: Melanie Lindorfer
: Was mein Herz dir sagen möchte
: dp Verlag
: 9783960879930
: 1
: CHF 5.40
:
: Erzählende Literatur
: German

Eine Geschichte über Liebe, Freundschaft und eine leise Stimme in uns, die sich Gehör verschaffen will
Ein bewegenderLiebesromanfür Fans von Cecelia Ahern

Die 27-jährige Versicherungsangestellte Annabell Weber wurde von ihrem Freund aussortiert und gegen eine Neue ausgetauscht. Genau wie eines der Flohmarktstücke, die sie seit ihrer Jugend sammelt. Dann geht auch noch ihre beste Freundin nach Amerika. Annabell fühlt sich vom Leben verstoßen. Kann Luisas Abschiedsgeschenk - eine herzförmige Blechdose gefüllt mit Aufgaben - etwas daran ändern? Oder Vincent, der ihr nicht mehr aus dem Kopf geht, seit sie ihn aus den falschen Gründen geküsst hat?

Erste Leserstimmen
'diese Roman ist so wunderschön, voller Tiefe, voller Leben, Liebe aber auch ein bisschentraurig ...'
'Wer ehrliche, tiefgreifende, herzberührende Geschichten liebt: Lest diesen Roman!'
'liebevoll und ausgereift präsentiert die Autorin ihre Protagonisten so lebendig'
'gelungen intensiv und sagenhaft emotional'
'der Roman ist einfach etwas fürs Herz'



Melanie Lindorfer, geboren 1986, lebt mit ihrer Familie in Oberösterreich. Sie ist fasziniert von den Relikten der Vergangenheit, von Dingen, die verborgen, vergessen oder aus der heutigen Zeit verschwunden sind. Inspiration für ihre Geschichten holt sie sich auch bei ihren Streifzügen durch den Böhmerwald und die geheimnisvolle Landschaft des Mühlviertels. Fantasie und Kreativität bereichern und bestimmen ihren Alltag und ihren beruflichen Werdegang. Dieser führte von der Gestaltung von Magazinen über die Organisation von Pressereisen, das Schreiben für Unternehmensblogs bis zur Leitung einer Marketingabteilung. Nur das berufsbegleitende Studium der Wirtschaftswissenschaften erforderte weniger Kreativität als Sitzfleisch. 2017 wurde die Autorin schließlich zur Mama befördert und hat, während der Nachwuchs schlief, ihren ersten Roman verfasst. Seither schreibt sie in verschiedenen Genres.

2


Als am Montag um Punkt sechs der Wecker läutete, vergrub sie ihr Gesicht noch einmal im Kopfkissen. Ihre Katze hatte jedoch kein Erbarmen mit ihr. Annabell ignorierte ihr klagendes Miauen. Peppers probierte es mit Schnurren. Als auch das nicht den gewünschten Erfolg brachte, sprang sie aufs Bett und machte damit unmissverständlich klar, dass Madame jetzt ihr Frühstück wollte. Jeder Widerstand war zwecklos. Annabell kämpfte sich aus dem Bett. Sie stolperte in die Küche und beinahe über Peppers, die es eilig hatte, ihr zuvorzukommen. Ungeduldig streifte sie um Annabells Füße, als die sich bückte, um den Futternapf zu füllen.

Die Bilder vom Wochenende drängten sich immer wieder in Annabells Kopf. Jan mit seiner Neuen, ihr Absturz, der Kuss mit diesem Fremden und dann? Filmriss. So angestrengt sie auch darüber nachdachte, ihr blieb verborgen, was danach geschehen war.

