbst und andere besser kennenzulernen und einzuschätzen• erklären, wie man zu einer größeren Akzeptanz des eigenen Selbst kommen kann (z.B. Achtsamkeit)• stellen gängige Modelle der Kommunikation dar und ergänzen diese dadurch, dass sie die Bedeutung der eigenen Brille des Senders und des Adressaten betonen. Die von den Autorinnen vorgenommene Erweiterung der vorgestellten Kommunikationsmodelle zieht die Einzigartigkeit der Kommunizierenden mit ein und sprengt so den Rahmen der Kommunikationsebene: Die Klarheit um die eigene Einzigartigkeit führt zu Verbundenheit, aus der wie se Alle Menschen, die an einer Persönlichkeitsentwicklung und einer besseren Kommunikation - einem gelingenden Miteinander - interessiert sind.

|11|Einführung


Ist es Ihnen vielleicht auch schon einmal so ergangen, dass die Kommunikation mit Ihrem Gesprächspartner ganz anders verlief, als Sie es sich vorgestellt haben? Sie gingen guten Mutes in eine Sitzung hinein, weil die Vorbesprechungen so vielversprechend gewesen waren, und kamen enttäuscht heraus?

Oft kann man den gelungenen Ausgang einer Kommunikation gar nicht vorhersehen. Es gibt viele Tipps, wie man sich in bestimmten Situationen (Bewerbungsgespräche, Sitzungen usw.) verhalten soll, und es existieren Modelle, die die Zusammenhänge zwischen Sender, Adressat und Botschaft einer Kommunikation einleuchtend darstellen. Doch obwohl wir das alles wissen, geschieht es, dass wir uns manchmal trotzdem nicht verstehen. Dann gehen Sie aus der Besprechung heraus und merken, dass nur einige der Teilnehmenden den Sachverhalt so verstanden haben, wie Sie ihn gemeint haben. Wie kann das sein?

Oder haben Sie auch schon einmal die Erfahrung gemacht, dass Sie eine ganz andere Vorstellung von „Glück“ haben als Ihre Partnerin? Für Sie mag „Glück“ ein Abend unter vielen Freunden sein, für Ihre Partnerin, ein gutes Buch in Ruhe zu lesen.

Natürlich wissen wir, dass Menschen verschieden sind. Aber je länger wir darüber nachdenken, umso mehr wird deutlich, was es wirklich bedeutet, dass jeder Mensch die Welt mit seiner eigenen Brille wahrnimmt – und genau diese Brille auch dem anderen zugedenkt. Was zunächst trivial klingt, öffnet uns doch die Augen: Wir sehen die Weltwirklich so, wie wir geprägt sind, und der andere sieht siewirklich so, wie er sie erfahren hat. Es ist selbstverständlich, dass jeder seine eigene Sicht hat. Nicht selbstverständlich ist aber, dass wir ein tiefergehendes Verständnis dafür haben, welche Faktoren die eigene und natürlich auch die Brille des anderen bestimmen.

|12|Doch was macht unsere Sichtweise der Welt aus? Wir sind als Person einzigartig, unsere Persönlichkeit ist geprägt von einer individuellen Kombination aus kognitiven, emotionalen und physischen Facetten, die durch die Gene und die Umwelt bestimmt sind. Dies anzuerkennen, fällt in der Theorie nicht schwer, es jedoch wirklich zu fühlen und auch auf den anderen und auf die gemeinsame Kommunikation zu übertragen, schon eher.

Noch schwieriger wird es dann, wenn wir einen Schritt herauswagen und zu den drei Aspekten noch eine weitere Facette, die jenseits des Selbst ist, miteinbeziehen – die transzendentale Facette. Vielleicht kennen Sie Menschen, die Ihnen so vorkommen, als könnten sie tiefer sehen, als würden sie aus einer anderen Quelle schöpfen. Manchmal wirken diese Personen so, als seien sie in der realen Welt nicht ganz anwesend, doch sind sie mit dieser Welt nur anders verbunden. Spirituelle Menschen beurteilen beispielsweise Konflikte, die Sie vielleicht als tragisch empfinden, als weniger bedeutsam. Auch das erschwert die Kommunikation.

