: Elke Vesper
: Mörderische Familie Ein Psychothriller
: Ellert& Richter Verlag
: 9783831910472
: 1
: CHF 12.60
:
: Spannung
: German
: 432
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Anne, blond, schön, einarmig, wird neben ihrem vergifteten Bruder Johannes aufgefunden. Sie gesteht die Tat, verhält sich psychotisch und wird in die forensische Psychiatrie eingeliefert. Kristien Blau, Psychotherapeutin, fühlt sich verpflichtet Anne, die sie seit Jahren behandelt, zu helfen. Sie schart um sich eine Gruppe ehemaliger Klienten: Swantje, Anwältin, Mark, vorzeitig verrenteter Polizist und Tankred, ein Kriminalkommissar. Außerdem ihre Freundin Gudrun, Professorin der Kriminologie.Elke Vesper lässt in diesen Roman Erfahrungen aus ihrer Arbeit als Psychologin einfließen. Das Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern, das familiäre und gesellschaftliche Totschweigen und die Zerstörung einer ganzen Familie wird fachkundig und anschaulich thematisiert. In diesem spannenden Thriller ist das 'Wer tat es ' genau so wichtig wie das Wie konnte es geschehen' .

Elke Vesper wurde in Hamburg geboren, lebte ein Jahr in Frankreich, fünfzehn Jahre in Köln, neun Jahre in Spanien und ist 2006 nach Hamburg zurückgekehrt. Sie studierte Literatur, Philosophie, Psychologie und promovierte über französische Literatur. Sie machte Ausbildungen als Fremdsprachenkorrespondentin, in Tanz- und Körperpsychotherapie, Paar- und Sexualtherapie sowie in Hypnotherapie. Ihr erster Roman 'Freier Fall' erschien 1983. Seitdem hat sie viele Romane veröffentlicht, zum Beispiel den biographischen Roman zu Suzanne Valadon 'Schreckliche Maria' und als jüngstes die Romantrilogie zu den 'Wolkenraths', eine Hamburger Familie, die sie seit 1890 in deren Entwicklung verfolgt. Außerdem schrieb sie Reiseberichte und psychologische Ratgeber , z.B. 'Ist unsere Liebe noch zu retten - 12 Schritte zu einer starken Partnerschaft'.

25. NOVEMBER


„Du siehst adrett aus“, hat mein Sohn eben zu mir gesagt.

Adrett ist eigentlich nicht sein Sprachgebrauch.

„Adrett?“, habe ich gefragt, dachte, er wollte mich verspotten.

„Ja.“ Felix lächelte mich freundlich an. „Schwarze Hose, weiße Bluse, ist doch adrett, oder? So kenne ich dich sonst nicht. Steht dir.“

Ich glaube, er wollte nett sein.

Er hat zwar behauptet, er sei für ein paar Tage von Berlin nach Hamburg gekommen, um Freunde zu besuchen, aber ich habe den Verdacht, dass er nach seiner Mutter schauen will. Er weiß, wie elend es mir geht nach meiner Trennung von Max. Trennung? Ist es wirklich schon so weit? Ich will es nicht glauben.

Ich schiebe diese Gedanken und vor allem die Gefühle beiseite, die mir Bauchgrimmen bescheren. Gleich kommt Anne zur Therapie. Und das ist gut. So kümmere ich mich eine Stunde lang um ihre Probleme und meine treten in den Hintergrund.

Es ist kurz nach vier Uhr am Nachmittag. Ich stehe vor meiner Balkontür, die zur Straße weist. Neben mir Rocco, mein Golden Retriever. Dicht drängt er sich an mein Bein. Als wolle auch er nett sein, mich beschützen.

Draußen zieht die Dämmerung herauf. In einigen der gegenüberliegenden Wohnungen lassen erleuchtete Lampen darauf schließen, dass die Bewohner zu Hause sind. Ich sehe eine dicke helle Kugel aus Papier, dahinter Bücherregale, auch im schräg darunter gelegenen Zimmer Regale, prall gefüllt mit übereinander gestapelten Büchern. Das Zimmer daneben glimmt hinter verhüllenden Gardinen in violett flackerndem Fernseherlicht.

Fußgänger hasten als dunkle Schatten durch Nieselregen. Seltsam tröstlich die erleuchteten Fenster der Bäckerei schräg gegenüber. Plötzlich überfällt mich Sehnsucht. Wonach? Heil sein? Früher war mein Leben auch nicht heil, aber es gab für jede Verzweiflung eine Hoffnung, für jede Niederlage einen Neubeginn. Und heute?

Ein Auto fährt langsam durch die Einbahnstraße. Ich höre das Brummen und über Feuchtigkeit gleitende Reifen. Dann ist es wieder still. Und wieder ein Auto. Aus der Ferne klagt die Sirene eines Krankenwagens. Es klingt wie eine Botschaft, eine Warnung. Warum nur bin ich so unruhig?

Vor einer halben Stunde hat Felix sich verabschiedet. Er übernachtet bei einem Freund, den er von früher kennt. Skaterfreund. Seit einer Viertelstunde bin ich ber