Donnerstag, 1. März
1
„Wie wenn Glas zerbricht. So ein sirrender Ton. Scharf, schneidend. Der Schrei ging mir durch und durch. Ich rannte aus dem Zimmer in die Richtung, wo er herkam. Da lief mir schon Rihana entgegen, den Schrecken im Gesicht, Yasemin hatte den Arm um sie gelegt und brachte sie in den Aufenthaltsraum. Ich ging dann nachschauen und fand den Toten.“
Mit einem langen Ausatmen beendete die Pflegedienstleiterin Tine Jähnert ihren letzten Satz und suchte den Blick der Ermittlerin. Judith Rabe, die vor ihr stand und ihr aufmerksam zugehört hatte, nickte.
„Frau Jähnert, seit wann war Mehmet Kurmaz denn als Patient auf Ihrer Station?“
„Das Übliche, er kam gestern auf Station und heute Vormittag ist er operiert worden. Er war nach der OP noch in einem geschwächten Zustand, hat Schmerzmittel bekommen.“
Ein kurzer Aufenthalt, dachte Judith. Vorhin, vor dem Bett des Toten stehend, hatte sie auf einen kräftigen Mann mit markanten schwarzen Brauen und raspelkurzem Haar geblickt, dessen Hemd und Bettdecke blutdurchtränkt waren; voller Blutspritzer war auch der schneeweiße Verband, der seine rechte Hand und einen Teil des Unterarms umschloss.
„Was für eine OP war das?“
„Die rechte Hand. Zeigefinger und Mittelfinger waren zusammengewachsen. Doktor Mossab hat mit seinem Team die Finger getrennt, Haut transplantiert und so weiter, dafür ist er Spezialist.“
Judith hörte, wie sich die Tür hinter ihr öffnete. Ihr Kollege Simon Bacher betrat das Büro der Pflegedienstleiterin und blieb neben Judith stehen.
„Die KT ist jetzt da, das Messer haben sie draußen gesichert, ist wohl die Tatwaffe. Brauchst du mich hier noch? Sonst bring ich das“ – er hielt eine Tüte hoch, in der Judith ein Smartphone, einen Schlüsselbund mit ein paar Schlüsseln und eine Brieftasche erkennen konnte – „schon mal in die Keithstraße.“
Sie nickte ihm zu. „Ja, mach das, ich komm hier klar.“
Während er den Raum schnellen Schritts verließ, ging Judith durch den Kopf, ob er tatsächlich auf direktem Wege ins LK 1 fahren oder ob er die Gelegenheit nutzen und sich wenigstens auf einen Kuss mit seiner Freundin Kira treffenwürde, die hier im Klinikum am Urban arbeitete.
„Gut, Frau Jähnert“, nahm Judith den Faden wieder auf. „Ich würde jetzt gern mit den beiden Krankenschwestern sprechen, die den Toten gefunden haben.“
Die Pflegedienstleiterin erhob sich. „Ich schicke Ihnen gleich Rihana Salman, sie hat den Toten gefunden, und Yasemin Kanveren, die war dann als Erste bei Rihana.“
Judith notierte sich, dass sie nach Kameraüberwachung auf der Station fragen wollte.
Eine junge Frau mit schwarzem, lockigem Haar, das sie zu einem dichten Pferdeschwanz zusammengefasst tru