Wir möchten Ihnen in diesem Buch die unterschiedlichen Facetten, die einen Menschen formen, also die geistige, körperliche und seelische Facette, im Detail vorstellen und Ihnen zeigen, dass sie nicht unverbunden nebeneinanderstehen, sondern eng miteinander verwoben sind. Zudem möchten wir verdeutlichen, dass es eine weitere Facette gibt, die bislang wenig untersucht wurde. Wir meinen die Fähigkeit zur Transzendenz, die den einzelnen Menschen genauso prägt wie sein Geist, sein Körper und seine Seele.

Unser Anliegen ist es, Sie zu einem Perspektivenwechsel und zu dem Verständnis zu ermuntern, dass wir uns in unseren kognitiven, emotionalen, physischen und transzendentalen Aspekten unterscheiden und jeder Mensch den Weg in der Entwicklung dieser unterschiedlichen Facetten in seinem Tempo und seiner Tiefe geht. Kein Weg ist besser, kein Weg ist schlechter, es ist eben der individuelle. Dennoch ist es möglich, den anderen zu schätzen, eben dann, wenn wir begreifen, was uns und was den anderen als Person ausmacht. Das Verständnis für sich selbst und für den anderen ermöglicht es, trotz aller Individualität das Gemeinsame zu spüren. Die Verbundenheit wird deutlich, wenn wir unsere Einzigartigkeit klar erkennen.

Dieses Buch möchte Sie mitnehmen auf eine Forschungsreise zu Ihrer eigenen „Brille“, zu Ihrer eigenen Sichtweise. Dabei werden wir immer wieder auf psychologische Experimente zu sprechen kommen, um menschliches Verhalten auf anschauliche Weise zu illustrieren.

|13|Imersten Teil des Buches gehen wir auf die drei Facetten der Kognition (Geist), der Emotion (Seele, Herz) und der Physis (Körper) des Menschen ein. Im Mittelpunkt dieses Teils steht die Differenzierung der drei Aspekte: Die Kognition ist nicht nur einfach Intelligenz oder „schlau sein“, sie umfasst viele unterschiedliche Funktionen, wie die Fähigkeit zu sprechen oder Probleme zu lösen. Auch Emotionen gibt es viele: Manche sind grundlegend, andere wiederum komplex. Positive Emotionen können zum Glück führen, sie steigern die Empathie und das Mitgefühl, negative Emotionen sorgen dafür, dass wir beispielsweise aus Situationen fliehen. Viele unserer Gedanken und unserer Gefühle bilden sich im Körper ab. Eine gekrümmte Haltung kann ein Ausdruck von zu viel Schreibtischarbeit oder einer sehr traurigen Stimmung sein. Über Jahre kann sich ein ganz unterschiedliches Körperbild entwickeln. So beschäftigt sich die Embodiment-Forschung z. B. damit, wie Gedanken und Gefühle verkörpert werden.

Imzweiten Teil des Buches geht es um eine Ebene, die sich jenseits des eigenen Selbst entwickelt. ImKapitel „Jenseits des Selbst“ behandeln wir hauptsächlich die theoretischen Aspekte der Transzendenz und der Achtsamkeit als eine Möglichkeit, die Ebene jenseits des eigenen Selbst zu erreichen. ImKapitel 4.1 zur Intuition beantworten wir die Frage, wie Sie diese Ebene erkennen. Warum glauben manche Menschen, ein Ereignis vorhersehen zu können? Das darauffolgendeKapitel 4.2 fokussiert auf die Aspekte des Glaubens und der Spiritualität, bevor wir uns der Achtsamkeit zuwenden. Was bedeutet Achtsamkeit und wieso kann sie uns helfen, mehr über uns selbst zu erfahren? Auch wenn Achtsamkeit unabhängig vom Außen erfahren wird, gibt es Orte in der Natur, die das Gefühl der Transzendenz vermitteln. Wie können wir mit diesem scheinbaren Widerspruch umgehen? ImKapitel 5 zeigen wir Wege auf, Achtsamkeit zu praktizieren.

