Die Tat
Der 24. März, Karsamstag, war ein angenehmer Frühlingstag in Neubrandenburg. Lagen morgens die Temperaturen gerade ein oder zwei Grad über null, stiegen sie am Nachmittag dank des strahlenden Sonnenscheins auf bis zu 14 Grad. Das Wetter schien mit Günter zu sein. Er soll vorgehabt haben, sich Ostern mit seiner Freundin zu verloben. Das hatte er wenige Tage zuvor seinem Kameraden Willy Wagner, einem späteren Korvettenkapitän der Volksmarine, in Parow erzählt.
Wahrscheinlich wolle er seiner Elli am Ostersonntag die Frage stellen, ob sie ihn heiraten wolle. Am Sonnabend zogen beide abends noch einmal los. Sie gingen in den Filmpalast. Das 1928 eröffnete Kino, das sich in seiner Architektur am benachbarten Stargarder Tor orientierte und über 700 Plätze verfügte, dürfte für ein verliebtes Pärchen die attraktivste der wenigen Möglichkeiten gewesen sein, am Ostersonnabend in Neubrandenburg etwas zu unternehmen. Der Film war mit Sicherheit kein Blockbuster. In der Region liefen zu dieser Zeit „Panzerkreuzer Potemkin“, eine 1950 veröffentlichte sowjetische Neufassung des Stummfilmklassikers von Sergei Eisenstein aus dem Jahr 1925, „Kutussow“, ein ebenfalls sowjetischer Film aus dem Jahr 1943, der am 2. Februar 1951 in einer DEFA-Synchronfassung in die ostdeutschen Kinos gekommen war, „Orientexpress“, ein deutsches Stummfilmmelodram, das trotz der Besetzung mit UFA-Stars wie Lil Dagover und Heinrich George sicher kein Kassenmagnet gewesen sein dürfte, war der Film doch Vorkriegsware aus dem Jahr 1927. Vielleicht haben sie die Komödie „Ehe man Ehemann wird“ gesehen. Thematisch hätte der Streifen aus dem Jahr 1941 gepasst.
Der 1928 von Alfred Feindt, Demmin, mit 400 Plätzen eröffnete Filmpalast verfügte nach mehreren Umbauten 1951 über 701 Plätze.
Eine kecke Studentin verliebt sich in ihren Professor, einen Musikhistoriker und eingefleischten Junggesellen. Sie taucht in einer Unwetternacht hilfesuchend in seinem Landhaus auf und spielt ihm vor, auf der Hochzeitsreise den Ehemann bei einer Autopanne verloren zu haben. Das war eine flott gespielte Komödie mit bündelweisen Schwindeleien, die letztlich in ein Doppel-Happyend mündeten.
Nach dem Kino spazierten Günter und Elli Elsholz, sie arbeitete übrigens als Hausangestellte, noch ein wenig Hand in Hand durch die Stadt. Wahrscheinlich gingen sie nicht direkt die Stargarder Straße hoch zum Bahnhof, sondern die Straßen außerhalb des Walls entlang. Hier gab es keine kriegsbedingten Lücken in der Bebauung.
Zu den Besuchern der gegen 21 Uhr endenden Kinovorstellung gehörten auch Horst Paschen sowie Hans Kambs mit seiner Freundin. Der arbeitslose Bekannte von Paschen war kurze Zeit Angehö