: Rhys Bowen
: Entführung auf der Lower East Side Band 6
: dp Verlag
: 9783960879138
: Molly Murphy ermittelt-Reihe
: 1
: CHF 5.30
:
: Erzählende Literatur
: German

Molly Murphy wird Mutter und hat eigentlich geschworen, nie wieder zu ermitteln …
Der spannende neue Fall der Cosy-Crime-Reihe von Rhys Bowen

Molly Sullivan ist ein Jahr verheiratet, erwartet ihr erstes Kind und ist auf das Leben einer Hausfrau beschränkt. Sie ist ruhelos und reizbar in der erzwungenen Untätigkeit der Schwangerschaft und der Hitze eines New Yorker Sommers im Jahr 1905. Ihr Mann, NYPD-Captain Daniel Sullivan arbeitet währenddessen an einer Reihe von Kindesentführungen. Auch wenn Molly ihrem Ehemann versprochen hat, mit der Ermittlungsarbeit aufzuhören, gehen ihr die vermissten Kinder in ihrem Zustand besonders nah. Was sie aufdeckt, führt sie auf eine erschreckende Reise durch alle Schichten der Gesellschaft und bringt ihr Leben– und das ihres Babys– in tödliche Gefahr…

eitere Titel dieser Reihe
Mord auf Ellis Island (ISBN: 9783960878018)
Heiße Spur im Central Park (ISBN: 9783960876250)
Mord in feiner Gesellschaft (ISBN: 9783960878025)
Verbrec en am Columbus Circle (ISBN: 9783960879060)
Mord am East River (ISBN: 9783960878032)
Mord am Broadway (ISBN: 9783960879084)
Mord an der Upper East Side (ISBN: 9783960878049)
Mord in der Pell Street (ISBN: 9783960879091)
Mord auf Coney Island (ISBN: 9783960878056)
Mord auf Rhode Island (ISBN: 9783960879121)
Mord auf dem Atlantik (ISBN: 9783960873501)

E ste Leserstimmen
„Die zweite Staffel der unterhaltsamen Cosy-Crime-Reihe von Rhys Bowen klingt mit viel Spannung und einigen Rätseln aus.“
„Beim Lesen lief mir immer wieder ein Schauerüber den Rücken, so mitreißend ist Molly Murphys neuer Fall!“
„Ich habe mit Molly mitgefiebert und sie gern bei ihren Ermittlungen begleitet.“
„Eine liebenswürdige Ermittlerin, ein spannender Kriminalfall und viel Charme– das braucht ein guter Krimi.“



Rhys Bowen wurde in Bath, England, geboren, studierte an der London University, heiratete in eine Familie mit historischen königlichen Verbindungen und verbringt nun ihre Zeit im Norden von Californien und Arizona. Zunächst schrieb sie Kinderbücher, doch auf einer Reise in ihre malerische walisische Heimat fand sie die Inspiration für ihre Constable-Evans-Krimis. Diese Kriminalgeschichten sind mittlerweile Kult und wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.

Zwei


„Ruhig Blut.“ Daniel packte mich, als hätte er gespürt, dass ich drauf und dran war, wie ein aufgescheuchtes Pferd davonzustieben. „Ich hätte nicht gedacht, dass ein wildes, irisches Mädchen wie du Angst vor einem leichten Sturm hat.“

„Hast du es nicht gesehen?!“, fragte ich.

„Ich kann verdammt noch mal gar nichts sehen“, sagte Daniel. „Es ist stockfinster.“

„Das Gesicht im Fenster. Ich habe im Fenster des Türmchens ein Gesicht gesehen, Daniel.“

„Dann ist das Haus immerhin bewohnt“, sagte Daniel. „Hoffen wir, dass die Person uns ebenfalls gesehen hat und jemanden herunterschickt, um das Tor aufzuriegeln.“

„Es war ein Kind und es hat gelacht. Genau genommen ein ziemlich beängstigendes Gesicht.“

Wir warteten, doch es wurden keine Lichter entzündet. Der Sturm wütete weiter, der Wind heulte in den Bäumen und ließ sie wie verrückt tanzen. Ich starrte weiter zu dem Türmchen hinauf und wartete darauf, wieder das Gesicht zu sehen.

„Ich werde verdammt noch mal die Mauer erklimmen, wenn ich muss.“ Daniel beäugte die acht Fuß hohe Steinmauer abwägend.

