: James Lee Burke
: Dunkle Tage im Iberia Parish Ein Dave Robicheaux-Krimi, Band 15
: Pendragon Verlag
: 9783865327659
: Ein Dave Robicheaux-Krimi
: 1
: CHF 8.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 480
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Atmosphärisches Meisterwerk über die Abgründe der Menschheit! Als eine Frau namens Trish Klein in aufgewühltem Zustand in New Iberia auftaucht, stellt Dave Robicheaux fest, dass es sich dabei um die ­Tochter von Dallas Klein handelt - seinem Freund aus dem Vietnamkrieg, für dessen Tod er sich bis heute ­schuldig fühlt. Kaum angekommen, schließt Trish ­zweifelhafte Deals in Casinos ab. Der Verdacht kommt auf, dass sie in Wahrheit einen viel größeren Coup plant. Kann es sein, dass Trish den Mord an ihrem Vater rächen will? Und was hat sie mit dem angeblichen Selbstmord einer jungen Studentin zu tun? Um den Fall ­aufzuklären, muss Robicheaux sich endlich seinen Schuldgefühlen stellen.

James Lee Burke wurde 1936 in Houston, Texas geboren und wuchs in Louisiana auf. In der Küstenregion des »Bayou State« spielen auch die Krimis um Dave Robicheaux. Aus der Dave-Robicheaux-Reihe wurden zwei Krimis verfilmt: »Mississippi Delta«(»Blut in den Bayous«) mit Alec Baldwin in der Hauptrolle und »Mord in Louisiana« (»Im Schatten der Mangroven«) mit Tommy Lee Jones. Burke wurde zweimal mit dem Edgar Allan Poe Award und mehrfach mit dem Hammett Prize ausgezeichnet.

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In den frühen Achtzigerjahren, als Jim Beam pur und ein Bier zum Nachspülen noch mein Lebenselixier und meine Zuflucht waren, nahm ich an einem Austauschprogramm zwischen dem NOPD und einer Trainingsakademie für Polizeischüler im Dade County, Florida, teil. Ich arbeitete in der Mordkommission des Miami Police Department mit und unterrichtete nebenbei Strafrecht an einem College an der 27th Avenue N.W., unweit einer kleinen Stadt namens Opa Locka.

Mit seinen Gebäuden im orientalischen Stil wirkte Opa Locka wie eine Anhäufung von arabischen Moscheen. Am frühen Vormittag hing der Nebel vom Meer oder den Everglades, vermischt mit Staub und Kohlenmonoxid, wie schmutzige Wattebausche über den heruntergekommenen Minaretten und den rissigen Mauern der Gebäude. Abends waren die Straßen von Dampflampen beleuchtet, die im Nebel wie die Sicherheitslichter eines Gefängniskomplexes schimmerten. Das trockene Klatschen der Palmwedel erfüllte die verschmutzte Luft. In den Vorgärten sah man mehr Sand als Gras. Obwohl sich in den Häusern nicht viel Wertvolles befinden konnte, waren sie mit Gittern an den Fenstern und Stacheldraht auf den Zäunen gesichert. Junge Typen, die irgendeiner Gang angehörten, bretterten in ihren Spritfressern mit kaputten Auspufftöpfen über den Asphalt und zertrümmerten Schnapsflaschen auf dem Bürgersteig, ohne dass irgendjemand einschritt.

Für mich war es ein Ort, wo ich keine Vergleiche anstellen und keine Entscheidungen treffen musste, wo die Sonne jeden Morgen mit den Farbtönen eines Tequila Sunrise aufging. Wenn ich wieder mal bis zum frühen Morgen in Opa Locka abhing, gab es nicht viel zu überlegen: Meistens trank ich einfach weiter, bis ich im Delirium tremens versank. Vier bis fünf Nächte die Woche besoff ich mich systematisch in einer Bar, deren Gäste nichts voneinander wussten, deren Bekanntschaft in der Kneipe begann und endete. Die meisten tranken mit selbstzerstörerischer Resignation und hatten es längst aufgegeben, über ihr Leben nachzudenken, was ihnen vermutlich einen gewissen inneren Frieden ermöglichte. Ich glaube nicht, dass irgendjemand dort wusste, dass ich Polizeibeamter war – und falls doch, so war es ihnen völlig egal. Wenn ich heute zurückblicke, bin ich mir sicher, dass sie mich als einen der ihren anerkannt haben – einen Mann, der aus freiem Willen in Dantes neunten Höllenkreis hinabgestiegen ist, die Hand am Bierkrug, mit einem Whiskeyglas als U-Boot.

Einen Gast gab es jedoch, den ich als Freund bezeichnen würde: Dallas Klein, ein Kerl, der Ende 1971 einen Transporthubschrauber mitten durch feindliche Granaten und Gewehrfeuer flog, um die Jungs eines kleinen Aufklärungsteams zu bergen, die an der kambodschanischen Grenze festsaßen. Er kam dekoriert mit zwei Purple Hearts und einem Silver Star nach Hause, und mit einem nervösen Zucken im Gesicht, als würde vor seinem linken Auge eine Biene herumschwirren.

Er teilte meine Vorliebe für Pferderennen im Gulfstream Park, die Jai-Alai-Wettkampfhalle im Broward County, das Craps-Würfelspiel in einem Privatclub in Hollywood, Florida, eine Pokerrunde in Little Havana, die Hunde in Flagler Beach, die Trabrennen in Pompano Park, das Florida Derby in Hialeah, Kurztrips nach Jamaika und besonders den Moment, wenn in den schimmernden Spielautomaten die Münzen klimperten.

Dallas Klein war ein guter Junge, kein Säufer und kein bisschen verbittert, obwohl ihn seine Spielsucht bereits seine Braut und ein kleines Hau