Ausgehend von den Aspekten der Kognition, Emotion, Physis und Transzendenz stellen wir uns imdritten Teil die Frage, wie Kommunikation gelingen kann: Wir stellen gängige Kommunikationsmodelle dar, wie zum Beispiel das Modell von Schulz von Thun, in dem vier Ebenen einer Kommunikation differenziert werden. Die Modelle werden dadurch ergänzt, dass wir die Bedeutung der eigenen Brille des Sprechers und der des Adressaten betonen. Dies führt zu einer Erweiterung aller Kommunikationsmodelle – miteinander zu kommunizieren, ist umfassender, als man denkt. Es bedeutet nicht nur die Ebene der Kommunikation zu ver|14|stehen, sondern die Einzigartigkeit der Kommunizierenden miteinzubeziehen. Die eigene Einzigartigkeit klar zu erkennen, führt zu einer Verbundenheit, aus der wie selbstverständlich eine wertschätzende und liebevolle Kommunikation entsteht.

Dieses Buch gibt Hilfestellungen, um das eigene Selbst zu erforschen. Ebenso zeigt es Möglichkeiten, über das Selbst hinauszuwachsen. Diese transzendentalen Wege können über die Meditation führen, über die Musik oder das Lösen komplexer mathematischer Probleme. Der Weg ist für jeden anders und abhängig davon, welche Facette (der Kognition, Emotion, Physis oder Transzendenz) jeweils besonders ausgeprägt ist. Stellen Sie sich einen hochbegabten Studenten bzw. eine Studentin vor. Vielleicht werden diese Menschen einen Moment der Glückseligkeit und der völligen Präsenz beim Lösen eines hochkomplexen mathematischen Problems empfinden, aber viel weniger, wenn sie bei einer Zen-Meditation ruhig sitzen müssen.

Die Schwierigkeit, das eigene Selbst zu erforschen, besteht darin, die individuelle Kombination der vier Facetten – Kognition, Emotion, Physis und Transzendenz – zu erkennen. Dabei müssen wir auch akzeptieren, dass manche Aspekte im Leben stabil sind und andere sich wiederum verändern. So müssen wir zum Beispiel hinnehmen, dass sich unser Körper im Laufe des Lebens verändert und wir mit fünfzig nicht mehr so leistungsfähig sind wie mit zwanzig....