„Und was würde das bringen? Wenn das Tor verschlossen ist, wärst du nicht in der Lage, mich hereinzulassen, und ich komme eine solche Mauer nicht hoch.“

„Ich dachte, weibliche Detektive könnten alles, was ein Mann auch kann. Hast du das nicht mal gesagt?“

Ich war nicht in der Stimmung, mich triezen zu lassen. „Ich gehe zurück in die Stadt“, sagte ich. „Wenn wir noch länger in dieser Kälte stehen, holen wir uns den Tod.“

„Hilf mir hoch“, sagte Daniel und ignorierte mich. „Ich glaube, ich kann hier hochklettern.“

„Und wenn du das Tor nicht öffnen und nicht wieder zurückklettern kannst? Schlägst du vor, die Nacht auf der einen Seite zu verbringen, während ich auf der anderen bin?“

„Mach dir keine Sorgen. Ich wecke jemanden im Haupthaus.“

Er begann, an der groben Steinmauer hochzuklettern.

„Komm schon, gib mir einen Stoß.“

„Führ mich nicht in Versuchung“, blaffte ich. Er lachte. Ich gab nach und schob.

Es schien seltsam, mit meinen Händen einen Gentleman zu berühren, auch wenn wir allein in der Dunkelheit waren. Er hievte sich mit einem Ächzen höher, dann schwang er ein Bein über die Mauer. Einen Moment später verschwand er und ich hörte einen Schrei.

„Was ist passiert? Bist du in Ordnung?“

„Stechpalme“, erklang es schwach. Dann erschien er auf der anderen Seite des Tores.

„Ah, ich verstehe!“, rief er. Er beugte sich vor, um einen Bolzen aus der Erde zu ziehen und wunderbarerweise schwang das Tor mit einem lauten Stöhnen auf.

„Hoffen wir, dass sie keine Wachhunde haben, die auf dem Gelände patrouillieren“, sagte ich, als Daniel unsere Taschen holte und mir hindurchhalf.

„Die wären mittlerweile aufgetaucht. Davon abgesehen werden wir erwartet. Gäbe es Wachhunde, hätte man sie weggesperrt.“

„Nicht gerade das, was ich ‚den roten Teppich ausrollen‘ nennen würde“, sagte ich. „Wer genau war es, der sagte, dass wir hier wohnen können? Einer der Bediensteten?“

„Stadtrat Hannan selbst“, sagte Daniel. „Es ist sein Haus.“

„Stadtrat? Mir war nicht bewusst, dass du mit Stadträten verkehrst.“

„Ah. Es gibt immer noch eine Menge Dinge, die du nicht über mich weißt“, antwortete er mit einem Hauch der typischen Daniel-Sullivan-Prahlerei, die ich abwechselnd anziehend und lästig fand.

Wir gingen vorsichtig die Kiesauffahrt hinauf, auf den dunklen Umriss dieses Schlosses zu. Kein einziges Licht war zu sehen, und ich zögerte, die Stufen hinauf auf die imposante Haustür zuzugehen.

„Du sagtest, wir wären im Gäste-Cottage untergebracht.“ Ich packte Daniels Arm und hielt ihn zurück. „Sollten wir nicht versuchen, es zu finden?“

„Inmitten mehrerer Morgen Waldlandschaft?“, antwortete Daniel und ich konnte hören, dass die Anspannung in seiner Stimme anstieg. „Wir stolpern dabei wahrscheinlich noch die Klippen hinunter.“

„Was schlägst du also vor?“

„Dies“, sagte Daniel. Er ging die Stufen hinauf, hob den Türklopfer und hämmerte beharrlich. Wir hörten das Geräusch drinnen nachhallen, aber es kam keine Antwort.

„Was jetzt?“, fragte ich. Mir kam ein Gedanke. „Bist du dir sicher, dass dies das richtige Haus ist? Es wäre nicht schwer, in dieser Dunkelheit eine falsche Abzweigung zu nehmen.“

„Ja, ich bin mir sicher“, sagte Daniel, klang aber nicht wirklich überzeugt. Er trat von der Tür zurück und spähte an der Fassade hinauf. „Ja, ich bin mir sicher, dass dies das Haus ist. Ich habe Bilder gesehen. Ich klopfe noch mal.“

„Jemand muss bei diesem Kind im Türmchen sein“, sagte ich. „