Rylee blieb noch lange, nachdem Maj abgeräumt hatte, am Tisch sitzen und dachte nach. Sie sorgte sich nicht, das Haus einige Zeit in Majs Obhut lassen. Es war nicht das erste Mal. Doch wie lange würde sie brauchen, um das Buch zu lesen? Während des Gesprächs war ihr klargeworden, dass sie Vlad bei dieser Reise an ihrer Seite haben wollte. Hoffentlich wäre er bereit, sie zu begleiten. Sie seufzte tief auf. Sie würde ihm die Wahrheit über den Grund ihrer Reise mitteilen müssen. Sie wollte ihn nicht mehr belügen.
Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr, dass es bereits nach zwanzig Uhr war. Vlads Flieger musste schon gelandet sein.
Eine Viertelstunde später spürte sie, wie das Haus freudig bebte. Vlad war da. Sie stand auf und ging in die Halle. Die Haustür öffnete sich und mit einem großen Schritt war er bei ihr und zog sie in seine Arme. Er küsste sie leidenschaftlich und hielt sie dann ein Stück von sich weg. „Was ist los?“, fragte er und musterte sie eindringlich.
„Was soll denn los sein?“, fragte sie ihn, bereut es aber sofort. Sie machte sich von ihm los und ging ihm voraus ins Wohnzimmer. Sie hörte, wie er ihr folgte. Rylee ging bis zum Tisch und drehte sich plötzlich um. „Ich muss dir etwas sagen“, platzte sie heraus.
Seine Augen verengten sich. „Leg los“, sagte er mit ausdruckslosem Gesicht.
Rylee holte tief Luft. „Wo soll ich nur beginnen?“
„Am Anfang“, schlug er vor.
Sie schluckte. „Gut“, sagte sie und musste sich noch einmal räuspern. „Damals, als du mir gesagt hast, dass du heiratest. Das war … sehr schlimm für mich. Ich bin nicht damit fertig geworden. Irgendwann war es so schlimm, dass ich körperlich und psychisch total abgebaut habe. So stark, dass ich sogar meine Pflichten als Hüterin vernachlässigt habe. Ich konnte mich weder um das Haus noch um die Gäste richtig kümmern. Evanora hat angeboten, mir zu helfen. Sie hat mir einen Trank gemischt, der für eine gewisse Zeit meine Gefühle zu dir unterdrücken sollte.“
Sie warf Vlad einen unsicheren Blick zu. Seine Mimik wirkte starr