Die Arbeit würde sie ablenken. Im Grunde wünschte sie den Tag im Büro aber genauso sehnlich herbei, wie die nächste schlaflose Nacht. Im Moment reichten Kleinigkeiten, um sie aus dem Konzept zu bringen. Solche Schwächen nahm ihre Kollegin gerne zum Anlass, um ihre eigene Makellosigkeit zu unterstreichen. Sie genoss es regelrecht, anderen einen Fehler unter die Nase zu reiben. Seufzend beförderte Annabell einen weiteren Löffel Zucker in ihren Kaffee, als könnte sie sich dadurch den Tag versüßen. Draußen im Treppenhaus plärrte der fünfjährige Nachbarsjunge. „Papaaa, Papaaa, tschüühüüs … tschüss Papa, hab dich lieeeb!“ Er kümmerte sich nicht darum, ob er das gesamte Haus aus den Federn riss. Die Tür der gegenüberliegenden Wohnung knallte zu und Annabell musste schmunzeln.

Die rührende Szene motivierte sie dazu, dem Tag noch eine zweite Chance zu geben. Doch es folgte unmittelbar die nächste Ernüchterung. Man hatte den Sattel ihres Fahrrads geklaut.

 

Abgehetzt aber pünktlich erschien sie an ihrem Arbeitsplatz bei einem großen Versicherungsunternehmen, das sich auf der anderen Seite der Donau befand. Es blieb keine Zeit, um sich von dem anstrengenden Dauerlauf zu erholen, welcher der miserablen Busverbindung geschuldet war. Sie reichte gerade so für eine Katzenwäsche. Ein Blick in den Spiegel auf der Damentoilette bot ein armseliges Bild. Die Haare klebten Annabell an der Stirn und auf ihrer hellblauen Bluse zeichneten sich Schweißränder unter den Achseln ab. Sie sprühte sich mit der Parfümprobe aus ihrer Handtasche ein. Ihr Unbehagen ließ sich dadurch nicht vertreiben. Dieser Montag zog sich in die Länge: Telefonate mit gereizten Kunden, eine Teambesprechung, die zu keinem Ergebnis führte und ihre Kollegin, die zu jedem ihrer Vorschläge mindestens einen Kritikpunkt äußerte. Wenn sie ehrlich war, konnte sie Beatrice keinen Vorwurf machen. Ihre Leistung war in der letzten Zeit abgefallen. Annabell ärgerte sich selbst am meisten darüber, dass ihr am laufenden Band Flüchtigkeitsfehler passierten. Sie zweifelte bereits an ihren Fähigkeiten. Zerknirscht verließ sie das Büro und machte sich auf den Weg in Richtung Innenstadt. Annabell kramte das Handy aus ihrer Tasche. Sie war mit Luisa zum Abendessen verabredet und wollte ihr kurz Bescheid geben, dass sie unterwegs war. Das Display zeigte die Nachricht eines unbekannten Absenders an.

 

Hi Annabell. Hast du am Freitag schon was vor? Vincent.

 

Das peinliche Erlebnis vom Wochenende drängte sich mit einem Schlag zurück in ihre Gedanken. Doch zur Scham mischte sich ein anderes Gefühl, das sie verwirrte. Sie fühlte sich geschmeichelt. Annabell zögerte kurz. Dann drückte sie die Nachricht weg. Freitag war sowieso ungünstig.

 

Luisa wohnte in einer schmalen Gasse nahe dem Taubenmarkt. Vom Gedränge der Linzer Landstraße war hier nichts mehr zu spüren, obwohl nur ein Häuserblock dazwischen lag. Die Gebäude der gegenüberliegenden Straßenseiten standen dicht aneinander, sodass in die WG kaum Tageslicht drang. Um Geld zu sparen, teilte Luisa sich Bad und Wohnküche mit einer redseligen Krankenschwester und einem Physikstudenten, den Annabell bei ihren Besuchen selten zu Gesicht bekam. Sie stellte sich vor, wie er hinter verschlossenen Türen über seinen Büchern brütete, blass und hager, vertieft in seine Formeln und Theorien über die Phänomene der Natur. Wenn sie ihm am Gang begegnete, wechselten si