Inhaltsverzeichnis7
Einführung13
1 Unser Verstand21
1.1 Die eigene Brille für die Welt: Wahrnehmung21
Wahrnehmung und ihre verschiedenen Kanäle21
Wie täuschbar ist die Wahrnehmung?25
Wahrnehmung – die Brille ist gefärbt26
Nehmen wir wirklich alles wahr?28
1.2 Ist sie wirklich so wichtig? Intelligenz29
Was ist Intelligenz?29
Ist Intelligenz wirklich messbar?30
Und da wird wirklich Intelligenz gemessen?32
Hochbegabung33
Einmal intelligent, immer intelligent?35
1.3 Intelligenz ist nicht alles: Kognition und Moral37
Die vielfältige Kognition37
Exekutive Funktionen – eine Wunderkognition?41
Wie du mir, so ich dir42
1.4 Die andere Art zu denken: Kreativität44
Was ist Kreativität?45
Kreativität und divergentes Denken45
Die kreative Persönlichkeit47
Kreativität fördern48
Kreativität im Alltag50
1.5 Zusammenfassung: Unser Verstand51
2 Unser Herz55
2.1 Das, was uns oft beschäftigt: Emotionen55
Emotionen, Gefühle und Stimmungen – Alles eins?55
Das Wechselspiel zwischen Emotion und Kognition57
Emotionen – Wichtige Einflussfaktoren für unsere Entscheidungen und Urteile59
Deine, meine, unsere Emotion?61
2.2 Das, was alle wollen: Glück63
Die wissenschaftliche Definition von Glück64
Ist Glück messbar?65
Gibt es „glückliche“ Körperprozesse?66
Kognitive und emotionale Glücksfaktoren67
Viele Wege führen zum Glück68
2.3 Verbunden mit den anderen: Empathie, Mitgefühl, prosoziales Verhalten und Altruismus69
Ich sehe und verstehe, was du fühlst69
Ich fühle mit dir mit70
Ich handle für dich71
Ich stelle mein Wohl für das Wohl aller zurück72
Wie kann ich für dich und für das Gemeinwohl handeln?74
2.4 Mit Herausforderungen umgehen: Stress76
Was ist Stress?76
Wie werde ich den Stress los?78
Alles hängt von den Ressourcen ab80
Und wenn ich den Stress trotzdem nicht loswerde?81
2.5 Jeder ist anders: Persönlichkeit und Hochsensibilität82
Die Definition von Persönlichkeit82
Das Unbewusste, die Situation und das Wachstum84
Sei doch nicht immer so empfindlich!86
2.6 Zusammenfassung: Unser Herz88
3 Unser Körper93
3.1 Wie wir unseren Körper sehen und wie er sich erinnert: Körperbild und Körpergedächtnis93
Das schwierig zu erfassende Bild unseres Körpers93
Das verzerrte Körperbild95
Die Einflussfaktoren auf das Körperbild97
Hat unser Körper ein Gedächtnis?99
3.2 Was wir mit unserem Körper machen: Motorik100
Motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten101
Motorische Entwicklung und motorisches Lernen102
Die Leistung beeinflussen103
3.3 Alles spiegelt sich im Körper: Embodiment108
Bewegtes Denken108
Das Denken im Körper110
Bewegte Gefühle111
Im Körper verankerte Gefühle113
3.4 Zusammenfassung: Unser Körper114
4 Jenseits des Selbst119
4.1 Wissen ohne Verstand: Intuition119
Intuition und Entscheidungen119
Ist Intuition doch nicht alles?122
Unbewusste Heuristiken oder das „Eine Bewusstsein“?125
4.2 Vertrauen in das Größere: Glauben und Spiritualität126
Glauben – Eingebettet in etwas Höheres127
Glauben – Heilkraft für das eigene Leben?127
Glauben – Was ihn beeinflusst128
Spiritualität – Vom Geist beseelt130
Spirituell – Von Anfang an?131
4.3 Zusammenfassung: Jenseits des Selbst133
5 Achtsamkeit: Wege zur Transzendenz135
5.1 Den Geist beruhigen: Meditation135
Der aufmerksame Geist – Aufmerksamkeitsnahe Meditation136
Das liebende Herz – Mitgefühlsnahe Meditation137
Die eigene Person schätzen lernen – Erfahrungsnahe Meditation139
5.2 Stress achtsam reduzieren: MBSR oder die Wahl des richtigen Ortes?142
MBSR in der Praxis142
Ist Stressreduktion durch MBSR wissenschaftlich erwiesen?145
Stressreduktion durch die Wahl des richtigen Ortes146
Zuflucht in einem inneren Ort148
5.3 Zusammenfassung: Wege zur Transzendenz149
6 Kommunikation153
6.1 Kommunikation ist gar nicht so einfach153
Die Perspektive – Wie kann ich dich verstehen?153
Die Verschlüsselung – Oder was meinst du?154
Die Kooperation – Keine Kommunikation ohne Kooperation?155
Der Dialog – Haben wir eine gemeinsame Sichtweise und Wirklichkeit?156
Die Komplexität – Kommunikation ist mehr als die Übermittlung der Nachricht157
Gewaltfrei kommunizieren – Damit Kommunikation nicht verletzt, sondern verbindet158
Achtsam kommunizieren – Freundlich aus dem jetzigen Moment heraus sprechen160
Mit dem Körper reden161
6.2 Unbewusste Muster und die Angst vor dem Versagen: Unbewusste Kommunikation162
Unbewusste Muster leiten uns162
Unser Verhalten wird gebahnt163
Beweg dich doch – Wenn es nur so einfach wäre …165
Das Verborgene – Die Macht der Kindheitsmuster166
Bloß keine Fehler machen!167
Kommunikation – Ein Unterfangen höchster Komplexität169
6.3 Zusammenfassung: Kommunikation170
7 Miteinander173
7.1 Verbundenheit durch Liebe173
7.2 Der Weg der Liebe174
Die persönliche Form der Liebe174
Selbstmitgefühl als eine Facette der persönlichen Form der Liebe175
Die universale Form der Liebe176
7.3 Liebevolle Verbundenheit in der Praxis178
Die eigene liebevolle Verbundenheit178
Liebevolle Verbundenheit mit anderen183
Die liebevolle Verbundenheit mit der Welt186
7.4 Zusammenfassung: Miteinander186
8 Fazit: Brillentausch – Wie uns das Miteinander gelingen kann189
Referenzen193